Veronika beschließt zu sterben (Paulo Coelho)

Paulo Coelho macht es mir nicht immer einfach. Entweder ich liebe das Buch von ihm von der ersten bis zur letzten Seite und kann es kaum aus der Hand legen. Oder es passiert das genaue Gegenteil und ich quäle mich etwas. Ein dazwischen scheint es bei ihm für mich nicht zu geben.

Mit „Veronika beschließt zu sterben“ hat er jedoch wieder genau ins Schwarze getroffen und ich möchte behaupten, dass es mir genauso gut gefiel wie einst „Der Alchemist“.

Autor: Paulo Coelho // Titel: Veronika beschließt zu sterben // Original Titel: Veronika Decide Morrer // Verlag: Diogenes Verlag (24.04.2007) // 224 Seiten // ISBN: 978-3-257-23305-6 // Preis: 10,00

* bei den Angaben handelt es sich um die aktuelle Angabe, die auf der Verlagsseite erhältlich ist – ich besitze eine Ausgabe aus dem Jahr 2002, wobei in der Zwischenzeit auch eine Änderung am Cover vorgenommen wurde.

Inhalt:

Veronikas Leben verläuft eintönig und sie ist gelangweilt davon. So beschließt die junge Frau eines Tages ihrem Leben ein Ende zu setzen. Der Selbstmord bleibt jedoch ein Versuch und Veronika wacht im Sanatorium wieder auf – mit einer schrecklichen Diagnose.

Im Angesicht des Todes lernt Veronika wie wundervoll das Leben sein kann. Sie lernt die kostbare Zeit, die uns auf Erden gegeben ist, wieder zu lieben. Sie lernt, dass eine „Prise Verrücktheit“ einen Platz in jedem Leben braucht.

Meine Meinung:

Mit einer unglaublichen Skurrilität und dem richtigen Feingefühl nimmt sich Paulo Coelho mit diesem Buch einer schwierigen Thematik an – dem Selbstmord, dem Wunsch nicht mehr Leben zu wollen. Veronika hat eigentlich alles, was man sich wünscht: einen sicheren Job, ein Dach über dem Kopf.

Doch sie will nicht mehr leben, denn sie sieht in der Eintönigkeit keinen Sinn mehr, fühlt sich nicht mehr lebenswert. Gerade in einer Zeit, in der wir dem ständigen Druck ausgesetzt sind, perfekt zu sein, macht man sich selbst innerlich mit diesem Druck kaputt. Nach außen kann man das perfekte Leben – toller Job, tolles Haus, wunderbare Familie – besitzen, aber wenn das Innere nicht stimmt, geht es eben nicht.

„Je glücklicher die Menschen sein können, desto unglücklicher werden sie.“ (S. 84)

Sehr gefallen hat mir der Blick auf die geistigen Krankheiten. Sie sind da, werden angesprochen, aber an keiner Stelle als unbedeutend angesprochen.

„Die Verrücktheit ist die Unfähigkeit, seine Ideen zu vermitteln. Als wärst du in einem fremden Land. Du siehst alles, verstehst, was um dich herum geschieht, kannst aber nichts erklären und keine Hilfe bekommen, weil du die Landessprache nicht verstehst.“ (S. 70)

Verrücktheit steht in diesem Buch stellvertretend für verschiedene Krankheiten ohne dabei abwertend zu wirken. Denn es sind die Ärzte und Pfleger, die ihre Patienten nicht verstehen und als verrückt bezeichnen, egal, ob sie depressiv oder andere Krankheiten mit sich herumtragen müssen.

Während des Lesens erinnerte mich dieses Buch auch immer wieder an „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt. In beiden Romanen sind es die „Verrückten“, die Normalität ausstrahlen und ihr Leben leben, während es die Ärzte sind, die eher wie Patienten wirken.

Bei meinen Recherchen entdeckte ich noch die Verfilmung aus dem Jahr 2010 mit Sarah Michelle Gellar und David Thewlis, die ich mir wohl in den nächsten Tagen ansehen werde. Ich verlinke euch >hier< den Trailer, für alle, die es interessiert.

Fazit:

„Veronika beschließt zu sterben“ ist ein Buch mit einem traurigen Buchtitel und einer lebensbejahenden Botschaft. Veronika ist darüber hinaus ein liebenswerter Charakter, den man bereits nach wenigen Seiten ins Herz schließt.

Weitere Rezensionen: Leselust | zwischendenseiten

Eure Jule

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4 Gedanken zu “Veronika beschließt zu sterben (Paulo Coelho)

  1. Hallo 🙂 Mir haben sowohl das Buch als auch der Film wirklich gefallen! Ich stimme dir voll uns ganz zu, was Coelhos Romane angeht: Entweder sind sie richtig gut oder sie sagen einem gar nicht zu. Ich tue mich vor allem mit seinen super spirituellen Romanen wie Aleph oder Brida schwer.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallöchen 🙂
      entschuldige, dass ich dir erst jetzt antworte. Ich habe gesehen, dass du einige meiner Coelho-Beiträge kommentiert hast.Aber irgendwie sind die alle im Spam gelandet. :O Jetzt sind sie befreit und ich antworte dir einfach hier.
      „Aleph“ fand ich noch gut, aber der Zugang zu seinem spirituellen Leben ist für mich auch schwierig. Ich bin bisher an „Auf dem Jakobsweg“ gescheitert, werde es aber noch einmal in naher Zukunft versuchen.
      Liebe Grüße
      Jule

      Gefällt 1 Person

  2. Huhu!
    Eine wunderbare rezension! Die Geschichte um Veronika möchte ich auch irgendwann einmal noch lesen. Die Physiker von Dürrenmatt fand ich unfassbar gut damals in der Schule, eines der wenigen Bücher, die ich tatsächluch gern im Unterricht gelesen habe. Danke dir für die Rezension! 🙂

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

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