Willkommen im Meer (Kai-Eric Fitzner)

Bestimmt haben einige von euch Bücherfreunden auf Twitter oder anderen Social Media Kanälen etwas über dieses Buch bereits gelesen oder vielleicht ist euch der Hashtag #einbuchfuerkai über den Weg gelaufen. Ein Hashtag mit einem traurigen Hintergrund. Kai-Eric Fitzner hatte einen Schlaganfall und seine Familie geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Deswegen sollte das Buch verbreitet werden. Viele kauften daraufhin das Buch oder schickten einfach eine Geldspende an die Familie von Kai oder wünschten einfach nur das Beste und ganz viel Kraft für die Familie – und für Kai.

Ich habe mir das Buch auch gekauft! Ich wollte mithelfen und zu diesem Zeitpunkt war es mir sogar egal, ob das Buch gut oder schlecht war. Dass mir Amazon da aber ein kleines Meisterwerk schicken würde, konnte ja keiner zu Beginn ahnen.

Noch ganz kurz, dann geht es wirklich mit der Rezension los. Wirklich.

Als ich vor ein paar Tagen die Nachricht von Kais Frau auf Kais Facebookseite las, dass Kai aus dem Koma erwacht sei, saß ich mit Tränen in den Augen vor meinem Laptop. Ist es nicht wunderbar?

Jetzt geht es aber los. Wirklich.

Willkommen im Meer Doppelt
Foto: privat

Titel: Willkommen im Meer

Autor: Kai-Eric Fitzner

Verlag: zunächst Amazon, mittlerweile Droemer Knaur (August 2016)

ISBN: 978-3-426-51911-0

Seitenzahl: 332 Seiten / 432 Seiten

Preis: 12,99€ (eBook: 5,99€) / 9,99€

Zum Inhalt:

»Im Lehrerzimmer herrscht eine merkwürdige Atmosphäre. Den meisten Kollegen sieht man an, dass sie frühes Aufstehen ebenso verabscheuen wie ich. Einige scheinen dazu physisch überhaupt nicht in der Lage und starren stumpf auf oder in ihre Kaffeetassen. Vielleicht suchen sie dort nach Inspiration, oder wenigstens nach einer Erklärung, warum die Schule zu dieser biorhythmisch fatalen Zeit beginnt. »Der frühe Vogel fängt den Wurm« sagt der Volksmund. Aber wir sind keine Vögel, Schüler keine Würmer und das mit dem Fangen stimmt mich ebenfalls nachdenklich.«

»Willkommen im Meer« ist: Schule, Humanismus, Niedertracht, Sozialkritik, Oldenburg, PISA, Kolonialismus, Gutmenschverschwörung, Geldadel, Lehrerzimmer, Tolkien, Portugal, Utopia, Mutter, Nachwuchs, Marhuana, Berufsverbot, Radikale, Rotwein, Strand, EMEA, Kleinkinder, Weihnachten, Freundschaft, Ranzen, Volksmund, 9/11, Kochrezepte, Globalisierung, Intelligenztests, Wetter, Schüler – alles in einem einzigen umwerfenden Roman.

(Quelle: Buchrückseite von der Auflage, welche bei Amazon erschienen ist.)

Meine Rezension:

Willkommen im Meer02
Foto: privat – Es zeigt wunderbar wie viele Stellen ich mir markieren musste, weil sie einfach so wunderschön gewesen sind.

Noch nie musste ist ein Buch so oft aus der Hand legen, weil ich herzhaft lachen musste. Es war zum Teil wirklich eine Zumutung es in der Öffentlichkeit zu lesen, weil die Menschen um mich herum dachten, ich hatte einen an der Waffel, weil ich ständig lachen musste.

Doch was macht das Buch so besonders? Es ist die Aktualität über unsere Gesellschaft gewürzt mit einer Brise Gras und jeder Menge Rotwein.

Tim Schäfer, neuer Lehrer am Alex-Gymnasium (ich habe den richtigen Namen vergessen, aber es wird im weiteren Verlauf der Geschichte immer nur »Alex« genannt) in Oldenburg wird mit der ungerechten Hierarchie des ansässigen reichen Bürgertums und der Lokalpolitik konfrontiert. Schüler werden nicht mehr zu selbstdenkenden Menschen ausgebildet, sondern zu kleinen funktionierenden Wirtschaftsmaschinen. In der Schule lernt man nur noch, wie man sich in der aktuellen Marktwirtschaft am besten positioniert um möglichst schnell viel Geld zu verdienen. Selbstständiges und vor allem kritisches Denken ist an dieser Stelle unerwünscht.

Kommt das irgendjemandem bekannt vor? Nicht?

In meiner Schule war es genauso. Es kam auf die Noten drauf an. Wer die Definition eines Sachverhaltes nicht Wort für Wort in einer Klassenarbeit wiedergeben konnte, der bekam Punktabzug. Das Hinterfragen oder eine kritische Meinung war nur in den seltensten Fällen erlaubt. Klar, es war nicht so extrem, wie es Kai in seinem Buch beschreibt, aber es hält unserer Gesellschaft doch recht gut den Spiegel vor Augen.

Da Ende des Buches (keine Sorge, ich verrate nichts) ist vielleicht etwas zu idealistisch für den einen oder anderen Leser, aber für mich nicht. Warum? Weil ich Anfang des Jahres einen Roman gelesen habe, der ebenfalls auf dieser Idee basiert, sie nur etwas weiter ausbaut.

Einen kleinen Kritikpunkt hatte ich während des Lesens. Tim Schäfer und seine Familie legen sich im Laufe der Geschichte mit den reichen Machtbesessenen an. Dies ist natürlich nur möglich, weil auch die Familie Schäfer über ausreichend finanzielle Mittel verfügt. Für mich ein Kritikpunkt, der von den Protagonisten jedoch selbst aus dem Weg geräumt wird. Wie das? Sie erwähnen selbst, dass vieles, was sie unternehmen nur möglich ist, weil auch sie genügend Rückhalt haben und am Ende nicht vor dem finanziellen Ruin stehen würden. Anders wäre es ihnen ergangen, wenn sie dies nicht gehabt hätten. Daher verschwand der Kritikpunkt auch schnell wieder.

DANKE, lieber Kai. Dein Buch landet auf meiner Liste der Empfehlungen für Freunde. 😉 Ich wünsche dir, solltest du oder deine Familie das hier lesen, alles Gute und ganz viel Kraft.

5 Sterne

Eure Jule

Update: Eine weitere wunderbare Rezension zu »Willkommen im Meer« findet ihr bei Sarah von studierenichtdeinleben. Viel Spaß beim Lesen. 😉

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4 Gedanken zu “Willkommen im Meer (Kai-Eric Fitzner)

  1. Ach Jule 🙂

    Ich find das toll, wie Du es geschafft hast, die Begeisterung, die ich auch beim Lesen empfand, in Worte zu fassen. Wie beim Buch musste ich gerade denken, dass es fürchterlich ist, wie ähnlich wir doch über die Schulzeit denken. Aber immerhin: Dass wir wissen, dass das nicht richtig läuft, heißt, dass wir dennoch kritisch denken können – immerhin was.

    Sehr schöne Rezension und Du hast Recht, Kai hat in dem Punkt seinen Kritikern selbst den Wind aus den Segeln genommen.

    Liebe Grüße
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank, liebe Sarah 😉
      Ich fand die Schulzeit schrecklich. Leistung! Leistung! Leistung! Aber wehe man möchte mal nach Links oder Rechts schauen. Gibt’s nicht!
      Ja, wegen dem Wind aus den Segeln nehmen bei den Kritikern. Ich hatte es in meinem Notizbuch als einzigen Kritikpunkt stehen und dann kam aber dieser Satz von Mutter an Antje und ich dachte nur „Sehr clever, lieber Kai“ XD
      Liebe Grüße
      Jule

      Gefällt mir

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