Alice im Wunderland (Lewis Carroll)

Bereits vor einer ganzen Weile habe ich diesen Klassiker gelesen. Warum die Rezension jedoch jetzt erst online geht, ist ganz einfach zu erklären. Ich versuche noch immer die Begeisterung in dem Buch zu finden, die andere diesem Werk gegenüber empfinden. Mit dieser Rezension möchte ich versuchen all dem auf den Grund zu gehen.

Autor: Lewis Carroll // Titel: Alice im Wunderland // Original Titel: Alice’s Adventures in Wonderland // Verlag: Fischer Verlag (November 2012) // 151 Seiten // ISBN: 978-3-596-90499-0 // Preis: 8,99€

Inhalt:

Alice ist ein junges Mädchen mit einer ganzen Menge Fantasie. Während eines Tages ihre Schwester ihr aus einem Buch vorliest, sieht Alice selbst das weiße Kaninchen und folgt diesem ins sogenannte Wunderland. Dort begegnet Alice allerhand wundersamen Persönlichkeiten, nimmt an einer verrückten Teeparty mit dem Hutmacher teil und trifft auf die Herzkönigin und ihrem Gefolge.

Meine Meinung:

Das Buch „Alice im Wunderland“ fand durch einen skurrilen Zufall seinen Weg zu mir. Ich kramte auf dem Tisch für Mängelexemplare bei Thalia herum, suchte nichts besonderes und fand schließlich dieses kleine Büchlein. Die Geschichten um Alice sind berühmt und wie viele Leseratten habe ich nicht schon voller Begeisterung von den Abenteuern im Wunderland erzählen hören, noch dazu schaute ich in meiner Kindheit die Serie, gruselte mich vor der Herzkönigin und liebte das kleine weiße Kaninchen.

Jetzt hielt ich zum ersten Mal das Original in den Händen. Doch was erwartete ich? Ich erwartete nach all den Geschichten und Begeisterungen etwas Großartiges. Und das war mein Fehler und wahrscheinlich ist dies ein Problem, dem viele Klassiker zum Opfer fallen. Sie werden verfilmt, verändert, von fanatischen Fans gelobt – das treibt die Erwartungen in Höhen, den ein Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte alter Klassiker nicht standhalten kann.

Wie soll das Buch mit seinen zwar wunderschönen, aber schwarz-weißen Illustrationen dem bunten Film mit Johnny Depp standhalten? Ihr seht, da gibt es so viel, dem ein Klassiker ausgesetzt ist.

Ich möchte jetzt nicht sagen, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Ich konnte die Begeisterung schon nachvollziehen. Aber die Begeisterung sprang nicht auf mich über. So hatte ich zu Beginn Probleme mit der Sprache. Sie war veraltet – immerhin ist das Original mehr als 150 Jahre alt – und ich konnte mich mit ihr nicht anfreunden. Es war also mehr eine Qual als ein Lesegenuss.

Ich glaube, dass gerade „Alice im Wunderland“ durch die eigene Fantasie erst seine ganze Pracht entfalten kann. Doch diese Fantasie ist nicht mehr ungetrübt, sondern ist mit all den Bildern der Verfilmungen und begeisterten Erzählungen vollgepackt, dass für eigene Interpretationen kaum noch Platz ist.

Fazit:

Ein Klassiker muss stets mit seinem eigenen Mythos und modernen Erzählungen konkurrieren. So ist „Alice im Wunderland“ aus der Popkultur mit dem weißen unter Zeitdruck stehenden Kaninchen und dem verrückten Hutmacher längst ein fester Bestandteil und nicht mehr wegzudenken.

Eure Jule

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6 Gedanken zu “Alice im Wunderland (Lewis Carroll)

  1. Liebe Jule,
    schade, dass dich Alice nicht begeistern konnte. Aber du hast Recht: Gerade bei Klassikern sind die Erwartungen hoch – und manchmal hat man z. B. durch Verfilmungen sehr ausgeprägte Vorstellungen, die dann nicht eintreffen. Mir ging es so mehrfach mit Kafka.

    Alice zählt dagegen zu meinen Lieblingsbüchern. Ich hatte es allerdings noch während der Abi-Zeit gelesen, war also bei der Premiere jünger als du. Außerdem kannte ich Alice nur in Form des Disneyklassikers. Vielleicht konnte ich daher unbefangener rangehen?! Abgesehen davon habe ich Alice damals direkt auf Englisch gelesen – und bin bis heute der Meinung, dass man die Alice-Bücher im Original gelesen haben muss, da in der Übersetzung viel Witz (vor allem sprachlich begründeter), Doppeldeutigkeiten und versteckter Tiefsinn im scheinbar Unsinnigen verloren gegangen sind.

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    1. Liebe Kathrin,
      ich wusste, wenn eine Person unter dieser Rezension kommentiert, dan wirst du es sein, weil ich wusste, dass es dein Lieblingsbuch ist. Und ich glaube auch, dass eine unbefangenere Heransgehensweise besser gewesen wäre. Den Tip mit der englischen Version werde ich mir merken. Vielleicht bringen ja MinaLima noch eine Version auf den Markt. Auf jeden Fall habe ich Alice noch nicht aufgegeben und werde die Augen nach der englischen Ausgabe offen halten.
      Liebe Grüße
      Jule

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  2. Hallo Jule.

    Mir geht es da ähnlich. Ich hatte als Kind den Roman bereits auf deutsch gelesen, aber in Erinnerung war eigentlich nur die Animeserie und der Disneyfilm geblieben. Auf IG hatte ich letztes Jahr eine tolle Ausgabe im Original entdeckt, die ich unbedingt haben wollte. Und dann kam beim Lesen die Ernüchterung. Die Story wird viel zu schnell runter gebrochen, was ich so nicht mehr in Erinnerung hatte. Die veraltete Sprache lässt sich auch im Original nicht so flüssig lesen. Vielleicht werde ich es in ein paar Jahren einfach noch einmal lesen. Wer weiß, wie die Meinung dann ausfallen wird.

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  3. Liebe Jule,

    vor ca. einem Jahr habe ich bei einem Besuch meiner Mutter das original Alice-Buch im regal meiner mutter entdeckt und mitgenommen. Und seitdem nicht gelesen. Ich kenne die Disneyversion und auch die alte Zrichentrickserie und beide Versionen mag ich sehr. Aber das Buch zu lesen, habe ich mich bisher nicht getraut. Und eigentlich genau aus den Gründen, die du genannt hast. Ich weiß, dass das Buch sehr alt ist und ich habe eh meist so meine Probleme mit Klassikern. Außerdem liebe ich dieses Fantastische im Film und der Serie und habe Angst, dass es im Buch fehlt. Du hast das ja bestätigt. Ich denke, dass ich es irgendwann mal lesen werde, aber allzu bald erstmal nicht .

    Danke für die schöne Rezension!
    Liebe Grüße
    Charline

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    1. Hallo Charline,
      sorry, dass ich dir das Buch jetzt „ausgeredet“ habe. 😀 Ich habe jedoch gehört, dass vor allem die deutschen Übersetzungen Schuld sein sollen. Ich werde mir also irgendwann mal eine englische Ausgabe zulegen und schauen was passiert.
      Liebe Grüße
      Jule

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  4. Liebe Jule,
    mit dem „Alice im Wunderland“-Disneyfilm konnte ich mich früher als Kind auch nicht wirklich anfreunden. Als ich dann vor einigen Jahren das Buch gelesen habe, fand ich es klasse! Ich kann verstehen, dass viele die Bewusstseinserweiternde-Substanzen-verherrlichende Geschichte (oh man, das hört sich klasse an :D) nicht mögen. Trotzdem ist Carrols Buch ein Klassiker, der zumindest in meinem Regal nicht fehlen darf :). Deine Rezension ist auf jeden Fall klasse und ich bleibe gerne hier deine Leserin:) #litnetzwerk
    Liebe Grüße
    Svenja (www.pantaubooks.wordpress.com)

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