Das Gegenteil von Einsamkeit (Marina Keegan)

Vor ein paar Monaten twitterte Emma Watson über dieses Buch inklusive des Covers. Und das Cover und der Buchtitel zogen mich in ihren Bann. Doch ich vergaß das Buch aus irgendeinem Grund wieder. Wahrscheinlich war ich mit den Gedanken gerade an vielen Orten unterwegs.

Aber Anfang März tauchte das Buch wieder auf. Es erschien auf Deutsch und viele Internetseiten berichteten darüber und in mir stieg der Wunsch, es ebenfalls zu lesen.

Das Gegenteil von Einsamkeit

Titel: Das Gegenteil von Einsamkeit

Autorin: Marina Keegan

Verlag: Fischer Verlag

Seitenzahl: 285 Seiten

Preis: 18,99€

Zum Inhalt:

Ein stürmisches Plädoyer für die Lebensfreude.

Fünf Tage nach ihrer Uni-Abschlussfeier fuhr Marina Keegan mit ihrem Freund zum Geburtstag ihres Vaters nach Cape Cod. Die Eltern warteten mit Hummer und Erdbeerkuchen. Ihr Freund schlief am Steuer ein, der Wagen knallte an die Leitplanke und überschlug sich zwei Mal. Marinas Tod wurde noch am Unfallort festgestellt. Ihr Freund blieb unverletzt.

Marina Keegan war ein Ausnahmetalent. Ihre Stories und Essays vereinen schwerelosen Optimismus mit ungeheurer literarischer Reife: hoffnungsvoll, wild und melancholisch. Man liest sich atemlos, lachend und mit Tränen in den Augen durch das ganze ungestüme und fulminante Buch. (Quelle: Buchrückseite)

Meine Rezension:

Dieses Buch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten und Essays geschrieben während der Studienzeit der Autorin. Und schon nach den ersten beiden Kurzgeschichten merkte ich, dass ich wirklich absolut nicht der Typ von Kurzgeschichten bin.

Dies bedeutet keinesfalls, dass die Kurzgeschichten schlecht seien, ganz im Gegenteil, sie sind gut, vielleicht etwas abgefahren, was den Inhalt betrifft, aber sie waren wirklich gut. Als ein Beispiel möchte ich euch daher die Kurzgeschichte »Vorlesen« vorstellen. Darin geht es um eine Rentnerin, deren Ehe nicht mehr so gut läuft, nachdem ihr Mann nach kurzer Rente doch wieder in den Beruf eingestiegen ist. Sie hat sich daher bei einem gemeinnützigen Projekt gemeldet, wo blinden Menschen vorgelesen wird – ganz alltägliches: die Post, die Zeitung und in diesem Fall auch Lektüre für die Uni, weil der Blinde, ein junger Student ist. So weit so gut. Abgefahren wird die Kurzgeschichte erst, wenn man erfährt, dass sich die ältere Dame vor dem Blinden immer auszieht und die ganze Post ihm nackt vorliest. (Ich merke gerade, wie schlecht ich darin bin, Kurzgeschichten zusammenzufassen.)

Auffällig ist jedoch, dass es in jeder Kurzgeschichte um komplizierte zwischenmenschliche Beziehungen geht, die man sich so einfach gar nicht vorstellen möchte.

Der zweite Teil des Buches beinhaltet einige von Marina verfasste Essays. Die entsprachen schon eher meinem Geschmack und berührten mich auch. Ich war mir bei einigen Essays nicht sicher, ob Marina da aus ihrem Leben erzählt oder nicht. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass sie in den Essays über Themen schrieb, die ihr Leben bewegten. So beispielsweise über eine Reise durch Indien, wo sie mit ihrem Freund zum begehrten Fotoobjekt wurde wegen ihrer blassen Haut.

Mit dem Hintergrund, dass Marina nicht mehr lebt, berührte mich der letzte Essay besonders. Sie schreibt da über das Herumreichen von Visitenkarten auf wichtigen »Partys« und das sie das nicht möchte und sich dem auch widersetzt. Gleichzeitig schreibt sie über die Zukunft, was sie später einmal anders machen möchte und endet schließlich mit dem Satz: »Hallo, sage ich dann zum Weltall, hier ist meine Visitenkarte.«

Schlussendlich lässt sich sagen, dass Marina, würde sie noch leben, hätte sie die Möglichkeit noch mehr zu schreiben, dann wäre aus ihr eine gute Schriftstellerin geworden. Ich hätte ihren ersten Roman bestimmt gelesen und ich bin mir sicher, dass er mir gefallen hätte. Doch die Frage, ob dieses Buch »Das Gegenteil von Einsamkeit« solch ein Erfolg geworden wäre und ob so viele Menschen darüber sprechen würde, das wage ich zu bezweifeln. Aber man kann nie wissen. Denn auch, wenn man die Schwere und den Perfektionismus von Marina in jedem Wort spürt, so ist dies trotzdem ein wunderbares Buch.

4 Sterne

Eure Jule

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3 Gedanken zu “Das Gegenteil von Einsamkeit (Marina Keegan)

  1. Huhu 🙂 Ich war ja schon sehr gespannt auf Deine Meinung und finde es interessant, dass Du auch nicht unbedingt der Typ für Kurzgeschichten bist. Irgendwie habe ich auch den Eindruck, dass diese so überspitzt geschrieben sein müssen – sonst wären sie ja länger. Die von Alice Munro waren übrigens (also die, die ich kenne) ebenfalls etwas abgefahren…

    Eine sehr schöne Rezension 🙂

    Gefällt 1 Person

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