Vincent (Joey Goebel)

Im Rahmen des „DBC“ habe ich dieses Buch mit einigen anderen wunderbaren Bloggern gelesen. Wir haben viel diskutiert und uns gegenseitig Halt gegeben, denn dieses Buch hat uns verändert. Lange habe ich mit dieser Rezension gewartet, denn die richtigen Worte wollten nie wirklich kommen – und bis heute habe ich das Gefühl dem Roman nicht gerecht zu werden.

Foto: privat

Autor: Joey Goebel // Titel: Vincent // Original Titel: Torture the Artist // Verlag: Diogenes (01.04.2007) // 432 Seiten // ISBN: 978-3-257-23647-7 // Preis: 11,90€

Inhalt:

Da mir auch zwei Monate nach der Lektüre dieses Romans die Worte fehlen, greife ich bei der Inhaltsangabe auf den Klappentext zurück. Er ist perfekt und kann eigentlich nicht anders formuliert werden.

Wussten Sie, dass große Popsongs und Filme von einem unglücklichen, aber genialen Künstler stammen? Und damit einem solchen die Ideen nicht ausgehen, sorgen in diesem Roman „Beschützer“ dafür, dass ihm ständig neues Leid widerfährt. Denn das ist der Rohstoff, aus dem wahre Kunst entsteht. Bringt das Genie das Kunststück fertig, trotzdem ein glücklicher Künstler zu werden?

Meine Meinung:

Seit Wochen schaue ich auf diese weiße leere Seite, formuliere Entwürfe und finde doch nicht die richtigen Worte. „Vincent“ hat mich verändert und er hat mein Lesen verändert. „Vincent“ ließ mich lachen, weinen, schreien und den Wunsch hegen, ein Buch aus dem Fenster zu werfen. Es entstand eine Liebe zu dem Buch, zu jeder einzelnen Person darin, dass man nicht glauben kann, dass die Personen nur auf dem Papier existieren.

Vincent und Harlan, die beiden wichtigsten Persönlichkeiten des Romans wachsen einem von der ersten Seite an ans Herz und es vergeht kein Tag, und keine Buchseite, wo ich nicht an sie denke.

Wie kann man Vincent und Harlan auch vergessen, wenn sie die eigene Sicht auf die Unterhaltungsindustrie so stark erschüttert haben?

Deshalb wünsche ich mir ein Gespräch mit den beiden. Getrennt voneinander. Zunächst würde ich mich gern mit Vincent treffen. In einem kleinen Park in der Sonne. Eine Parkbank, vielleicht ein See mit wilden Vögeln am Ufer. Ich möchte, dass er die Sonne sieht, das Leben und Glück einatmen kann und dann würde ich ihm gern ein paar Dinge erzählen. – Ich würde ihm gern sagen, dass Erwachsene sehr oft Fehler machen, auch wenn sie glauben Gutes zu tun. Und man ihnen irgendwann verzeihen sollte. Ich würde ihm gern sagen, dass nach jedem schlechten Erlebnis etwas Gutes folgt. Und ich wüsste, dass ich ihn belügen würde und das wäre nicht fair. Am Ende würde ich wahrscheinlich schweigen und mit ihm die Sonne genießen. Ob er mir die Umarmung gestatten würde, die ich ihm gern geben würde?

Schwieriger wäre das Treffen mit Harlan. Es müsste in einem Café stattfinden, unter Zeugen, die mich hoffentlich daran hindern würden, Harlan eine kräftige Ohrfeige zu verpassen. Ich würde gern all die Beweggründe hören, die ihn dazu brachten, das zu tun, was er getan hat. Und ob er wirklich so überzeugt war, von dem, was er glaubte zu verändern. Und auch mit Harlan hätte ich Mitleid, so wie mit Vincent. Denn beide sind letztlich Opfer der Unterhaltungsindustrie geworden.

Warum „Vincent“ mein Leben veränderte und meinen Blick auf die Unterhaltungsindustrie nachhaltig beeinflusste?

Ich möchte behaupten, dass die Unterhaltung die Kunst getötet hat. Die Akteure im Entertainment sind eher Sexsymbole als wahre Künstler. Das ist unser Grundproblem. Statt Kunst haben wir Unterhaltung, statt Künstlern schöne Gesichter, die geil sind auf Ruhm, Spaß und Reichtum.“ (S. 95)

Mit diesem Hintergrund durch die Fernseh- und Radiolandschaft zu streifen, bestätigt wie recht Joey Goebel in seinem Roman hat. Sänger und Schauspieler müssen nicht nur Talent mitbringen. Das ist gerade bei den Castingshows zweitrangig. Es wird vielmehr auf den Look geschaut. Ist dieser angesagt? Kann man diese Person vermarkten? Da ist es egal, ob die Stimme perfekt ist oder am Ende doch lieber 100 Knöpfe gedrückt werden müssen. Hauptsache die Person ist verkäuflich und entspricht dem aktuellen Schönheitsideal.

Weitere Rezensionen:

Bisher habe ich nicht eine der wunderbaren Rezensionen gelesen, weil ich selbst die richtigen Worte finden wollte. Aber schaut doch auch bei den anderen vorbei. Immerhin haben wir gemeinsam diese Achterbahn der Gefühle genossen.

Sarah / studierenichtdeinleben

Kathrin / phantasienreisen

Auroria / seitengeflüster

buchbunt

Fazit:

Vincent“ ist ein Roman, der kein Herz kalt lässt. Mit starken Persönlichkeiten rührt es seine Leser zu Tränen. Ich werde es in diesem Jahr jedem, der nach einem guten Buch fragt, empfehlen. Es ist ein Roman, der das Herz erobert und sich heimlich einen Platz im Regal der Lieblingsbücher erkämpft.

Eure Jule

PS.: Ich lese jetzt all eure Rezensionen und kommentiere sie! *losstürm*
PPS.: Liebe Benedict Wells, solltest du dies lesen: DANKE! Für diese Leseempfehlung!

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6 Gedanken zu “Vincent (Joey Goebel)

  1. Oh ein wunderbarer, sehr persönlicher Beitrag. In vielem, was du hier aufgreifst, erkenne ich mich selbst wieder, was mir das Gefühl gibt, du hättest in meinen Kopf geschaut. 😉 Aber nein, natürlich liegt das an diesem intensiven Buch, das so viel mit seinen Lesern anstellt, und daran, dass wir gemeinsam gelesen haben, gemeinsam mitgefiebert hatten. Dieses Emotionale, Außergewöhnliche findet sich perfekt in deinem Artikel wieder und beim Lesen hatte ich gerade lauter kleine Flaschbacks zurück ins Buch und unsere Leserunde.

    Aber ich verstehe deinen Gedanken, dass du das Gefühl hast, dem Buch mit deinen Zeilen nicht gerecht zu werden – denn mir geht es ganz genauso. Es gibt so unendlich viel zu „Vincent“ zu sagen, aber das meiste davon kann man einfach nicht in Worte fassen. Umso schöner, dass wir gemeinsame gelesen haben und dass jeder seine Gedanken verbloggt hat – unsere Blogleser können so durch die verschiedenen Artikel vielleicht leichter einen Eindruck von diesem außerordentlichen Buch erhalten und unsere Faszination besser nachvollziehen.

    Ich hoffe, dass wir mit dem Diogenes Buchclub viele unserer Leser auf diesen Buchschatz aufmerksam machen können/ konnten – dieses Buch (bzw. Joey Goebels Bücher allgemein) verdienen diese Aufmerksamkeit und eine breite Leserschaft so sehr. ❤

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Jule,
    ich habe es leider im Februar nicht geschafft an der Leserunde teilzunehmen, was ich nach deiner wundervollen Rezension sehr schade finde. Das Buch liegt aber schon hier bei mir, so dass ich es in Kürze auch lesen werde.
    Liebe Grüße und schöne Ostern
    Jessica

    Gefällt 1 Person

  3. Das klingt wirklich spannende, und ich beneide euch um die Erfahrung des gemeinsamen Lesens. Für den mai habe ich mir vorgenommen, mit „Museum der Erinnerung“ auch mit zu machen.

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  4. Ich halte VINCENT für Goebels besten Roman; ein Buch, das in keinem Regal fehlen sollte. Seine letzten beiden haben mir dann leider nicht mehr so zugesagt, aber vielleicht haut er ja nochmal irgendwann ein richtiges Meisterwerk raus.
    btw: Schöner Blog!
    Beste Grüße vom Bookster…

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    1. Hallo 🙂
      bin Joey Goebel habe ich bisher tatsächlich nur „Vincent“ gelesen. Stimme dir aber in dem Punkt zu, dass er in keinem Regal fehlen sollte. Bei den anderen Büchern werde ich mir noch selbst eine Meinung bilden müssen.
      Und danke 😉
      Liebe Grüße
      Jule

      Gefällt 1 Person

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