Mein Wildgarten (Meir Shalev)

Autor: Meir Shalev // Titel: Mein Wildgarten // Original Titel: Ginat ha-bar // Verlag: Diogenes Verlag (22.03.2017) // 341 Seiten // ISBN: 978-3-257-06990-7 // Preis: 24,-€

Inhalt:

Meir Shalev ist nicht nur Schriftsteller, sondern pflegt seit vielen Jahren nebenbei seinen kleinen Wildgarten hinter seinem Haus. In „Mein Wildgarten“ nimmt er seine Leser mit auf einer Reise durch seinen Wildgarten, spricht über seine Blumen wie über Familienmitglieder. Jede Pflanze hat dabei seine ganz eigene Geschichte und Reise in den Garten zurückgelegt. Nebenbei gibt Meir Shalev einen Einblick in die Geschichte seines Landes Israels und lässt seine Leser teilhaben an einem beeindruckenden Naturschauspiel – dem Leben.

Mein Eindruck:

Ich. Möchte. Auch. So. Einen. Garten.

Diesen Gedanken fasst ich mehrfach beim Lesen. Ende März, als ich dieses Buch las, begrünte ich gerade meinen Balkon, wählte Pflanzen aus und freute mich auf das langsam wärme werdende Wetter. An den Wildgarten von Meir Shalev kommt mein kleiner Balkon jedoch bei weitem nicht ran.

In einer ruhigen zurückblickenden Erzählweise widmet Meir Shalev seine Aufmerksamkeit in jedem Kapitel des Buches einer Pflanze, einer Pflanzenfamilie oder sogar den Tieren seines Garten. Jede Pflanze hat eine eigene Geschichte. Entweder hat sie vor ihrer Ankunft im Garten des Autors eine lange Reise hinter sich gebracht oder an einem abenteuerlichen Ort allen Widrigkeiten getrotzt. Beeindruckend war vor allem die Geduld und die Liebe, die den Pflanzen entgegengebracht wird. So wusste ich beispielsweise nicht, dass einige Pflanzen mehrere Jahre benötigen um aus der Erde ans Tageslicht zu gelangen.

Auch den Tieren begegnet der Autor mit Respekt. Spinnen und Insekten gibt er den Raum, den sie benötigen. Selbst mit der Blindmaus (ähnlich einem Maulwurf) hat er Frieden geschlossen, nachdem der „Stellungskrieg“ irgendwann in einem Unentschieden endete.

Gefallen hat mir, dass Meir Shalev niemals vorgibt perfekt zu sein und es auch niemals sein möchte. Er ist nicht perfekt im Umgang mit seinen Pflanzen und auch nicht perfekt, wenn es um seine Moralvorstellungen geht. So ist Meir Shalev religiös, gibt aber zu, selbst darin nicht perfekt zu sein. Für ihn ist es wichtiger glücklich zu sein mit dem was er tut, niemandem das Leben schwer zu machen, außer vielleicht der Blindmaus, und sein Leben zu genießen.

Immer wieder folgen kurze – meist nur wenige Sätze – Anekdoten zum Verhältnis der arabischen und hebräischen Vergangenheit und Gegenwart in Israel. Dabei nimmt Meir Shalev keine Position ein, fasst diesen „Konflikt“ jedoch, für mich, in einem einzigen Zitat sehr gut zusammen. (An dieser Stelle „perfekt“ zu schreiben, wäre falsch, da dies ja nicht das gewünschte Ziel ist.)

Komisch: Das Hebräische hat den Glauben an den Baal bewahrt, das Arabische den Sieg des Gottes Israels, und der Staat Israel hat Muchraka einen Namen gegeben, der die ganze Geschichte vergessen macht: „Keren Karmel“.“ (S. 74)

Bei diesem Zitat handelt es sich um die Abschlussbetrachtung einer Gebirgskette und der markantesten Erhebung dieser, die im Westen des Garten am Horizont zu sehen ist. Denn darum geht es in diesem Buch: über den eigenen Horizont – den Wildgarten – hinauszusehen, sich der Natur bewusst zu werden und das Leben zu genießen, die Ruhe zu erkennen.

Zur Gestaltung:

Im Buch finden sich 40 Illustrationn von Meir Shalevs Schwester Refaella Shir. Auf dem Blog des Diogenes Verlag kann man ein Interview mit Meir Shalev lesen, in dem er u. a. über die Entstehung der Illustrationen spricht und einig sogar abgebildet sind.

Die Gestaltung ist ein Traum bei diesem Buch und zusätzlich äußerst hochwertig. Hochwertig, weil das Buch meinen Wasserunfall überlebte und keine Spuren übrigblieben. Keine gewellten Seiten, von den Wasserflecken ist nur ein Hauch übriggeblieben und dank des Leineneinbands wurde das Buch in seiner Gänze geschützt. DANKE lieber Verlag, dass ihr euch bei der Gestaltung und der Qualität stets so viel Mühe gebt.

Fazit:

In der Hektik des Alltags, vor allem in Großstädten, sehnt man sich doch manchmal nach der Ruhe der Natur, Selbst wenn keine Zeit für einen Ausflug ins Grüne ist, nehmt euch dieses Buch, sucht euch ein bequemes Plätzchen auf dem Balkon oder dem Sofa und genießt dieses Buch. Es liest sich, als würde man in seinem eigenen kleinen Wildgarten sitzen.

Eure Jule

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