Lieber Mr. Salinger (Joanna Rakoff)

(c) Knaus-Verlag
(c) Knaus-Verlag

Titel: Lieber Mr. Salinger

Autorin: Joanna Rakoff

Genre: Roman

Verlag: Knaus Verlag

Seitenzahl: 304 Seiten

Preis: 19,99€

Zum Inhalt:

Von ihnen gibt es Hunderte: blitzgescheite junge Frauen, frisch von der Uni und mit dem festen Vorsatz, in der Welt der Bücher Fuß zu fassen. Joanna Rakoff war eine von ihnen. 1996 kommt sie nach New York, um die literarische Szene zu erobern. Doch zunächst landet sie in einer Agentur für Autoren und wird mit einem Büroalltag konfrontiert, der sie in eine längst vergangene geglaubte Zeit katapultiert. Joanna lernt erst das Staunen kennen, dann einen kauzigen Kultautor – und schließlich sich selber. (Quelle)

Meine Rezension:

»Ich war fast am Ende angelangt und spürte schon das Verlustgefühl, das sich einstellt, wenn ein großer Roman zu Ende geht.« (S. 218)

Darf man bei einem autobiographischen Roman Kritik üben? – Ich vertrete die Meinung, dass man zumindest dies mit Bedacht tun sollte und etwas mehr abwiegen, wie angebracht diese oder jene Kritik ist. Dies nur vorweg.

Bevor ich dieses Buch zu lesen begann, unterhielt ich mich mit Sarah (hier kommt ihr direkt zu ihrer extrem langen URL) über diesen Roman, die ihn schon gelesen hatte. (Ihre Rezension zu diesem Buch findet ihr übrigens hier. Und jetzt ist auch Schluss mit der Werbung. :D)

In unserem Gespräch ging es hauptsächlich um die Hauptperson des Buches: Joanna. Sarah berichtete mir, dass in der Leserunde bei LovelyBooks Joanna durch ihre naive Persönlichkeit besonders kritisiert wurde.

Wer ist Joanna? Joanne ist Autorin und Protagonistin dieses Romans und Joanna berichtet in diesem Roman von ihrem ersten richtigen Job nach dem Studium – da ist sie 23/24 Jahre alt. Und zu der Kritik ihres naiven Charakters. Warum wird dies kritisiert? Vielleicht war Joanna in diesem Alter wirklich naiv und jeder Student, der kurz vor seinem Abschluss steht oder ihn bereits geschafft hat, kann Joanna in bestimmten Situationen einiges nachempfinden. Während des Studiums malt man sich die wunderbarsten Szenarien für die Zeit danach aus und dann wird man plötzlich mit der Realität konfrontiert und BUMM! wird man als naiv bezeichnet. – Ich war jedoch von der ersten Seite an Fan von Joanna, weil sie eben nicht perfekt war und sie die typischen »Fehler« junger Erwachsener machte.

Gegenüber Joanna fand ich ihren Vater ungemein unsympathisch in seiner Art und es war mir von Anfang an unklar, welche Rolle Don in diesem ganzen Roman gespielt hat und welche Beziehung Joanna zu ihm pflegte. War er ihr Freund? Ihre Affäre? Ihr Mitbewohner?

Der Schreibstil hat mir gefallen. Er war flüssig, fesselnd und hat dem Leser die Zeit, in der Joanna in der Agentur arbeitete wunderbar näher. Man fühlte sich, wie Joanna, immer mehr in der Agentur zu Hause, hörte beim Lesen manchmal selbst schon das Klicken der Schreibmaschine.

Nur ein Punkt störte mich. Die Absätze. Meist in emotionalen Szenen oder sehr privaten Momenten endeten die Absätze abrupt und im nächsten Moment befanden wir uns an einem anderen Ort oder ein paar Tage später in der Handlung. – Über diesen Punkt habe ich etwas Nachdenken müssen, ob er nun gut oder schlecht, Absicht oder Versehen war. – Letztendlich bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass diese abrupten Unterbrechungen mit Absicht vorgenommen wurden. Joanna Rakoff erzählt hier einen Teil ihres Lebens und wollte den Schwerpunkt auf ihre Zeit in der Agentur und die Arbeit mit J. D. Salinger legen und wollte wahrscheinlich zu private Dinge aus ihrem Leben nicht preisgeben, konnte sie aber auf Grund des Erzählflusses nicht auslassen.

Fazit:

Mir hat der Roman sehr gut gefallen und die Liebe zur Arbeit, die man in der Literaturbranche braucht, deutlich gemacht. Es war ein Vergnügen dieses Buch zu lesen und jeder, der Bücher liebt, sollte einen Blick hineinwerfen.

4 Sterne

Eure Jule

PS.: »Der Fänger im Roggen« (Salingers Hauptwerk) steht dank dieses Buches jetzt auch auf meiner Wunschliste. 😉

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Ein Gedanke zu “Lieber Mr. Salinger (Joanna Rakoff)

  1. Liebe Jule,

    herzlichen Dank für a) einen Lachanfall als ich b) Deinen lieben Werbeblock für mein Blögchen gelesen habe. Dankeschön 😀

    Zum Buch: Jetzt weiß ich, wie Du das mit dem „Aber“ meintest, das Du erwähnt hast. Verstehe ich! Irgendwie hatte ich das Glück, dass mich diese Absätze nicht ganz so sehr irritiert haben – im Nachhinein muss ich aber sagen, dass an Deinen Worten viel wahres dran ist. Man müsste Frau Rakoff wohl selbst dazu befragen.

    Übrigens: Der „Fänger“ ist auf ähnliche Weise ganz eigenartig an manch einer Stelle und doch… ja, irgendwie hat er mich ähnlich berührt, wie die Briefeschreiber in Rakoffs Erzählung.

    Freu Dich drauf 😉

    Liebe Grüße
    Sarah

    Gefällt 1 Person

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