Selbstporträt mit Flusspferd (Arno Geiger)

Selbstporträt mit Flusspferd-Neu
Foto: privat

Titel: Selbstporträt mit Flusspferd

Autor: Arno Geiger

Verlag: Carl Hanser Verlag (02.02.2015)

ISBN-10: 3446247610

ISBN-13: 978-3446247611

Seitenzahl: 288 Seiten

Preis: 19,90€

Zum Inhalt:

Julian ist zweiundzwanzig. Seine Geschichte mit Judith ist vorbei, und was aus der Geschichte mit Aiko wird, steht in den Sternen – eine Situation, die ihn mehr als nur nervös macht. Arno Geiger erzählt von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens in einer unfreundlichen Welt: die Geschichte einer Trennung, einer Liebe und eines Flusspferdes, das nichts versteht von der Liebe. (Quelle: Buchumschlag)

Meine Rezension:

Ich habe mich auf den ersten Seiten des Buches wirklich unwohl gefühlt. Ich wusste nicht recht, was mich erwarten sollte. Ich hatte auch irgendwie den Klappentext nicht mehr im Kopf und da ich ohne Schutzumschlag lese – der liegt dann immer fein säuberlich im Bücherregal – konnte und wollte ich auch nicht noch einmal nachschauen, sondern mich mit der Geschichte und Julian einfach treiben lassen.

Vielleicht hatte ich auch so ein seltsames Gefühl, weil es zu Beginn des Buches auch Julian nicht gut ging, hatte er sich doch gerade von seiner Freundin Judith getrennt. Julian ist ein außergewöhnlicher Charakter. Voller Selbstzweifel und immer unsicher. Mit 22 Jahren weiß er nicht, wo er in der Gesellschaft und in der Welt steht und hat auch keine Vorstellung, wo er stehen will. Er sucht sich und seinen Platz und dies beschreibt Arno Geiger auf eine wunderbare Weise, die ich leider erst etwas später im Buch – so in etwa bei der Hälfte – verstanden habe. Das Flusspferd – obwohl es sowohl Cover als auch Buchtitel für sich beansprucht – spielt keine riesige Rolle. Zumindest, wenn man seine Handlungen betrachtet, aber es ist eine der wenigen Konstanten, die Julian Halt geben.

Die Gestaltung der Charaktere in diesem Roman hat mir besonders gefallen. Sie hatten alle ihre Macken. Julian war immer unsicher, seine Ex-Freundin Judith eine wirklich eingebildete, gefühlslose Persönlichkeit, Tibor – ach über Tibor könnte man ein weiteres Buch schreiben. Tibor, der Womanizer auf den ersten Blick, hat so viel Tiefe, dass man ihn trotzdem ins Herz schließt. Aber ausgehen würde ich mit ihm trotzdem nicht. Am meisten begeisterte mich Aiko, die Tochter des Professors. Zu Beginn ihres Auftretens war sie für mich die Unnahbare, verwöhnte Tochter, der man in der Kindheit keine Regeln gesetzt hat.

In diesem Roman geht es um das Erwachsenwerden, obwohl man bereits erwachsen ist. Es geht darum als junger Student/Mensch seinen Platz mit Anfang 20 in der Gesellschaft zu finden. Gerade Studenten kennen dieses Problem, dass Arno Geiger in seinem Roman anspricht, man sucht während des Studiums seinen Platz, ist immer wieder unsicher, weil viele Studiengänge keine gesicherte Zukunft eröffnen. Und wir sehnen uns nach Konstanten, die uns während unserer Suche Halt geben. Und wenn es ein Zwergflusspferd ist, dass versorgt werden muss.

Leipziger Buchmesse 2015

Hach, ich habe zwar schon bei meinen Buchmesse-Berichten schon von Arno Geiger geschwärmt, möchte es an dieser Stelle gern noch einmal tun. Seine ruhige Stimme, die er bei seinen Lesungen an den Tag legt, begleitete mich auch während des Lesens. So etwas liebe ich ja. Und es beeinträchtigt auch keinesfalls die Phantasie.

Ich hatte durch meine Feigheit das Glück zwei Lesungen von Arno Geiger zu sehen und mir seine Stimme genau einzuprägen. Warum Feigheit? Ich habe mich bei der ersten Lesung auf dem Blauen Sofa der Leipziger Buchmesse nicht getraut, nach einem Autogramm zu fragen. Und da er ein paar Stunden später noch eine Lesung bei der taz hatte, nahm ich allen Mut zusammen und ergriff dann schließlich dort meine Chance.

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Foto: privat

4 Sterne

Eure Jule

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