Der Trick (Emanuel Bergman)

Normalerweise sucht sich der Leser das Buch aus. Doch dann gibt es diese Bücher, die sich ihren Leser aussuchen. So erging es mir auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Ganz herzlich und warm wurde ich als Bloggerin und Besucherin und vor allem als Leserin am Stand des Diogenes Verlags aufgenommen. Mein Wunschzettel wuchs in diesen vier Tagen ins unermessliche… – und so landete auch »Der Trick« von Emanuel Bergmann auf meinem Wunschzettel an Tag 1. Aber auf Grund von finanziellen Aspekten und der Größe meiner Wunschliste wusste ich jedoch noch nicht, wann dieses Buch zu mir finden würde.

Das es jedoch noch am selben Wochenende zu mir kommen würde, war ein glücklicher Zufall. Eine der netten Verlagsmitarbeiterinnen drückte schließlich mir und auch Sarah (wir waren in den Tagen untrennbar) je ein Leseexemplar in die Hand.

Und ich möchte mich an dieser Stelle beim Verlag und den wunderbaren Mitarbeitern für diese unglaublich tollen Lesestunden bedanken.

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Foto: privat

Kurzinfos:

Titel: Der Trick

Autor: Emanuel Bergmann

Verlag: Diogenes (01.03.2016)

Seitenzahl: 400 Seiten

ISBN-10: 3257069553

ISBN-13: 978-3-257-06955-6

Preis: 22,00€ (Hardcover)

Zum Inhalt:

In diesem Buch begleitet man als Leser zunächst den jüdischen Jungen Mosche Goldenhirsch durch Prag im Jahre 1934. Hier lernt Mosche eine junge persische  Prinzessin kennen, verlässt seine Heimat und folgt ihr – sie lebt und arbeitet in einem Zirkus. Dort lernt Mosche in der folgenden Jahren alles über Täuschungen und Illusionen kennen. So kommt Mosche eines Tages bis nach Deutschland.

Über 70 Jahre später – 2007 – lernt der Leser den kleinen zehnjährigen Jungen Max Cohn kennen, der von Zuhause wegrennt um den Großen Zabbatini, einen alten Zauberer, zu finden. Denn Max glaubt daran, dass nur die Magie des Zauberers seine Eltern wieder zusammen bringen kann, die kurz vor der Scheidung stehen.

Meine Meinung:

Emanuel Bergmann ist mit der »Der Trick« ein fantastischer Roman voller Illusionen gelungen. Ihm gelingen Wendungen und Überraschungen, dass man als Leser nicht weiß, was auf der nächsten Seite zu erwarten ist. Er schafft Illusionen, die erst ganz zum Schluss aufgelöst werden!? Und trotzdem verrät er als der wahre Künstler auch nicht jeden seiner Tricks.

Die Erzählung dieser zwei so unterschiedlichen Lebensgeschichten von Mosche und Max verstrickt er wie ein Künstler zu einer gemeinsamen Geschichte, die das getrübte Auge des Zuschauers jedoch erst am Ende zu erkennen mag. Mir gefiel, dass Emanuel Bergmann nicht nur die Grausamkeiten und Gefahren des Nationalsozialismus schildert, sondern auch einfühlsam das Leben eines ganz normalen Menschen jener Zeit schildert. In Erinnerung geblieben ist mir der Polizist, der an einem einfachen Kriminalfall jener Zeit arbeitete. So sagte er, dass er nur für die NSDAP sei, weil er Polizist werden wollte und die Ansichten dieser Partei jedoch nicht vertrete. Dieser Moment, so klein und unscheinbar in der Größe des Romans  berührte mich am meisten, denn er zeigt, dass so schrecklich die Zeit damals war, es auch die ganz normalen Menschen, die ganz normalen Arbeiter gab, die sich mit ein paar Lügen durch die Hetzjagd schützten.

Einer Kunst, der sich Emanuel Bergmann ebenfalls bedient, ist das gnadenlos ehrliche Einfühlungsvermögen seiner einzelnen Protagonisten. Er versteht die Angst des zehnjährigen Max, die Liebe seiner Eltern zu verlieren, weil diese sich scheiden lassen. Er versteht auch die Liebe des jungen Mosche zu einer persischen Prinzessin, die ihn seine Heimat verlassen lässt und zum Schluss versteht er auch den alten gebrochenen Zabbatini, der den Sinn seines Lebens nicht mehr sieht, weil er so viel durchmachen musste.

Fazit:

Emanuel Bergmann versteht es, Vergangenheit und Zukunft geschickt zu verweben, Illusionen aufzubauen und die Lösung wie ein Zauberer aus dem Hut zu ziehen ohne den Trick dahinter zu verraten.

5 Sterne-Blau

Eure Jule

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7 Gedanken zu “Der Trick (Emanuel Bergman)

      1. Ja,manche Bücher ziehen ihre potenziellen Leser ganz langsam und unbemerkt in ihren Bann und sind dann im Nachhinein aber meist umso eindrücklicher. Eigentlich weiß ich auch gar nicht, warum ich mir „Der Trick“ nie gekauft habe :-/ Auf jeden Fall bin ich nun umso neugieriger auf den Roman geworden. Danke 🙂

        Gefällt 1 Person

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