Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb (Tanya Stewner)

Vielen Dank an LovelyBooks und den Fischer Verlag, für die Bereitstellung eines Rezensionsexeplares.

Der Sommer, in dem die Zeit stehen blieb-Neu
Foto: privat

Kurzinfos:

Titel: Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb

Autorin: Tanya Stewner

Verlag: Fischer Verlag (19.02.2015)

Seitenzahl: 320 Seiten

ISBN-10: 3596854264

ISBN-13: 978-3596854264

Preis: 14,99€

Zum Inhalt:

Wenn Juli sich aus dem Alltag zurückziehen will und in Ruhe ihren Gedanken nachhängen möchte, dann zieht sie sich in den Wald zurück – auf ihre Lichtung. Eines Tages ist die Lichtung jedoch nicht mehr so verlassen, wie sie diese sonst vorfindet. Ein Junge steht vor ihr, der wie von einem anderen Stern wirkt. Er ist geheimnisvoll und Juli verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Die Liebe der beiden könnte die Welt verändern…

Meine Rezension:

»Verneigt euch vor dem Geist der Natur, dessen Genie kein Mensch jemals erreichen wird.« (Marie Sonrisa, S. 289)

Auf das Buch bin ich durch sein Cover aufmerksam geworden. Von weitem denkt man, dass es einfach nur rosa Blüten sind, die mich vor allem an die im Frühling rosa blühende Mandelbaumallee meiner alten Wohnstraße erinnerte. Doch nachdem ich das erste Mal das Buch in den Händen halten durfte, erkannte ich, dass man hinten den Blüten ein Bild einer Lichtung mit zwei Menschen befindet. Und schon war ich hin und weg von dem Cover, obwohl ich rosafarbene Sachen sonst immer kitschig finde. Durch das Cover bin ich allerdings auch auf den Titel aufmerksam geworden und der schrie ja förmlich nach mehr und ungelösten Rätseln. Meine Neugier war geweckt und schon wenig später durfte ich mich als glückliche Teilnehmerin der Leserunde auf LovelyBooks wiederfinden.

***

Als ich die letzte Seite des Buches umblätterte und den Buchdeckel schloss, saß ich einfach nur da und atmete den Geruch des geschlossenen Buches ein. Eine einzige Frage kreiste durch meinen Kopf: Wie sollte ich jemals eine würdige Rezension für dieses Buch schreiben können?

Mich hatte der »Das Buch ist zu Ende«-Blues gepackt. Und selbst jetzt lassen mich viele Aspekte des Buches nicht los.

In dem Buch geht es um Juli, die sich in den unbekannten Anjano verliebt, der eines Tages plötzlich auf ihrer Lichtung auftaucht. Die Lichtung ist Julis Ort, an den sie sich zurückzieht um nachzudenken. Jedes Kind, ob nun fast 17 wie Juli oder jünger, braucht solch einen Rückzugort, gerade wenn die Eltern dabei sind, sich zu trennen und ich fand auch dies schön. Denn Julis Familie kommt einem zu Beginn des Buches traumhaft vor. Sie wohnt in einem noblen Viertel und dann auch noch im nobelsten Haus. Da möchte doch jeder wohnen, oder? Aber schon nach den ersten Worten über das Innere des Hauses, weiß man, dass die Fassade nur nach außen gut wirkt und im Inneren gerade eine Ehe scheitert.

Doch zurück zu der Lichtung von Juli. DER zentrale Ort des Buches, der gesamten Handlung, denn auf dieser Lichtung wohnt die Zukunft. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten… 😉

Neben der Handlung, über die man wirklich kein Wort zu wenig oder zu viel verlieren darf, wenn man nicht zu wenig oder zu viel verraten will. Hach, das ist aber auch verzwickt. Ein falsches Wort und ich habe das Gefühl alles zu verraten, was bei diesem Buch definitiv die Spannung nehmen würde.

Denn die Spannung in diesem Buch ist so filigran ausgearbeitet, wie die Charaktere. Ich liebte jeden einzelnen von ihnen. Besonders Whoopi (richtig, nach Whoopi Goldberg benannt) und Anjano habe ich ins Herz geschlossen. Whoopi macht das Buch durch ihre Einzigartigkeit und ihre Liebe zu Trash-TV wunderbar. Die Momente mit ihr genießt man richtig. Ähnlich ist es mit Anjano. Man muss ihn einfach mögen, so wie er redet und sich benimmt.

Doch was mich an diesem Buch wirklich begeistert hat, waren die anderen großen Themen, die angesprochen wurden. Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, dass es sich um ein Jugendbuch handelt und deswegen ernste Themen nur angesprochen werden, es wird keine perfekte wissenschaftliche Lösung präsentiert, geschweige denn jede Recherche bis ins kleinste Detail auseinandergepflückt.

Es gefiel mir, dass das heutige Schönheitsideal angesprochen wurde, aber nicht verherrlicht wurde. Stattdessen wurden die »Makel« der Protagonistin angesprochen, die eigentlich gar keine Makel sind. Wir sind heute so fixiert auf die Models auf den Zeitschriften-Covern und Heidi Klum lügt uns jedes Jahr bei GNTM neuen Müll vom Himmel. Ich fand es wunderbar, dass es in diesem Buch angesprochen wurde, da es ja vor allem für Leser um die 15 Jahre geeignet ist, und gerade in diesem Alter festigt sich ja ein Schönheitsideal.

Noch viel interessanter finde ich jedoch die Beschreibung (Achtung SPOILER!) der Zukunft. Die Vorstellung, dass unsere Gesellschaft ohne Geld leben könnte ohne komplett im Chaos zu versinken, ist großartig, wenn auch sehr unvorstellbar – zum derzeitigen Punkt. Doch geht man in der Geschichte zurück, kann man sehr wohl erkennen, dass wir mal in einer Zeit ohne Geld gelebt haben und dann war auch nicht alles schlecht. Im Gegenteil, ich bin sogar der Meinung, ähnlich wie im Buch, dass ohne Geld das Leben so viel einfacher wäre. Die großen Sorgen der heutigen Zeit sind doch: kann ich am Ende des Monats meine Rechnungen bezahlen? / Reicht mein Geld aus um XY zu kaufen, damit ich XY erreichen kann? – Das Geld und der Reichtum beeinflussen und kontrollieren unser Leben heutzutage so enorm, dass wir dadurch krank werden. Von der Menge des Geldes hängt sogar die Schulbildung ab. Genau diesen Fakt habe ich in diesem Buch – Jugendroman und Romanze hin oder her – geliebt und er regt zum Nachdenken an. Und wenn dies eines der Ziele war, die das Buch bei seinen Lesern erreichen soll, dann ist es Tanya Stewner bei mir gelungen.

Fazit:

»Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb« ist ein Roman für all diejenigen, die auf der Suche nach viel Gefühl, einer jungen Liebe und doch dem gewissen etwas sind. Tanya Stewner hat ihren Lesern nicht nur eine Liebesgeschichte geschenkt, sondern auch einen neuen Blick auf unsere Zukunft.

5 Sterne-Braun-oH

Eure Jule

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