Fichtelbergmarsch – 64 km an die Grenze des Körpers

Herzlich Willkommen zum ersten offiziellen Beitrag der „Reiseecke“ – mein Bericht der Teilnahme am diesjährigen Fichtelbergmarsch!

Foto: privat // meine Füße dürfen sich einen Tag später in der Sonne ausruhen

In diesem Jahr nahm ich zum zweiten Mal die Herausforderung an, die 64 km zum Fichtelberg zu laufen. Startpunkt ist in Chemnitz, danach geht es mit einigen Schlenkern immer weiter nach Süden ins Herz des Erzgebirges. (Wer nicht aus Sachsen stammt, darf das gern einmal googlen, es ist wirklich beeindruckend). Ich möchte euch heute von dieser spannenden „Reise“ berichten.

Denn nur weil es nicht nach Fernost, Australien oder in die Wildnis Kandas ging, heißt es nicht, dass solch eine Wanderung kein Abenteuer ist, über das gesprochen werden sollte.

Gestern, am 20. Mai, ging es morgens 4:30 Uhr mit meinem Freund und dessen Schwester Richtung Startpunkt – nach zwei Stunden Schlaf. Wenn man es gewohnt ist, immer erst gegen Mitternacht oder später schlafen zu gehen, weil es der Job nicht anders zulässt, ist es verdammt schwer dem Körper zu sagen, dass es eigentlich 22 Uhr schlafen sollte. Doch es half alles nichts. Wir waren so munter es eben ging in aller frühe am Startpunkt und gegen 5:30 Uhr ging es los ins Abenteuer – ausgestattet mit Wanderschuhen, Kleidung, die man leicht dem wechselnden Wetter anpassen kann und einer Wasserflasche. Mehr benötigt man übrigens nicht, da die Veranstalter im Abstand von 10-14 km sogenannte Verpflegungspunkte eingerichtet hatten, an denen es Essen und die Möglichkeit der Flaschenauffüllung gab.

64 km klingen nach einer enormen Herausforderung, und das sind sie auch. Jedoch kann man sich mental zunächst sehr gut vorbereiten. So habe ich nie die ganze Strecke gesehen, sondern immer nur die Entfernung zum nächsten Verpflegungspunkt. Und es klingt auch um ein vielfaches motivierender nur noch 8 km vor sich zu haben als beispielsweise 38. So funktioniert das Spiel. Von Beginn an, weiß man als Teilnehmer, dass man bei dieser Wanderung an seine körperlichen Grenzen stoßen wird. Und ich liege heute auf dem Sofa mit schmerzenden Füßen, Knien Armen und Rücken, während ich diesen Text schreibe. Doch darum geht es nicht. Es geht darum, die eigenen Grenzen kennen zu lernen, sie zu besiegen und dabei auch Spaß zu haben. Denn Spaß hatte ich auf jeden Fall. Die frische Luft auf der Haut, der Teamgeist, der herrschte, und die körperliche Bewegung, das Vergessen des Alltags – einfach nur traumhaft.

Wie Anfangs erwähnt, habe ich zum zweiten Mal teilgenommen. Im letzten Jahr scheiterte ich beim vierten und letzten Verpflegungspunkt. Also eigentlich „nur“ 14 km vor dem Ziel und dem Aufstieg zum Berg. Bitter, aber ich hatte mir eine Blase am Fuß gelaufen, so ungünstig, dass sie zunächst vom anwesenden DRK behandelt wurde, aber trotz allem dafüür sorgte, dass ich über gut 15 km meinen Fuß so falsch belastete, dass meine Achillessehne stark angegriffen wurde. An einen Bergaufstieg war somit nicht mehr zu denken und ich musste aufgeben.

An diesem Punkt möchte ich einmal dem Veranstalter und der gesamten Organisation danken. Denn es ist nicht nur für genug Essen und Trinken gesorgt, sondern an jedem Punkt ist es möglich die geschundenen Füße untersuchen und behandeln zu lassen. Stellt euch nur die vielen Stinkefüße vor, die die Bergwacht zu sehen und anzufassen bekommt. Und an verschiedenen Punkten auf der Strecke ist es möglich abzubrechen und sich mit einem Bus auf den Gipfel fahren zu lassen. Der Stolz überwiegt, denn der Kopf sagt, dass man nicht in diesen Bus steigen und aufgeben will. Ich habe mich beide Male schlecht gefühlt, weil der Kopf sagte „Du schaffst das!“, aber der Körper argumentierte dagegen und in diesem Moment muss man „leider“ für die Gesundheit entscheiden.

In diesem Jahr gab ich kurz nach Kilometer 40 auf. Grund waren meine beiden kleinen Zehen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gern ich mir diesen beiden Dinger gestern gern abgeschnitten hätte. Noch vor dem dritten Verpflegungspunkt merkte ich, dass meine kleinen Zehen irgendwie seltsam sind und sich anfühlten, als hätten sie sich unter meine Ringzehen geschoben. Machen sie auch manchmal, weswegen es mich nicht weiter kümmerte. Als unsere kleine Gruppe gut gelaunt am dritten Rastplatz ankamen und auf die Gulaschkanone und fruchtige Stärkung freuten, zog ich meine Socken aus. Ich wollte auf die dampfenden Füße etwas Kühlgel auftragen. Und dann sah ich an beiden kleinen Zehen zwei Blasen, die größer waren als der jeweilige Zeh.

Obwohl meine Füße gut behandelt wurden, wusste ich, dass auch in diesem Jahr meine Füße dafür sorgen würden, dass ich das Ziel nicht erreiche. Ich versuchte es, aber ich konnte trotz Blasenpflaster die Füße nicht mehr richtig abrollen beim Gehen, hätte das Gewicht über den Ballen oder nur mit der Ferse laufen können. – So manch einer mag sagen, dass man auch so gut vorankommt. Nein, sorry. Eine kurze Strecke mag gut funktionieren, aber keine knapp 20 km und auch nicht bergauf, bergab oder über unebenen Feldweg, bei dem man auf guten Gewichtsausgleich achten muss.

Da mein Freund etwa zu gleichen Zeit mit Knieproblemen zu kämpfen hatte – er konnte seine Knie nicht mehr beugen – hieß es für uns beide den Bus zu nehmen.

Es ist bitter, denn wir konnten das Ziel schon sehr lange sehen. Die ganze Zeit blickten wir auf den Fichtelberg in der Ferne. Und dann aufgeben zu müssen…

Auf dem Gipfel angekommen, fiel uns das Laufen schwer. Erst durch das Sitzen im Bus und die dazugehörige Pause wurde einem bewusst, was man da mit seinem Körper gemacht hat. Beeindruckend war, wie im letzten Jahr, der Einlauf derjenigen, die es bis zum Schluss geschafft haben. Nach und nach kamen die Läufer etwas erschöpft, aber voller Stolz auf dem Gipfel an. Sie wurden mit Jubelrufen empfangen und durften noch schnell für das Zielfoto posieren, bevor es Richtung Ruhepunkt ging.

Ich bewundere jeden, der diese Strecke bis zum Ende durchhält. Und so habe ich mir geschworen, auch im nächsten Jahr wieder mit an den Start zu gehen. Wenigstens ein einziges Mal möchte ich zu Fuß bis zum Gipfel kommen. So haben wir drei Läufer heute morgen am Frühstückstisch bereits die ersten Pläne für das kommende Jahr geschmiedet.

Und dann werde ich euch (hoffentlich) einen Bericht präsentieren können, der mit „Ich habe es geschafft!“ beginnt.

Eure Jule

PS.: Falls jemand ebenfalls Wanderer ist und Schuhtipps hat, immer her damit, denn ich möchte mir für das kommende Jahr neue Schuhe kaufen.

PPS.: Warum es keine Fotos gibt? Ich habe ehrlich gesagt, gar nicht daran gedacht. Es gibt ein paar Selfies, die ich nicht zeigen möchte, denn es gibt wirklich schönere Anblicke. 😀

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15 Gedanken zu “Fichtelbergmarsch – 64 km an die Grenze des Körpers

  1. Danke für den Bericht. 🙂 Das klingt trotz der Strapazen toll. Ich habe sofort Lust bekommen, selbst wandern zu gehen – allerdings eine wenig lange Route. 😉 Mal schauen, ob sich hier in unserem Flachland etwas findet.

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      1. Ich glaube, für so eine lange Wanderung – noch dazu bergauf – braucht man Wanderroutine (und Füße und Beine, die solche Strapazen gewohnt sind ;)). Am besten kaufst du dir für nächstes Jahr Wanderschuhe in einer Nummer größer (ich hab diese Empfehlung mal gelesen und dass das Laufen dadurch angenehmer wird, weil die angeschwollenen Füßen mehr Platz haben). Und Übung macht den Meister – daher nicht die Motivation verlieren. Da bekanntlich aller guten Dinge drei sind, klappt es nächstes Jahr bestimmt mit dem Zieldurchlauf. 🙂

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  2. Hallo Jule
    Ein beeindruckender Beitrag, auch wenn du die Strecke dieses Jahr noch nicht geschafft hast. Trainiere weiterhin, leg dir richtiges Schuhwerk zu un dprobiere es nächstes Jahr gleich wieder! 😊
    Ich bin ein Sportmuffel und bewundere nur schon deine Teilnahme an so einem Event, ich wäre schon nach 1 km in den Bus gestiegen 😀
    Liebste Grüsse und toi toi toi fürs nachste Jahr
    Julia

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  3. Hallo,

    auch ich war dabei und es hat Spaß gemacht 😉

    Für den Lauf sind Turnschuhe sicher am besten. Ich persönlich war mit dem Tor Speed von Hoka unterwegs, dass passte. Blasen hatte ich trotzdem, zwischen den Zehen und darunter … Mir gelang es aber mich mit dem Gefühl zu arrangieren.

    Socken sind auch nicht unentscheidend. Hier bin ich mit Wrightsocks unterwegs gewesen.

    Im nächsten Jahr klappt es bestimmt!!!

    Beste Grüße

    ulaef

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  4. Meinen Respekt, dass du es versucht hast und so weit gekommen bist!!! Ich glaube nicht, dass ich das durchgehalten hätte. Nächste Woche geht es los in den Harz, aber meine weiteste Tageskilometerstrecke sind 18 km, die ich glaube ganz gut schaffen zu können.
    Eine echte Herausforderung die 64 km.
    Nimmst du nächstes Jahr einen weiteren Anlauf auf die Strecke?
    LG
    Yvonne

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    1. Hallöchen 🙂
      Ich schaffe es endlich all die lieben Kommentare zu beantworten. Danke. Ich denke, du schaffst die 18 km. Am besten gar nicht an die Länge der Strecke denken, das macht es nämlich schlimmer. 😀
      Im nächsten Jahr geht es wieder los. Das ganze Jahr wird fleißig „trainiert“ und dann schaffe ich es hoffentlich bis ins Ziel.
      Liebe Grüße
      Jule

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      1. Hallo Jule,
        inzwischen liegt die Wanderung hinter mir und ich habe sogar knapp 23 km geschafft 🙂 Es war eine traumhaft schöne Wanderung und eine tolle Erfahrung.
        LG
        Yvonne

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  5. Hey,
    auf so eine große Wandertour habe ich total Lust. Ich schaue schon öfters mal, ob wie hier oben in S-H mal eine Tour machen, aber gar nicht so einfach.
    Wir sind sonst sehr viel unterwegs zu Fuß und meistens habe ich dann Walkingschuhe an. Im Juli fahren wir in den Harz, wo wir kleine Touren machen werden, da werde ich Trekkingschuhe mitnehmen.

    Ganz lieben Gruß
    Steffi

    über #litnetwerk
    http://www.angeltearz-liest.de

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    1. Hallöchen 🙂
      danke für den Tipp mit den Walkingschuhen. Zu denen wurde mir auch schon geraten, weil sie die benötigte Dämpfung in der Sohle haben, die man bei Asphalt-Strecken braucht. Ich kenne auch sonst kaum solche Wanderungen. Ich gehe zwar privat auch viel laufen, aber von Großveranstaltungen kenne ich kaum welche, bis auf die hier in Sachsen.
      Liebe Grüße
      Jule

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  6. Ein toller Bericht, vielen Dank dafür.
    Ich weiß nicht, ob ich mir das zutrauen würde, so eine lange Strecke am Stück anzugehen. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du auch das Gefühl kennenlernst, wie sie Dir zujubeln, wenn Du die ganze Strecke geschafft hast. Das muss ein erhebendes Gefühl sein, trotz schmerzender Beine.

    Liebe Litnetzwerk-Grüße von
    Gabi

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    1. Hallo 🙂
      danke für das Daumen drücken und nächstes Jahr muss es einfach klappen. Lustigerweise sind es gar nicht die Beine die schmerzen, sondern die Füße und Arme. Die Beine schmerzen erst einen Tag später und dann kann man sich keinen Millimeter mehr bewegen. 😀
      Liebe Grüße
      Jule

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      1. Kann man sich gar nicht vorstellen, dass man beim Wandern Probleme mit den ARMEN bekommt 😉 So eine lange strecke scheint einen wirklich an die Grenzen zu bringen, aber wenn man es schafft, ist es sicher um so toller.

        LG Gabi

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  7. Wirklich interessanter Bericht. Ich finde es wirklich beeindruckend, wie lange du durchgehalten hast, auch wenn es nicht die ganze Strecke war. Bei mir wäre vermutlich nach spätestens 10km schon Ende, darum kannst du wirklich stolz auf dich sein. Vor allem dass du es wieder versuchen möchtest und nicht aufgibst, finde ich klasse. Ich wünsche jetzt schon mal viel Erfolg fürs nächste Mal und drücke die Daumen, dass du noch geeignetere Schuhe findest 🙂

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