Ein Jahr in London (Anna Regeniter)

Auf Grund der bevorstehenden Reise nach London, dachte ich mir, dass ich doch dieses SuB-Buch wohl noch schnell lesen müsste. Schließlich weiß man ja nie, welch tolle Geheimtipps in Büchern versteckt sein können.

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Foto: privat

Kurzinfos:

Titel: Ein Jahr in London – Reise in den Alltag

Autorin: Anna Regeniter

Verlag: Herder Verlag (12.032007)

Seitenzahl: 192 Seiten

ISBN-10: 3451057417

ISBN-13: 978-3451057410

Preis: 12,99€

Zum Inhalt:

Anna Regeniter ist nach London ausgewandert und hat Deutschland den Rücken zugekehrt. Sie spricht vom verrückten Wohnungsmarkt in dieser Megametropole. Lernt verrückte Überlebenskünstler kennen und muss sich gegenüber Kollegen behaupten und gleichzeitig ihre Schüler im Griff behalten.

Meine Rezension:

Jeder kennt London. London, die große Metropole und Hauptstadt Großbritanniens. Eine der teuersten Städte der Welt, die so viele Träume verspricht, in der die Queen zu Hause ist und in der man alles sein kann, solange man nur daran glaubt.

Ich liebe London! Und genau aus diesem Grund hat »Ein Jahr in London« mein Interesse geweckt. Ein Buch, das mir einen Einblick in das Leben eines Menschen in dieser Stadt meiner Träume geben sollte. Schließlich ist es das Leben in solch einer Stadt nicht mit einem einwöchigen Städtetrip zu vergleichen.

Aber dieses Buch war ein totaler Reinfall! Mir ist schon klar, dass man auf weniger als 200 Seiten nicht sein ganzes Jahr mit all seinen Erlebnissen in London schildern kann, aber das ganze Buch wirkte zu konstruiert. All die Konstruktionen und Ereignisse lasen sich wie ein Roman und waren keineswegs glaubhaft. Zu Beginn glaubt man noch, dass am ersten Tag der gleich im ersten Pub der schnucklige Mitarbeiter die gerade aus Deutschland angekommene Autorin noch einmal treffen will. Ich glaubte Anna auch, dass sie sich nicht traute ihn, Jake, sofort zurückzurufen. Aber als sie ihn schließlich im Park mit »seiner Freundin«, die sich später als kleine Schwester herausstellte, sah, verlor das gesamte Buch seine Glaubwürdigkeit. Vielleicht mag all dies wirklich so passiert sein, aber es wirkte durch den gefühllosen und distanzierten Schreibstil wie ein schlechter Hollywoodfilm. Schließlich trifft Anna nämlich ihren Jake monatespäter in der Millionenmetropole fernab ihres Stadtteils in einem Pub wieder und sie werden ein Paar. Oder vielleicht auch nicht. So richtig wird darüber nicht gesprochen.

Überhaupt wird selten über Gefühle gesprochen. Anna fühlt sich zwar in ihrem Lehrerjob ab einem gewissen Punkt unwohl und kündigt, aber so richtig springt das Gefühl nicht über. Man versteht sie nicht und schüttelt nur den Kopf.

Noch verrückter und nerviger wurde das Buch als ich versuchte herauszufinden, in welchem Jahr es spielt; das erwähnt Anna nämlich nie. Aber sie gibt Hinweise durch einige wenige Ereignisse. So wird während der Neujahrsrede der Queen die Hochzeit von Charles und Camilla erwähnt; oder besser gesagt, es wird darüber gesprochen, dass eben dieses wichtige Ereignis von der Queen nicht noch einmal thematisiert wird. Besagte Hochzeit fand übrigens 2005 statt. So gehe ich davon aus, dass das Buch/Jahr von August 2005 bis Juli 2006 spielt.

So weit so gut, jedoch steht in der Biographie von Anna Regeniter (auf der Rückseite des Buches), dass sie bereits 2004 London verließ und nach Manchester zog; nur die Jahre zuvor hatte sie in London verbracht.

Schreibt sie jetzt also doch nicht über ihre Zeit in London? Ist dies ein fiktives Buch, in dem nur ein paar wenige Erlebnisse von Annas Londonerzeit eingeflossen sind?

Ich weiß es nicht. Und ich will es auch gar nicht wissen.

Und ehrlich gesagt, habe ich kein neues Wissen, keinen neuen Geheimtipp für London aus diesem Buch mitgenommen. Selbst »Bob, der Streuner« von James Bowen, der als heroinabhängiger Straßenmusiker in London lebt und dank der streunenden Katze Bob einen Weg aus der Sucht findet, hat mit mehr Gefühl und Herz über diese Stadt gesprochen. Trotz der dort dargestellten Schattenseiten lernte ich die Stadt noch mehr lieben, als es auch nur ein Wort bei »Ein Jahr in London« geschafft hat.

Fazit:

Ohne Herz und Gefühl schreibt Anna Regeniter über ihr Leben oder vielleicht auch das einer ganz fremden Person in London.

»Ein Jahr in London« ist ein Buch einer Reihe aus dem Herder Verlag. Wie die anderen Bücher sind, in dem stets andere Autoren über ihr Jahr in einer anderen Stadt der Welt berichten kann ich nicht sagen, aber schaut euch da mal um. Es sind wirklich interessante Städte und Einsichten dabei.

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Eure Jule

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9 Gedanken zu “Ein Jahr in London (Anna Regeniter)

  1. Da erging es dir nun tatsächlich wie mir damals. Las sich für mich wie ein billiger Groschenroman für Jugendliche / junge Erwachsene. Wie du schon schreibst, bekommt man zur Autorin/Protagonistin (?) keinen Draht, alles lässt einen kalt. Und dann eben diese ach so zufälligen Zufälle, die meist Klischees erfüllen. Dabei gibt London so viel her und hat so viel zu bieten…

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    1. Da hast du vollkommen recht. Es liest sich tatsächlich wie ein Groschenroman. Und ich glaube ich hätte von meinem letzten Londontrip (3 Tage) mehr erzählen und schreiben können als in diesem Jahr passiert. Aber na ja… ich werde mir London deswegen nicht vermiesen lassen. 😀

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  2. Das ist ja schade. Bei der Inhaltsangabe habe ich auch auf eine Art Biografie gehofft, aber was du sagst klingt ja leider gar nicht danach und auch nicht nach etwas, was ich gerne lesen wollen würde. Blöd, dass das jetzt so eine Enttäuschung war. Immerhin konntest du so einige davon abhalten, den gleichen Fehler zu machen 😀

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