Eine ganz außergewöhnliche Lesung

Ich war noch nicht auf vielen Lesungen – ein kleines Geständnis zu Beginn. Und hauptsächlich fanden sie auf dem Messegelände der Leipziger Buchmesse oder in leeren Seminarräumen meiner Uni statt. Also alles ganz neutrale Orte, wo sich das Publikum ganz auf den Autor und sein Buch konzentrieren können.

Vor ein paar Wochen fragte mich dann Sarah (von studierenichtdeinleben), ob ich nicht Lust hätte sie in Dresden im Haema-Gebäude zu einer Lesung zu begleiten. Von der Autorin und dem Buch hatte ich bisher noch gar nichts gehört, aber es klang alles sehr gut und so sagte ich kurzerhand zu.

So las am 17. April, dem »Welttag der Hämophilie« (Bluterkrankheit) Gabriele Schmid im Dresdner Haema-Zentrum aus ihrem Buch »Gleichklang« vor.

Kurz nach meiner Zusage an Sarah, dass ich sie begleiten würde, hatte ich nicht daran gedacht, dass Haema ein Blutspendedienst ist. (Ja, es ist wirklich so. Diesen Fakt hatte ich aus mir unbekannten Gründen ausgeblendet.) Da ich selbst weder Blut noch Blutplasma spenden darf, war ich auch noch nie zu der Gelegenheit gekommen, solch ein Gebäude von innen zu betrachten.

Doch Sarah und ich fanden die Location recht schnell und da wir viel zu zeitig da waren, durften wir im Wartebereich Platz nehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass genau hier auch die Lesung später stattfinden würde. Genug Stühle und Personen waren ja anwesend.

»Leider« lag ich falsch.

Die Lesung fand schließlich im Spenderraum statt. Ich glaube so fühlen sich Erstklässler in Hogwarts, wenn sie das erste Mal die Große Halle betreten. (Ok, der Vergleich hinkt vielleicht etwas, aber egal.) Ich hatte mir diesen Raum nämlich nicht SO groß vorgestellt und auch nicht SO viele Liegen, geschweige denn SO viele Spender vorgestellt. Ich war total geplättet. Vielleicht klingt dies jetzt seltsam für alle die, die regelmäßig spenden gehen, aber für mich war alles neu.

Die Lesung fand also direkt vor den Spendern für die Spender statt, die gerade auf den Liegen ihr Blutplasma spendeten. Noch immer schüttelt es mich am ganzen Körper, wenn ich an die Beutel mit dem Blutplasma denke. Ich danke meinem Kreislauf, dass er mich nicht vor versammelte Mannschaft verlassen hat.

Die Lesung

Jetzt aber endlich zum Buch. Gabriele Schmid stellte ihren Roman »Gleichklang» vor. Und jetzt kann ich euch auch endlich verraten, warum als Leselocation ein Blutspendezentrum ausgewählt wurde und nicht etwa eine Buchhandlung oder eine Bibliothek.

Das Buch dreht sich um die Familie der Ärztin Samantha, deren Leben komplett durcheinander gewirbelt wird, nachdem plötzlich der Vater ihres Sohnes – ebenfalls Arzt – im Krankenhaus vor ihr steht. Er weiß nämlich nichts von seinem Sohn Patrick, noch weiß er, dass Patrick an Hämophilie – der Bluterkrankheit – leidet. (Mehr zum Buch gibt es HIER)

Doch die Lesung fand nicht nur bei der Haema statt, weil das Buch die Hämophilie thematisiert, sondern auch die Autorin selbst hat einen ganz persönlichen Bezug zu dieser Krankheit. Ihr Sohn Patrick ist selbst Träger dieser Krankheit und auf die Spendebereitschaft angewiesen. Patrick gab auch dem Buch-Patrick ganz bewusst seinen Namen und las es auch noch in der Skriptform. Bisher liegt das Buch zwar noch ungelesen in meinem Schrank, aber es lässt sich jetzt schon sagen, dass die Darstellung der Hämophilie mit sehr viel Liebe in dem Buch geschehen ist.

Während der Lesung stellte Gabriele Schmid verschiedene Szenen aus dem Buch vor und Sarah und ich haben uns sehr amüsiert und natürlich gleich das Buch im Anschluss der Lesung erworben. Zwar nicht gleich, denn Sarah hatte uns schon zu Beginn der Lesung als Bloggerinnen geoutet und so durften wir kurzerhand mit in den Backstage-Bereich.

Backstage? Auf einer Lesung?

Ja, nichts ist unmöglich.

Ein Stockwerk tiefer befand sich der Pausenbereich der Haema-Mitarbeiter und extra für die Lesung war dort ein Rückzugsort eingerichtet worden. Es gab etwas zu Trinken, frisches Obst, Schokolade (oh ja!), Schnittchen und eine wunderbare Erdbeertorte. Sarah und ich wurden hier herzlich begrüßt, aber wir waren doch sehr verunsichert und schüchtern. Wir sind nicht immer so. Wirklich! 😀

Nach dieser stärkenden Pause, folgte der zweite Teil der Lesung, wieder im großen Spendersaal. Gabriele Schmid war diesmal etwas aufgeregter, weil sie eine Szene vorlesen sollte, die sie nicht vorbereitet hatte. Aber dies hat sie super gemeistert und noch mehr Lust auf dieses Buch gemacht.

Anschließend folgte ein kurzer Vortrag von der Jugendorganisation der DHG – die Deutsche Hämophiliegesellschaft über ihre Unternehmungen und Projekte und die Organisation selbst. Es tut mir leid, wenn ich nicht alles mitbekommen habe, aber da ich mit der Hämophilie bisher noch nie zu tun gehabt habe, war dies wirklich ein unglaublicher Input, kann aber sagen, dass ich trotzdem sehr viel gelernt habe.

Und zum Schluss

Ich war nach dieser Lesung und dem Rahmenprogramm so geplättet, auf positive Art, dass es bis jetzt gedauert hat, einen vernünftigen Beitrag zu verfassen. (Und natürlich hat der Alltag auch seinen Beitrag dazu geleistet.)

Und alle, die mehr über dieses Thema wissen möchten, ihr findet auf der Seite des DHG Informationen und wenn ihr mehr über das Blut- und Blasmaspenden wissen wollte, dann gibt es alle Informationen auf der Seite der Haema. Und noch viel wichtiger: alles zum Buch und Gabriele Schmid gibt es hier und hier.

Fast hätte ich es vergessen

Wie schon gesagt, wurden Sarah und ich so herzlich von allen empfangen, dass man es eigentlich nicht in Worte fassen kann. Und zum Schluss überreichte uns die Haema noch eine Goodie-Bag. Wie lieb ist denn bitte schön das? Mich gewinnt man ja schon mit einem Stoffbeutel, der ziemlich cool ist, aber die Pflaster gehen bald mit auf große Reise und das Duschbad? Das ist mal so mega genial. Mein Schwager in spe und angehender Arzt war ja schon etwas neidisch. 😀

Bilder

Die dürfen natürlich nicht fehlen und diesmal gibt es keine komischen Bilder von mir, die mit dem Smartphone geschossen wurden, sondern richtig professionelle Bilder von Smart und Nett, die ebenfalls einen Blogbeitrag (hier) verfasst haben.

Eure Jule

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4 Gedanken zu “Eine ganz außergewöhnliche Lesung

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