In den Wäldern Sibiriens (Sylvain Tesson)

Ich möchte mich an dieser Stelle beim Knaus-Verlag ganz herzlich für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares bedanken. Und auch für die Geduld, die aufgebracht werden musste, denn meine Rezension hat echt auf sich warten lassen. Warum? Das könnt ihr weiter unten nachlesen.

In den Wäldern Sibiriens02
Foto: privat

Kurzinfos:

Titel: In den Wäldern Sibiriens – Tagebuch aus der Einsamkeit (Original: Dans les forêts de Sibérie)

Autor: Sylvain Tesson

Verlag: Knaus-Verlag (03.03.2014)

Seitenzahl: 270 Seiten

ISBN: 978-3-8135-0564-1

Preis: 19,99€

Zum Inhalt:

Sylvain Tesson hatte beschlossen noch vor seinem 40. Geburtstag als Eremit in den Wäldern zu leben. So entschließt er sich für sechs Monate in eine Blockhütte an das Ufer des Baikalsees zu ziehen. Der nächste Ort liegt rund 120 Kilometer entfernt, Nachbarn, Straßen und lärmende Autos sind ebenfalls weit genug entfernt um die Ruhe der Natur genießen zu können.

So beschreibt der Autor seine Vorbereitungen für die sechsmonatige Auszeit und beginnt schließlich Tagebuch in seiner Einsamkeit zu schreiben.

Meine Rezension:

Dieses Buch kam für mich wahrscheinlich zur falschen Zeit. Vielleicht war es auch einfach nicht die Art von Reiseliteratur, die ich bevorzuge. Anders kann ich mir leider nicht erklären, warum ich dieses Buch schließlich nach 2/3 abgebrochen habe.

Kurzvorweg, ich liebe Bücher über reisende Menschen. Dabei ist es egal, ob man eine Menge Geld gewinnt und sich dann dazu entschließt: 12 Monate, 12 Städte auf der ganzen Welt oder ob man nach dem Studium oder sogar währenddessen auf eine große Reise geht und einem breiteren Publikum davon berichtet. Ich liebe solche Bücher und ich bin auch immer etwas neidisch auf diese Menschen; denn sie trauen sich solch eine Reise anzutreten. Ich reise auch gern, aber ich würde mich nicht trauen über einen so langen Zeitraum meine Heimat zu verlassen. Auf dem Papier klingen solchen Reisen jedoch immer wunderbar. Sie zeigen dem Leser neue Landschaften, neue Orte, an die man vielleicht nie selbst reisen wird oder vielleicht gerade deswegen.

Und hier liegt wahrscheinlich der Grund, warum ich das Buch von Sylvain Tesson abgebrochen habe. Am Anfang klang alles super; ein Mann entscheidet sich in die komplette Einsamkeit Sibiriens zu reisen und dort fernab jeder Zivilisation allein mit der Natur eine gewisse Zeit zu leben. Auch die Vorbereitungen, die zu Beginn des Buches beschrieben werden, klangen nachvollziehbar. Es wurde für genügend Lebensmittelvorräte gesorgt, weil einfach mal zum nächsten Supermarkt gehen, war nicht möglich, und ein riesiger Stapel Bücher wurde mitgenommen; vorrangig Romane berühmter Philosophen. Hier liegt das erste richtig große Problem dieses Buches – mit Einsamkeit in der Natur und philosophischen Büchern verbinde ich, dass auch auf den kommenden Seiten kritische Gedanken geäußert werden, dass man sein Leben reflektiert da draußen in der Einsamkeit.

Leider passierte das nicht. Das Buch ist wie ein Tagebuch aufgebaut und jeden Tag gibt es einen Eintrag, was Sylvain erlebt hat. Diese Einträge sind immer die gleichen; er ist in der Kälte aufgewacht, der Baikalsee ist zugefroren, es sind -40 Grad, er isst, er liest (geht aber nie auf den Inhalt ein, sondern man erfährt nur welches Buch er liest), er trinkt Wodka, er nimmt ein heißes Bad, er hakt Holz und er kriegt Besuch von durchreisenden Russen – und manchmal unternimmt er eine Wanderung, über den See, in den Wald, den Berg hinauf.

Auf diesen Wanderungen flammt kurz Hoffnung auf, denn er beschreibt die Stille des Waldes, die Kälte, die Tiere, die sich diesem harten Leben in der Kälte aussetzen. Aber diese wunderbaren Momente, nach denen ich mich so sehnte, werden zunichte getreten, sobald Sylvain wieder in seiner kleinen Holzhütte ankommt, denn dort kommt der Wodka auf den Tisch oder zufällig kommt Besuch vorbei und der stille Moment des Waldes wird zerstört.

Fazit:

Ich war von diesem Buch enttäuscht, weil es wieder die Schönheit der sibirischen Kälte am Ufer des Baikalsees überträgt noch erfährt man etwas über den Reisenden selbst. Es ist eine Aneinanderreihung von Tagebucheinträgen, die sich wiederholen und nach und nach langweilig werden, weil nichts Neues folgt.

1 Stern-oH

Eure Jule

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3 Gedanken zu “In den Wäldern Sibiriens (Sylvain Tesson)

  1. Oh.
    Das klingt ja jetzt nicht so toll. Und ich hatte mir gerade vorgenommen, das Buch dieses Jahr endlich zu lesen. Ich habe den Autor bei einer Buchmesse im Gespräch gesehen, zumindest was er erzählte, klang sehr interessant.
    Hm.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube einfach, wie ich auch schon geschrieben habe, dass das Buch für mich zur falschen Zeit kam oder ich einfach etwas anderes erwartet habe. 🙂
      Solltest du es bereits zu Hause haben, lies es zumindest an. Vielleicht gefällt es dir ja so gut, dass du es nicht aus der Hand legen kannst. 🙂

      Gefällt 1 Person

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