[100 Bücher] Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Haruki Murakami)

Ich bin wieder da. Die Leipziger Buchmesse 2016 habe ich überlebt, auch wenn mir nach vier Messetagen noch immer die Füße nach längeren Stecken weh tun. Auch der Messeblues hat dank der vielen neuen Bücher noch nicht komplett zugeschlagen, weswegen ich euch heute die Rezension zu meinem ersten Buch von Haruki Murakami präsentieren kann.

Vielen lieben Dank an dieser Stelle auch an den btb-Verlag für das Rezensionsexemplar und das geduldige Warten auf meine Rezension.

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki2
Foto: privat

Kurzinfos:

Titel: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Original: Shikisai wo motanai Tazaki Tsukuru to, kare no junrei no toshi)

Autor: Haruki Murakami

Verlag: btb Verlag (13. Juli 2015)

Seitenzahl: 318 Seiten

ISBN: 978-3442749003

Preis: 10,99€

Zum Inhalt:

Tazaki Tsukuru besitzt die vier besten Freunde, die man sich während der Schulzeit nur wünschen kann. Sie teilen alles miteinander; ihre Freizeit, ihre Träume und ihre Ziele. Nach dem Ende der Schulzeit trennen sich die Wege, die vier Freunde bleiben in der Heimatstadt Nagoya zum Studieren, während des Tsukuru nach Tokyo zieht, denn nur dort kann er das Studium absolvieren, dass ihm eine Zukunft bei der Eisenbahngesellschaft verspricht – Tsukuru liebt Bahnhöfe und das Treiben, dass dort jeden Tag herrscht.

Trotzdem fährt er regelmäßig nach Nagoya um seine Freunde zu sehen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Doch eines Tages beantworten sie seine Anrufe nicht mehr, reden nicht mit ihm und Tsukuru erfährt, dass sie nie wieder mit ihm sprechen wollen, geschweige denn sich mit ihm Treffen.

Jahre später – Tsukuru hat bereits sein Studium beendet und arbeitet bei der Eisenbahngesellschaft – drängt sich die Vergangenheit zurück in die Gegenwart und Tsukuru geht auf die Reise um zu erfahren, was aus seinen vier besten Freunden von damals geworden ist und warum sie ihn damals aus der Gruppe ausschlossen.

Meine Rezension:

Von Haruki Murakami hatte ich schon viel gehört und beim Literarischen Quintett im Herbst 2014 an meiner Universität wurde eines seiner Bücher (Von Männern, die keine Frauen haben) schließlich besprochen. Ich war neugierig auf die Bücher von Murakami geworden und die Geschichte um Tsukuru und seine vier Freunde machte mich noch viel neugieriger. Ich war neugierig auf das Geheimnis, dass die Freunde umgab und warum diese Freundschaft so plötzlich endete. Und trotzdem lag das Buch vom letzten Sommer bis kurz nach Silvester ungelesen in meinem Regal.

Ich traute mich schlussendlich nicht an den großen Murakami heran, denn wirklich jeder sprach gut über ihn, dass meine Erwartungen immer weiter wuchsen und ich schließlich Angst bekam, dass das Buch gar nicht so gut sein würde wie alle sagten. Oder vielleicht war es zu gut und ich würde es nicht verstehen. (Zum Glück traten am Ende beide Punkte nicht ein.)

Murakami hat eine ganz eigene Art in den Zeiten zu springen. Denn in diesem Roman gibt es – wenn ich mich nicht verzählt habe – 3 Zeitebenen, die immer wieder aufgegriffen werden. Die Schulzeit des jungen Tsukuru, in der man alles über die enge Freundschaft zu den Jugendfreunden erfährt, seine Studienzeit in Tokyo und die damit verbundenen neuen Bekanntschaften und schließlich die Gegenwart, in der man auf den 36jährigen Tsukuru trifft, der versucht das Rätsel der Vergangenheit zu lösen.

Obwohl mich Zeitsprünge in Büchern sehr gern verwirren und oft dafür sorgen, dass ich ganze Passagen doppelt lesen muss, hatte ich bei diesem Buch gar kein Problem damit. Wie selbstverständlich findet man sich in der Erzählwelt und in der Welt des jungen Japans zurecht. Sofort steht man neben Tsukuru auf einem überfüllten Bahnhof Tokyos oder sitzt neben ihm im Zug zurück in seine Heimat nach Nagoya oder beobachtete ihn in seiner kleinen Wohnung. Ich hatte das Gefühl, Tsukuru ist nicht nur ein einfacher Buchcharakter, der nur auf den Zeilen existiert, sondern vielmehr hatte ich das Gefühl stets neben ihm zu stehen.

Murakami legt in diesem Buch eine Gefühlswelt offen, die man so aus dem japanischen Raum gar nicht kennt. Offen schreibt er über die Sexträume und –phantasien Tsukurus, dass man selbst manchmal mit hochrotem Kopf hinter dem Buch verschwunden ist und froh war, diese Stelle gerade nicht in der Öffentlichkeit gelesen zu haben. Auch über Versagensängste und Einsamkeit, die dazu beitragende Größe der japanischen Metropolen wird schonungslos geschrieben und die schiere Unmöglichkeit Tsukurus daraus zu entkommen.

Gelesen habe ich »Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki« bereits im Januar, habe allerdings erst jetzt – zwei Monate später – die richtigen Worte für diese Rezension gefunden. Ein Grund hierfür war vor allem auch das offene Ende des Buches, über welches ich noch sehr lange nachdenken musste. Offene Enden können ein Buch genauso zerstören wie es unvergesslich machen. Da bin ich selbst jetzt noch nicht zu einem endgültigen Ergebnis gekommen…

Fazit:

»Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki« ist ein wunderbares Buch, das mir wunderbare Lesestunden bescherte und gleichzeitig einen interessanten Einblick in die japanische Kultur der Megastädte ermöglicht.

4 Sterne-Braun-oH

Eure Jule

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3 Gedanken zu “[100 Bücher] Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Haruki Murakami)

  1. Von diesem Buch kenne ich nur das Cover. Deine Rezension klingt aber sehr interessant. Ich glaube, dass ich es mir unbedingt mal im Buchladen angucken sollte.

    Wenn du Lust hast, kannst du gerne mal auf meinem Blog vorbeischauen. Ich würde mich freuen 🙂

    Gefällt 1 Person

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