NullNUMMER (Umberto Eco)

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Autor: Umberto Eco // Titel: NullNUMMER // Original Titel: Numero Zero // Verlag: Carl Hanser Verlag (26.09.2015) // 231 Seiten // ISBN: 978-3-446-24939-4 // Preis: 21,90€

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Inhalt:

Colonna hat in seinem Leben noch nicht viel erreicht, als eines Tages der Commendatore Vimercate ihm ein Angebot macht, dass er nicht ausschlagen kann. Colonna soll in der Redaktion einer Zeitung mitarbeiten, die jedoch niemals veröffentlich werden wird. Die Journalisten schreiben hierbei jede Menge Artikel mit schmutzigen Gerüchten über Politik und die gute Gesellschaft. Gleichzeitig schreibt Colonna an einem Enthüllungsbuch, um diesen vorprogrammierten Skandal der Öffentlichkeit darzulegen.

Meine Meinung:

Anfang November besuchte ich das Literarische Quintett an meiner Uni, in dem zweimal im Jahr je fünf Bücher vorgestellt werden. In diesem Fall war auch das Werk von Umberto Eco mit dabei. Seit ein paar Jahren nehme ich mir vor mich an seinem berühmtesten Werk »Der Name der Rose« zu wagen. »NullNUMMER« war für mich daher ein Test, ob ich mit dem Schreibstil Umberto Ecos klar komme und Gefallen daran finde. Warum gerade NullNUMMER? Es wirkte wie ein kleines zartes Büchlein im Gegensatz zum etwas umfangreicheren „Der Name der Rose“.

Umberto Eco ist während dieser Lektüre leider nicht mein Freund geworden. »NullNUMMER« hat mich enttäuscht und am Ende habe ich mich gequält das Buch zu beenden, obwohl wirklich gute und interessante Ansätze darin vorkommen.

Dieses Buch fiel mir durch seine Sprache und seine ständigen Ausschweifungen schwer. Ich konnte zu den einzelnen Charakteren, die in der Zeitungsredaktion arbeiten, keine Beziehung aufbauen, zumal es von Kapitel zu Kapitel immer skurriler wurde. So gab es einen Mitarbeiter, der an Verschwörungstheorien rund um Mussolini glaubte und mit einer verrückten Geschichte nach der nächsten um die Ecke kam. Die Geschichten waren so lang und breit, dass man irgendwann keine Lust mehr hatte. Zumal ich mit all den italienischen Namen leider ständig durcheinander kam.

Bezüglich der Handlung konnte ich mich demnach nicht anfreunden und ich bin mir auch unsicher, ob ich mich jemals an „Der Name der Rose“ herantrauen werde.

Der Blick auf die Presse und die Entstehung großer Schlagzeilen fand ich sehr interessant. Das Beeinflussen der Leser durch das Zurechtbiegen der Geschichten. Die Entstehung der Texte durch das Verdrehen von Tatsachen oder dem veränderten Blickwinkel. Manchmal war ich mir sogar unsicher, ob Umberto Eco eine Sache ernst oder sarkastisch meint.

»Dieses dauernde Hervorheben der Professionalität, als ob sie etwas ganz Außerordentliches wäre, weckt den Verdacht, dass die Norm Stümperei ist.« (S. 104)

Dem Zitat kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen. Denn genau diesen Gedanken vertrete ich ebenfalls. Ständig sprechen wir von Professionalität, dem Besserwerden und setzen uns so unter Druck. Allein, wenn man persönlich sein bestes gibt und damit zufrieden ist, dann steht dies für mich für Professionalität. Nur wenn man selbst mit dem eigenen Schaffen nicht zufrieden ist und dies trotzdem veröffentlicht oder als fertig bezeichnet, dann ist es nicht professionell – jedoch auf persönlicher Ebene. Und diesen Punkt sollte jeder mit sich selbst ausmachen.

Fazit:

Umberto Eco ist ein Urgestein der Literatur und ich habe großen Respekt vor seinem literarischen Schaffen. Jedoch konnte mich sein Werk „NullNUMMER“ nicht überzeugen. Sein schwungvoller und dennoch ruhiger Schreibstil sind für Wortliebhaber wunderbar zu lesen, aber wenn die Geschichte nicht passt, ist der schönste Schreibstil nicht für den Genuss geeignet.

Eure Jule

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2 Gedanken zu “NullNUMMER (Umberto Eco)

  1. Hi, du solltest dich von Nullnummer nicht von weiteren Ecos abhalten lassen. Habe meinem Ärger vor Jahren so Luft gemacht: Ecos Nullnummer. Der Titel passt. Ein Werk, das man sich eigentlich nur hastig aus dem Nachlass veröffentlicht vorstellen kann. Allerdings war der Autor zum Erscheinungsdatum noch am Leben. Vielleicht ein Versuch (ganz materiell) das Erbe zu vergrößern? Es sei gegönnt. Zumindest: ein Text praktisch ohne Handlung. Zur Hälfte müde Medientheorie über die Wirkweisen des journalistenschen Populismus, zur anderen eine mehr oder weniger quellengetreue Nacherzählung der Gladiooperation mit einem bemühten Mussolini-Lebt-Schlenker. Da ist es am Ende sogar egal ob der Leser diese glauben oder kritisch hinterfragen soll. Das ist nicht „das Foucaultsche Pendel in zugänglich“. Das ist im besten Fall das Rohmaterial für einen späteren Roman.

    Allerdings ist Eco generell das Spiel mit Verweisen wichtiger als überzeugendes Erzählen. Ich habe das im Schluss dieses Artikels mal ausgeführt: https://soerenheim.wordpress.com/2017/02/21/der-friedhof-in-prag-von-umberto-eco/

    Gefällt mir

    1. Hallo :),
      danke für deinen Kommentar. Vielleicht sollte ich Eco doch irgendwann noch einmal eine Chance geben. Aber aktuell sieht es nicht danach aus, da ich mich literarisch gerade in anderen Thematiken bewege. Trotzdem hilft mir dein Kommentar, diesen großen Autor noch nicht komplett abzuschreiben.
      Viele Grüße
      Jule

      Gefällt 1 Person

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