Aleph (Paulo Coelho)

aleph02
Foto: privat

Autor: Paulo Coelho // Titel: Aleph // Original Titel: O Aleph // Verlag: Diogenes (01.09.2013) // 310 Seiten // ISBN: 978-3-257-06810-8 // Preis: 11,00€

Inhalt:

Ein Schriftsteller trifft auf seiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn auf eine junge Stargeigerin – und gleichzeitig seiner dunklen Vergangenheit. Während dieser Reise gerät der Schriftsteller in ein Paralleluniversum, in dem Zeit und Raum zusammentreffen – dem Aleph. Während dieser Reise in die Vergangenheit und quer durch den Kontinent besteht die Chance eine alte Schuld zu begleichen…

Meine Meinung:

Bereits nach den ersten Seiten wird klar, dass es sich bei dem Schriftsteller aus dem Klappentext um Paulo Coelho persönlich handelt. Der Autor selbst unternimmt diese Reise auf der längsten Eisenbahnstrecke der Welt. Nicht ohne Grund tritt Paulo Coelho diese Reise an. Er ist mit seinem Leben unzufrieden und findet seine innere Mitte nicht mehr. Auf den Rat eines guten Freundes hin und nach einer plötzlichen Eingebung begibt er sich zunächst auf eine ausgiebige Lesereise durch ganz Europa und schließlich bis an die andere Seite der Welt mit der Eisenbahn.

Paulo Coelho ist ein Autor, der mich sehr fasziniert, obwohl ich bisher nur »Der Alchimist« vollständig und »Auf dem Jakobsweg« zur Hälfte gelesen habe. Gerade letztes pausiert seit einigen Jahren in meinem Bücherregal, da ich mit der Spiritualität und dem Glauben Paulo Coelhos nicht zurechtkam, der einen großen Einfluss auf seine literarischen Werke hat.

Vor der Lektüre von »Aleph« habe ich mich mit der Glaubensrichtung »Anima  Mundi« (Weltenseele) etwas auseinandergesetzt. Somit war es für mich etwas einfacher und es blieben weniger Fragen offen. Doch deswegen habe ich dieses Buch nicht gelesen. Ich finde diese Weltanschauung interessant, kann mich mit ihr jedoch nicht identifizieren und nicht vollständig nachvollziehen. – Zum Glück gibt es die Religionsfreiheit und ich tauche gern in andere Ansichten ein, lerne sie kennen, finde nur nicht immer einen Zugang dazu.

Deswegen habe ich das Buch jedoch auch nicht gelesen. Mein Interesse lag vor allem bei der Transsibirischen Eisenbahn. Schon seit Jahren übt diese Strecke eine enorme Anziehungskraft auf mich aus.

Im Dezember 2016 veröffentlichte der Diogenes Verlag auf seinem Blog einen von Benedict Wells verfassten Reisebericht der gleichen Strecke. Ich habe ihn förmlich verschlungen (den Reisebericht!) und innerlich selbst eine Reise geplant. (Finanziell nur gerade nicht drin!) Dieser Bericht hat mich so begeistert, dass ich mich unendlich freute, als Sarah mir zu Weihnachten »Aleph« schenkte.

aleph-karte
Foto: privat // Strecke der Transibirischen Eisenbahn

Schon während ich »Aleph« las, fielen mir die riesigen Unterschiede der beiden Reisen auf der gleichen Strecke auf. Während sich Benedict Wells allein mitten ins Abenteuer warf und sein Abteil mit fremden Menschen teilte, deren Sprache er nicht verstand, reiste Paulo Coelho etwas luxuriöser. Er hatte ein Abteil für sich, einen Dolmetscher und weitere Personen dabei. Zusätzlich unterbrach er die Reise immer wieder, stieg aus dem Zug aus und übernachtete in Hotels, da seine Reise gleichzeitig auch eine Lesereise war, die diese Stopps notwendig machten.

Beide Arten dieser Reise haben ihre Vor- und Nachteile und mir gefielen beide sehr gut. Sie versprechen wunderbare Landschaften und Abenteuer.

Doch zurück zu Paulo Coelho. Er reist mit einer Ruhe, die auch in den stressigsten Situationen auf mich beruhigend wirkten. So gleichmäßig wie ein Zug sich durch die Landschaft schlängelt, treibt Paulo Coelho die Handlung voran. Mal auf spiritueller Ebene oder seinen Ansichten zu Gott und einem glücklichen Leben und dann wieder ganz nüchtern geht es um die Strapazen der Reise oder Städte und Personen, die seinen Weg kreuzen.

»Noch nie war die Welt so in Aufruhr wie heute: religiöse Kriege, Völkermord, fehlende Achtung vor unserem Planeten, Wirtschaftskrisen, Depression, Armut. Und für all diese Probleme – und für die eigenen – erwarten alle schnelle Lösungen.« (S. 9)

Durchzogen mit solchen Aussagen, trifft Paulo Coelho den Nerv der Zeit. Er reflektiert nicht nur sein eigenes Leben und seine eigene Situation, sondern versteht es auch, die Wahrheit über die heutige Gesellschaft gnadenlos anzusprechen.

Fazit:

Paulo Coelho ist ein Autor, auf den man sich vollständig einlassen muss, um seine Bücher auch in seiner Gesamtheit verstehen zu können. Denn er erfindet keine Geschichten, sondern lebt sie. Mehr als jeder andere Autor, den ich bisher gelesen habe, legt er einen Teil seiner Seele in seine Bücher. In »Aleph« nimmt er seine Leser daher nicht nur mit auf eine Reise durch ganz Sibirien, sondern auch auf eine Reise zu seiner Seele.

4 Sterne-Blau

Eure Jule

Advertisements

3 Gedanken zu “Aleph (Paulo Coelho)

  1. Sehr schöner Bericht. Aleph steht auch in meinem Bücherregal, allerdings auf englisch, da ich im letzten Jahr es als „Blind Date with a Book“ bei Shakespeare&Company in Paris gezogen hatte. Aber ich glaube, das wird das nächste englische sein, an das ich mich ranwage, weil deine Beschreibung echt gut klingt.
    Ich kann voll und ganz nachvollziehen, dass du teils Probleme mit dem Glauben in Coelhos Büchern hast, so ähnlich geht es mir auch. Interessant fand ich in dem Bezug das „Handbuch des Kriegers des Lichts“, was ein wenig die Glaubensgrundsätze bzw. Überzeugungen darlegt.

    Gefällt mir

  2. Hallo 🙂
    Paulo Coelho ist einer meiner Lieblingsautoren und ich muss sagen, dass auch wenn ich eigentlich nicht viel mit diesem ganzen Spirituellen Zeug anfangen kann mir seine Bücher immer sehr gut gefallen. Ich kann dir übrigens „Veronika beschließt zu sterben“ empfehlen! Das ist ein wirklich tolles Buch!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s