Ein blaues Sofa und 5 Gäste

Vor ein paar Wochen erhielt ich von einer Professorin an der Uni einen Flyer.

–> 5. Literarisches Quintett <–

2 Dozenten – 3 Studis – 5 Werke

Bisher war ich noch nie bei solchen Veranstaltungen an der Uni gewesen, doch diesmal war meine Neugier geweckt.

Warum?

Auf dem Flyer standen auch die 5 Werke die vorgestellt werden sollten. Unter ihnen waren auch zwei Bücher, die ich nur kurz zuvor auf meine Liste der 100 Bücher geschrieben hatte.

Also nichts wie hin.

Und dann komm ich da gestern Abend an und mich trifft der Schlag. Die Veranstaltung sollte in einem umgestalteten Seminarraum statt finden. Statt des Dozentenpults standen vorn ein blaues Sofa, zwei passende Sessel und zwei sehr alte Wohnzimmerlampen. Man hatte doch tatsächlich ein kleines „Wohnzimmer“ in den Seminarraum gebracht.

Aber dann war da das Publikum: wir waren ca. 70 Leute und 80% von ihnen über 50. Ich weiß nicht, irgendwie war das wieder typisch. Die Studenten beschweren sich darüber, dass es keine Kultur in der Stadt und an der Uni gibt und dann kommen sie nicht, wenn es mal etwas gibt.

Aber zurück zur eigentlichen Veranstaltung und deren Spielregeln:

Die 2 Professoren und 3 Studenten hatten in den letzten Wochen 5 Bücher erhalten und mussten diese lesen. (Im Verlauf stellten sich die unterschiedlichsten Wahl- und Losverfahren heraus, die uns zu den 5 Büchern gebracht hatten) Die 3 Studenten besaßen das Vorrecht, welche Bücher sie vorstellen wollen würden und die Professoren mussten letztendlich nehmen, was übrig blieb. Bei der Vorstellung ging es darum, den Inhalt möglichst kurz zu umreißen ohne das Ende zu verraten und dann seine Eindrücke und Meinung kund geben. Anschließend durften auch die anderen 4 in die Diskussion einsteigen.

Ich möchte euch hier kurz diese 5Bücher vorstellen und die Atmosphäre schildern, die bei jedem Buch herrschte.

Zum Inhalt werde ich nicht viel sagen, da ich sie selbst nicht gelesen habe. Aber ich werde die Bücher entsprechend verlinken, damit jeder nachschauen kann.


Nikola Hahn – Der Garten der alten Dame

Dieses Buch durfte die Germanistik-Professorin vorstellen.

Darin geht es um ein junges Mädchen, deren Eltern sich getrennt haben und sie versucht aus der Realität zu flüchten und landet im Garten einer Frau Meier, die später eine gute Freundin wird.

Die Professorin fand das Buch unglaublich schrecklich. Sie fand den Schreibstil nicht gut und auch den Inhalt nicht gerade fesselnd. Als die anderen 4 Leser einstiegen, wurde schnell klar, dass auch sie das Buch nicht mochten und die Studenten das Mädchen mit ihrem Gejammer recht nervig fanden und die zwei Professoren die Aufmachung nicht gut fanden und es eher als ein „privates Projekt“ sahen, dass es in die Buchläden geschafft hätte.

Besonders schrecklich fand jedoch alle, dass es von dem Buch vier Ausgaben gab: die Frühlings- (opulent illustrierte Ausgabe) / Sommer- (eBook) / Herbst- (stimmungsvolles Schwarzweiß) und Winterausgabe (Text pur).

Was ist damit gemeint? In dem Buch gab es Bilder vom Garten, welche wohl übertrieben bearbeitet wurden, so die 5 Leser auf dem Sofa, aber je nach Ausgabe waren sie entweder bunt, schwarzweiß oder gar nicht vorhanden.

Bei diesem Buch waren sich alle 5 Leser einig: nicht empfehlenswert.


Haruki Murakami – Von Männern, die keine Frauen haben

Ein Kurzgeschichtenband. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Zwar habe ich das Buch ebenfalls auf meiner Liste stehen, jedoch noch nie habe ich es genauer betrachtet. Die Kurzgeschichten handeln immer von Männern, die keine Frauen haben, die inhaltlich nicht miteinander vergleichbar sind.

Diesmal durfte einer der Studenten das Buch vorstellen und schnell stellte sich heraus, dass er ein unglaublicher Verehrer des Autors war. Er kannte alle vorherigen Bücher des Autors und war bei diesem etwas enttäuscht. Die anderen Leser hatten vom Autor bisher noch nichts gelesen oder nur wenig und fanden daher das Buch sehr gut und mochten es.

Schnell kam es jedoch zu Diskussionen wie die Frau in den Büchern dargestellt wurde und weil die 5 Leser vorn vom Thema abzuschweifen schienen, warf der Professor (mein ehemaliger Lateinlehrer) ein, dass das Buch eine Hommage an die Frau sei, die nicht mehr da ist.


Hans Rath – Und Gott sprach: Wir müssen reden!

Der eigentliche Grund, warum ich zu dieser Veranstaltung gegangen bin, war dieses Buch. Und langsam lockerte sich auch die Stimmung. Denn bisher war die Stimmung irgendwie verkrampft gewesen und endlich lockerten sich die Sprecher. Vielleicht tat der Wein endlich seine Wirkung.

Doch zurück zum Buch.

Es ist ein Unterhaltungsroman, dessen Handlung nicht ganz einfach zu erklären war. Aber er handelt von einem gescheiterten Therapeuten, der jemandem begegnet, der sich für Gott hält.

Plötzlich konnte die bunte Truppe vorn auf dem Sofa ganz locker reden und es ging um einige Passagen aus dem Buch und es wurde sogar ein Stück vorgelesen, was im Publikum für mächtige Lacher sorgte.

Irgendwie musste man aber wieder ernst werden und so wurde von meinem Lateinlehrer der theologische Aspekt des Buches angesprochen, der eigentlich nicht wirklich vorhanden war und eher enttäuschte. Macht aber nichts, denn eine Studentin auf dem Sofa meinte nur, als es um den Klosterbesuch im Buch ging: „nicht jeder, der im Kloster ist, ist verrückt.“ – Bei ihr wirkte der Wein definitiv. 😀

Und ich freue mich jetzt auf jeden Fall dieses Buch lesen zu können und bereue nicht, dass ich es auf meine Liste geschrieben habe.


Martin Horváth – Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

Dieses Buch machte wohl die 5 Leser am nachdenklichsten, denn es sprach eine aktuelle Problematik an. Das Buch handelt von einem Ali, der in einem Asylheim in Wien lebt und von seinem Leben in diesem Heim erzählt.

Es führte zur längsten Diskussion an diesem Abend, bei der ich jedoch irgendwann ausstieg, denn das Thema ist derzeit in allen Medien und Nachrichten vertreten.


Michael Niavarani – Der frühe Wurm hat einen Vogel

Der Titel war Programm.

Es handelte sich wieder um einen Kurzgeschichtenband, wobei das Buch mit dem Leser diesmal kommunizierte. Die Studentin, die die Ehre besaß, dieses Werk vorzustellen, las aus der ersten Geschichte vor und brachte somit das gesamte Publikum zum Lachen.


 

Im Verlauf der Diskussion stellte sich heraus, dass das Buch eigentlich ganz witzig sei, aber sich hauptsächlich dazu eigne, laut vorgelesen zu werden.

Am Schluss lässt sich sagen, dass sich Professoren und Studenten immer (un-)einig sind.

Eure Jule 😀

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