Literarisches Quintett

2015-06-09 Literarisches Quintett
Foto: privat

Das Literarische Quintett habe ich im letzten Semester bei mir an der Uni entdeckt. Einmal im Semester stellen an einem Abend ein Professor, eine Bibliothekarin und drei Studenten fünf Bücher vor, die zuvor von den Studenten ausgewählt und schließlich von allen gelesen worden.

Es gibt ein paar kleine Spielregeln:

  • Jeder der Teilnehmer stellt eines der Bücher innerhalb von zehn Minuten vor.
  • Das Ende darf auf keinen Fall verraten werden.
  • Am Ende dürfen alle Diskutieren.
  • Das Publikum darf zuhören, lachen und seinen SuB erweitern.

Diesmal war das Literarische Quintett leider ein Quartett, weil eine Teilnehmerin kurzfristig krank geworden ist.

***

Doch nun endlich zu den Büchern, die an diesem Abend vorgestellt worden. Ich habe bisher keines der nun folgenden Bücher gelesen und gebe daher nur die Meinungen wieder, die gestern von den vier Vorstellenden geäußert wurden. Hin und wieder werde ich aber auch meine Gedanken Kund geben. (Mit einem Klick auf das entsprechende Cover gelangt ihr zu den Verlagsseiten und Beschreibungen.)

Der Trafikant
(c) Kein & Aber

1. Robert Seethaler – Der Trafikant

Die Bibliothekarin durfte vorstellen und nannte dieses Buch perfekt – und sie bezog sich auf das Gefühl, als sie es das erste Mal in den Händen halten durfte. So fühle sich für sie ein perfektes Buch an. (Am Ende wollte auch jeder aus dem Publikum das Buch berühren.)

Es ist ein Wohlfühlroman, weil einfach alles gut und perfekt ist, obwohl es die Geschichte keineswegs ist. Wir befinden uns in Österreich der 1930 Jahre und der Krieg steht kurz bevor, wir erfahren vom Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und mittendrin der Trafikant. (Auf der ersten Seite des Buch soll wohl stehen, was genau ein Trafikant ist. Ich verrate es an dieser Stelle nicht. ;))

Und während alle der Bibliothekarin zuhörten oder es zumindest versuchten, war doch der Großteil des vor allem weiblichen Publikums abgelenkt. Denn der anwesende Dozent war wirklich etwas fürs Auge und man konnte es wirklich niemandem verübeln der da sabberte.

Zum Buch selbst: eine Leseempfehlung wurde ausgesprochen – zwar sei es ein leichter Roman ohne wirkliche Fieslinge, abgesehen von den Nazis – aber wer möchte nicht einfach einen Wohlfühlroman lesen? – Immerhin steuern wir auf den Sommer zu!

Dolfie und Marilyn
(c) carl’s books

2. Franςois Saintonge – Dolfi und Marilyn

Jetzt wird es skurill. Der gutaussehende Dozent durfte anfangen und er berichtete von einem Roman namens »Blondie«, der das Leben von Hitler aus der Sicht von dessen Schäferhund beschreibt.

Doch zurück zum eigentlichen Roman. Ein Buch über einen geklonten Hitler und eine geklonte Marilyn Monroe. Einfach irre. Wer denkt sich bitte so etwas aus? Bei diesem Buch waren sich auch alle einig: der Witz wurde gesucht, aber leider nicht gefunden. Mehr kann ich dazu selbst nicht schreiben.

Die einzige, die an diesem Buch ein paar gute Worte verlor, war unsere geliebte Bibliothekarin, die wirklich auch beim schlechtesten Buch versuchte wenigsten einen guten Punkt zu finden.

Mit Zähnen und Klauen
(c) Luzifer-Verlag

3. Craig DiLouie – Mit Zähnen und Klauen

Das Cover ist schrecklich.

Das Buch durfte ein Student vorstellen. Er hatte es auch gewählt, weil er es im letzten Jahr auf der Leipziger Buchmesse gesehen hatte. Nach dem Klappentext war klar, dass es sich bei dem Buch um eine typische Ami-Geschichte handelte. Ein furchtbarer Virus breitet sich in Amerika aus und zerstört fast die ganze Welt – also eigentlich nur die USA – also doch die ganze Welt. Wir kennen das ja aus den ganzen Weltuntergangsfilmen.

Nicht einmal unsere Bibliothekarin hatte gute Worte für das Buch, obwohl sie sich immer bemüht wenigstens einen positiven Punkt zu finden.

Fazit: nicht lesenswert.

Ich nannte ihn Krawatte
(c) Klaus Wagenbach

4. Milena Michiko Flašar – Ich nannte ihn Krawatte

Ein Buch, bei dem sich zwei Menschen (ein jung, einer etwas älter) auf einer Parkbank treffen und über ihr Leben reden.

Da das Buch in Japan spielt, waren die Leser sehr interessiert an dem, was man über die japanische Kultur erfährt. Es geht um den Leistungs- und Gesellschaftsdruck, den die Japaner schon in jungen Jahren zu spüren bekommen. Es geht um die Hikikomori, also Menschen, die sich auf Grund des Leistungsdrucks in ihrem Zimmer/Haus einschließen und dies nicht mehr verlassen wollen.

Hier kam es zu lustigsten Diskussion. Die Bibliothekarin fand das Buch schön, der erste Student meinte: „Wenn ich Stress haben will, schau ich mir mein eigenes Leben an.“ Gelächter seitens des Publikums. Der gutaussehende Dozent mutierte nun zum Bad Boy, als er meinte, dass wenn er etwas über die japanische Kultur lernen wolle, er ein Buch über Japan lesen würde und dazu keinen Roman brauche. Nun mischte sich der bisher sehr ruhige Student ein, als er meinte, dass man doch mitnehmen sollte, was links und rechts am Wegesrand liegt.

Dieses Buch landete am Ende auf meiner Wunschliste. Als einziges.

Die Auslese
(c) Penhaligon

5. Joelle Charbonneau – Die Auslese – Nur die besten überleben

Ja, wir wissen, dass Dystopien gerade voll im Trend liegen. Aber muss deswegen gerade jeder eine Trilogie deswegen schreiben? Schon als der erste Satz des Klappentextes vorgelesen wurde, klang alles für mich nach »Die Tribute von Panem«. Während der Student also noch sprach, musste ich so lachen, dass ich mehrere Minuten brauchte um mich zu erholen.

Dieses Buch wurde definitiv zerrissen. Die sprachliche Qualität sei Mau und auch das Thema hatten wir in den letzten Jahren zu Hauf.

Fazit:

Ich fand diesen Abend trotz einer nicht empfehlenswerter Bücher wunderbar und habe mich für das nächste Quintett auf die Liste der potenziellen Kandidaten setzen lassen.

Eure Jule

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