Meinen Hass bekommt ihr nicht (Antoine Leiris)

Heute möchte ich mit euch ein paar ernstere Töne anschlagen, mit einem kleinen Büchlein, das in der heutigen Zeit so aktuell ist, so berührend und ergreifend.

Gerade in den letzten Monaten hat man ständig das Gefühl, dass ein Terroranschlag dem nächsten folgt. Gerade haben die Nachrichten ein Ereignis bis ins letzte Detail ausgeschlachtet, so folgt schon das nächste. Dabei scheint es mittlerweile auch völlig ortunabhängig zu sein. Frankreich, Razzien in Belgien, die Türkei, Israel, Syrien… um nur einige Orte zu nennen.

Und stets die gleichen Bilder in den Nachrichten. Blaulichter, Krankenwagen, die ganze Straßen versperren, Menschen, die orientierungslos und geschockt umherirren, schwerbewaffnete Polizisten und Soldaten… und immer ein leicht überforderter Nachrichtensprecher, der die spärlichen Informationen an die Menschen vor den Bildschirmen weitergeben muss.

»Meinen Hass bekommt ihr nicht« ist ein Text von Antoine Leiris, den er im Anschluss an die Anschläge in Paris im November 2015 auf Facebook veröffentlichte, nachdem er seine Frau im Bataclan verlor.

Ich möchte mich an dieser Stelle beim Bloggerportal und dem Blanvalet bedanken, die mir dieses berührende Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Meinen Hass bekommt ihr nicht
Foto: privat

Kurzinfos:

Titel: Meinen Hass bekommt ihr nicht (Original: Vous n’aurez pas ma haine)

Autor: Antoine Leiris

Verlag: Blanvalet (09.05.2016)

Seitenzahl: 141 Seiten

ISBN: 978-3-7645-0602-5

Preis: 12,00€

Zum Inhalt:

Während der Terroranschläge in Paris am 13. November 2015 verlor Antoine Leiris seine Frau, die mir 89 weiteren Personen im Bataclan ermordet wurde. Auf Facebook veröffentlichte Antoine drei Tage später einen offenen Brief an die Attentäter, der innerhalb kürzester Zeit hunderttausendfach geteilt wurde. Der Journalist wurde somit zum Symbol des Widerstands der Anschläge in Paris, in der er auf berührende und ehrliche Weise seinen Schmerz teilt und eine Botschaft der Hoffnung verbreitet.

Meine Meinung:

Bei Terroranschlägen werden in den Nachrichten stets die Attentäter genannt, welcher Terrororganisation sie angehören, wie viele Opfer es gab und welchen Nationen sie angehörten. Politiker sprechen ihr Bedauern aus und in den folgenden Tagen wird über neue Sicherheitsvorkehrungen gesprochen, immer wieder die Attentäter auf verwackelten Aufnahmen von Überwachungskameras gezeigt… und irgendwann wird es uninteressant und neue Themen dominieren die Nachrichten.

Im Hintergrund bleiben dabei immer die Hinterbliebenen der Opfer. Sie sind es, die mit einem enormen Verlust leben müssen und sich trotzdem um Kinder, den Alltag und ihren Job kümmern müssen.

Antoine Leiris berichtet zu Beginn von der Hoffnung, die noch in ihm steckt, während er von den Anschlägen erfährt. Hoffnung, dass es seiner Frau gut geht, dass sie sich später mit einer kurzen Nachricht bei ihm melden würde. Doch nichts passierte. Erst einen Tag später erfährt Antoine die grausame Wahrheit – seine Frau Hélène gehörte zu den Opfern.

Von den folgenden Tagen berichtet Antoine sehr gefühlvoll. Da ist sein kleiner Sohn Michel, der seine ganze Aufmerksamkeit braucht, denn auch er merkt, dass Mama nicht mehr da ist. Neben dem schmerzlichen Verlust müssen Vater und Sohn sich völlig neu kennen lernen, Aufgaben gemeinsam meistern, die sonst Mutter und Sohn verband.

Es geht um liebevoll gekochte und verpackte Eintöpfe von anderen Müttern aus dem Kindergarten, die dem kleinen Kind nicht schmecken. Was aber nicht wichtig ist, weil es nicht um den Eintopf geht, sondern um die Geste, die dahinter steckt. Es geht um die Liebe einer Mutter, die in dem Eintopf steckt und es geht um die Liebe einer Mutter, die für ein fremdes Kind und dessen Vater eine kleine mutmachende, angeschriebene Botschaft beilegte.

»[…] aber meinen Hass bekommt ihr nicht. Ich weiß nicht, wer ihr seid, und ich will es nicht wissen, ihr seid tote Seelen.« – S. 59

Und neben all dem Schmerz hat Antoine Leiris eine wichtige Botschaft an uns alle und an die Attentäter. Wir dürfen ihnen keinen Hass geben, denn das ist, was sie stärkt. Aufmerksamkeit ist, was sie wollen und unsere Angst. Wir sollten keine Angst haben, sondern unser Leben genießen, Konzerte besuchen, Fußballspiele im Stadion genießen und ihnen zeigen, dass der Gott, an den sie glauben, ihre Taten nicht gut heißen wird.

Fazit:

Mit »Meinen Hass bekommt ihr nicht« lässt man sich auf einen Text ein, der von seinem Leser alles abverlangt. Man fühlt mit Antoine mit, spürt den großen Verlust über den Tod seiner geliebten Frau hinaus. Und gleichzeitig erhält man Lebensfreude, die Botschaft, dass man sein Leben genießen soll und Hass und Angst nicht das Leben bestimmen dürfen.

5 Sterne-Blau

Eure Jule

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