Die Farbe Lila (Alice Walker)

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Foto: privat

Kurzinfos:

Titel: Die Farbe Lila (Original: The Color Purple)

Autorin: Alice Walker

Verlag: Die Zeit Bibliothek der verschwundenen Bücher / Eder & Bach (15. Oktober 2015)

Seitenzahl: 223 Seiten

ISBN: 978-3945386125

Preis: 10,00€

Zum Inhalt:

Ein außergewöhnlicher Briefroman, in dem die schwarze, schon als Kind missbrauchte Celie ihre Lebensgeschichte niederschreibt. Celie berichtet ungeschönt von den Vergewaltigungen durch ihren Stiefvater in jungen Jahren, der Ehe mir ihrem gewalttätigen Mann, der eine andere Frau liebt, von einer Familie mit vielen Kindern, den Schwierigkeiten einer schwarzen Frau in einer Welt, in der Schwarze eine niedere Rasse darstellen. Doch vor allem schreibt Celie über die Sehnsucht und die Liebe zu ihrer Schwester Nettie.

Meine Rezension:

Ich habe schon vor ein paar Tagen auf meinem Blog über den Buchclub von Emma Watson »Our Shared Shelf« berichtet und wie gut ich diese Idee finde. (Hier kann das gern noch einmal nachgelesen werden.) Das Februar-Buch war/ist »Die Farbe Lila« und ich danke innerlich Emma Watson für die Auswahl dieses Buches und für die Inspiration, dass ich es nun gelesen habe.

Die ersten Seiten waren schwer. Man wird direkt in Celies Leben hineinkatapultiert. Ohne Vorwarnung erzählt das junge Mädchen von den Vergewaltigungen und daraus folgenden Schwangerschaften, dass man als Leser das Buch schon nach den ersten Zeilen für eine Verschnaufpause zur Seite legen muss.

Zunächst sind es nur die familiären Schwierigkeiten, von denen Celie berichtet. Wie sie mit einem Mann, den sie nicht liebt und der sie nicht liebt, verheiratet wird, wie sie ihre Schwester wegschickt um sie vor den Übergriffen des Stiefvaters zu schützen und wie sie trotz der Schläge und Demütigungen fremde Kinder großzieht und nicht aufgibt, sondern weiterkämpft.

Zunächst sind es die Probleme einer schwarzen Frau, die sich selbst nicht lieben kann, weil sie von niemandem um Umkreis Liebe erfährt, doch Celie lernt zu lieben. Sie lernt zu kämpfen und irgendwann, nach Jahren, aus dem Käfig ihrer Unterdrückung auszubrechen. Und den Mut zu all dem erhält Celie von Shug Avery. Shug ist ein wundervoller Charakter. Sie ist die Geliebte von Mr. …, dem Ehemann Celies. Doch zwischen den Frauen entwickelt sich eine Freundschaft, die man Celie so sehr gewünscht hat.

Obwohl Celie ihre Briefe zunächst an Gott richtet, schreibt sie auch tabulos über ihre homoerotische Liebe zu Shug, wie sich die Frauen näher kommen und wie sehr sie Shug doch lieb und wie es ihr das Herz bricht, Shug mit einem anderen Mann zu sehen.

Nach Jahren der Ungewissheit über den Verbleib ihrer Schwester Nettie, erreichen Briefe von Nettie Celie. Nettie ist nach ihrem Vorgang bei der Familie untergekommen, wo einst der Stiefvater Celies Kinder hinbrachte, die aus den Vergewaltigungen stammten. Zusammen mit dieser Familie geht Nettie als Missionare nach Afrika zum Stamm der Olinka. Von diesem Zeitpunkt an schreibt Celie ihre Briefe nicht mehr an Gott, sondern an ihre Schwester, denn die kleine Schwester ist nun für Celie da. Gott war nur ein Zufluchtsort in einer Zeit, wo sie niemanden hatte. Niemanden, dem sie ihre Geheimnisse und Sorgen anvertrauen konnte.

»Es is schlimmer, denk ich. Wenn ich begraben wär, müsst ich nicht arbeiten. Aber ich sag nur, lass doch, solang ich nur G-o-t-t buchstabieren kann, hab ich noch jemand.« (S. 18)

Dieser Roman zeigt auf, wie respektlos einst schwarze Menschen behandelt wurden und zum Teil heute noch so behandelt werden. Wie Frauen von ihren Männern geschlagen wurden, weil die Männer von den Weißen schlecht behandelt wurden. Ich bin froh, dass ein Teil der Welt heute nicht mehr so denkt. Dass es für viele Menschen – so auch für mich – egal ist, ob jemand dunkelheutig, asiatisch oder europäisch aussieht. Und so ein Leben wie Celie oder ihrem Mann oder auch all den anderen Personen, die Celie in ihrem Leben an ihrer Seite zu schätzen gelernt hat wünsche ich niemanden.

***

Als ich mich beim Kauf für die deutsche Version dieses Buches entschied, war mir nicht bewusst, welch eine Leistung die Übersetzerin (Helga Pfetsch) erbracht haben musste. Celie schreibt ihre Briefe in der Sprache, die sie spricht – afroamerikanisches Englisch. Ihre Grammatik ist anders, ihre Ausdrucksweise nicht stilvoll, sondern genauso wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Celie hat keine besondere Schulbildung erhalten, hat ihre eigene Sprache nicht weiterentwickelt durch Lesen, sondern spricht einen Slang, der sehr schwer zu lesen ist, und mich im Lesefluss gerade zu Beginn sehr verunsichert hat und immer wieder stocken ließ.

Jedoch versteht Celie das klassische Englisch. Die Briefe von Nettie sind formeller geschrieben, weißen einen höheren Bildungsstand auf und trotzdem sind sie keine Schwierigkeit für Celie. Aber sie selbst weigert sich, sich der Sprache ihrer Schwester anzupassen. Sie kann in ihrer ganz eigenen Art eben am besten Ausdrücken wie es ihr geht und was sie gerade fühlt.

Daher geht ein großes Lob an die Übersetzerin, denn solch einen »Slang« in eine andere Sprache zu übersetzen ohne dabei etwas des Inhaltes zu verlieren, stelle ich mir persönlich nicht leicht vor.

***

Etwas enttäuscht war ich vom Nachwort. Normalerweise gehe ich nicht auf Nachwörter von Büchern ein, weil sie oftmals nicht zur eigentlichen Handlung gehören. Doch diesmal, gerade nach der »Feuilleton vs. Buchblogger vs. Literaturblogger«-Diskussion. Hatte »Die Zeit« nicht in ihrem Artikel geschrieben, dass Blogger zu viel das Wörtchen »Ich« verwenden? Richtig, Blogger schreiben zu oft ihre eigene Meinung. Ein sehr fataler Fehler. Aber darum soll es hier nur bedingt gehen.

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Foto: privat

»Ein persönliches Nachwort«…

Schade. Ich dachte an dieser Stelle kommt eine persönliche Meinung, ein paar persönliche Worte. NEIN! Stattdessen folgt eine kurze Biografie der Autorin (danke, kann ich auch bei Wikipedia nachlesen, wenn es mich interessiert), ein paar Worte zu Frauenrechts- und Rassenbewegung in den USA und noch ein paar Worte zum stilistischen Aufbau des Romans, zu Celie und ihrer Entwicklung. Keine persönliche Meinung. Nichts.

Aber stimmt ja, das Wörtchen »Ich«, darf man ja auch nicht benutzen und sowieso ist eine eigene Meinung nicht erwünscht. Also wäre es doch eigentlich auch egal gewesen, wer das Nachwort schreibt, oder? Hätte man den Namen auch weglassen können.

Fazit:

»Die Farbe Lila« ist eine Lebensgeschichte einer farbigen Frau, die trotz vieler Rückschläge in ihrem Leben niemals den Mut verliert und weiterkämpft. Liebe, Freundschaft, Hoffnung und der eigene Mut sind es schließlich, die aus einem Leben voller Hindernisse doch die glücklichen Momente hervorheben.

4 Sterne-Braun-oH

Eure Jule

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