Das 10. Literarische Quintett – meine 2. Teilnahme

Zwei Bücher Fehlen, da ich diese direkt nach der Veranstaltung an die Uni-Bibliothek weitergegeben habe.

Lang lang ist es her, dass ich am 10. Literarischen Quintett teilgenommen habe – im April. Aber irgendwie war nie richtig Zeit euch die Bücher vorzustellen, die ich im Zuge dessen gelesen habe. Das Literarische Quintett ist eine Veranstaltung meiner Universität, bei der – ganz nach dem Vorbild des Literarischen Quartett – 5 Personen 5 Bücher lesen.

Auf Grund des Jubiläums der 10. Veranstaltung stand alles unter dem Zeichen Stefan Hemys. Warum? In Chemnitz wird alle 3 Jahre der Stefan-Heym-Preis verliehen und das 10. Jubiläum und der Preis fielen zusammen und so nutzte man diese beiden Anlässe für ein gemeinsames großes Event.

Bisher gibt es vier Preisträger und den Namensgeber, also insgesamt fünf Autoren, von denen je ein Buch im Vorfeld ausgewählt wurde. In Form von Kurzrezensionen möchte ich auch die Bücher heute vorstellen. Mit einem Klick auf den Titel kommt ihr direkt zur Verlagsseite um Informationen zum Inhalt zu erfahren, auf das ich in diesem Fall verzichte.

Die Bücher wurden allen Teilnehmern von den jeweiligen Verlagen zur Verfügung gestellt und ein Dank geht zusätzlich auch an die Universitas, die Unibuchhandlung, die im Vorfeld der Veranstaltung immer Lesungen anbietet und sonst ein gutes Zuhause für tolle Bücher und lange Stöberrunden bietet. Und Fred, den Buchhandlungshund, der stets nach Knuddelattacken bettelt.

Der König David Bericht“ (Stefan Heym) – (Die Verlinkung führt zu Amazon, da es das Buch derzeit nur gebraucht erhältlich gibt, Stand 13.09.2017)

Natürlich durfte der Autor, der dem Literaturpreis seinen Namen gab, nicht fehlen. In „Der König David Bericht“ wird der Historiker Ethan ben Hoshaja von König Salomo damit beauftragt einen Lebensbericht von König David zu verfassen.

Gleich das erste Buch des Abends habe ich nicht beendet und das aus zwei Gründen. Erstens gab es für mich einfach zu viele Personen, die miteinander agierten, die ich nicht auseinanderhalten konnte und zweitens waren die Ereignisse sehr verwirrend verfasst. Viele Ereignisse wurde zusätzlich in verschiedenen Varianten erzählt, da es mehrere Augenzeugen gab oder beschlossen wurde, dass man manche Ereignisse umschreiben müsste, damit sie in den David Bericht passen.

Ein weiterer Teilnehmer verglich das Buch am Ende mit „Game of Thrones“ auf Grund der Intrigen und verzwickten Handlungen usw. Da ich die Serie selbst nicht schaue, konnte ich in diesem Punkt nicht wirklich mitsprechen.

Interessant war jedoch der Bezug auf die heutigen Medien. Egal welche Geschichten in diesem Buch erzählt wurden, mussten diese zurecht gestutzt werden um sie glaubwürdig erscheinen zu lassen, weil allen Beteiligten die Lügen klar waren.

Judas“ (Amos Oz)

Für dieses Buch war ich „Pate“. Ich hatte es mir ausgesucht, weil ich 2015 auf der Leipziger Buchmesse so viel Gutes darüber gehört hatte und bisher nicht die Zeit zum Lesen gefunden hatte. Jetzt war es endlich soweit und ich freute mich riesig darauf… und wurde enttäuscht.

Schmuel, die Hauptperson steckt in einer Lebenskrise, bricht sein Studium ab und beginnt am Stadtrand Jerusalems bei einem alten Mann zu arbeiten. Seine einzige Aufgabe besteht darin mit dem alten Mann zu reden.

Als Leser bekommt man interessante Einsichten in die politische Geschichte Israels nach dem 2. Weltkrieg. Da fehlte mir in manchen Momenten leider der geschichtliche Hintergrund jener Zeit, aber man verstand auch so die verschiedenen Konflikte. Doch während sich die Personen rund um Schmuel entwickeln und von ihren Geschichten erzählen, wusste ich nie, was Schmuel eigentlich will. Aber mein Gefühl sagt mir, dass Schmuel das auch nicht richtig wusste.

Judas“ ist ein ruhiger Roman ohne Anfang und ohne Ziel, als wäre man, wie Schmuel, nur Gast für eine gewisse Zeit an einem gewissen Ort.

Die Zollerklärung“ (Bora Ćosić)

In diesem Buch geht es um einen Serben, der in den 1990er Jahren aus Serbien geflohen ist und in einem anderen Land ein neues Leben beginnt. Angekommen in der neuen Heimat soll er eine Liste all seiner Güter anfertigen und somit eine „Zollerklärung“ abgeben.

Zu Beginn hatte ich dieses kleine unauffällige Buch nicht auf dem Schirm. Es war so unscheinbar, dass ich es in keiner Buchhandlung je in die Hand genommen wurde. Doch mit einfachen, ruhigen und kraftvollen Sätzen lernt man die Gedanken eines Flüchtlings kennen. Seine Gedanken, was er hinter sich zurücklässt, was er in seine neue Heimat mitnimmt, dass er eigentlich keine Gegenstände mitnimmt, sondern es vor allem die Erinnerungen an die Straßen seiner Kindheit, die Heimat mit all ihren Facetten und die unbekannte Zukunft sind, die ihn beschäftigen.

Landnahme“ (Christoph Hein)

Flüchtlinge waren ein zentrales Thema bei diesem Quintett. Denn auch Christoph Hein widmet sich in seinem Deutschlandroman vertriebenen Menschen nach dem 2. Weltkrieg. Das Misstrauen gegenüber geflüchteten Menschen gibt es nicht erst seit 2015 und der neuen großen Flüchtlingswelle. Auch als der Protagonist Bernhard Haber mit seiner Familie in einer sächsischen Kleinstadt ankommt, trifft er auf viel Abneigung. Als Leser begleitet man ihn von der Nachkriegszeit bis zur deutschen Wiedervereinigung.

Mich hat dieses Buch unglaublich beeindruckt. Ich konnte es fast nicht aus der Hand legen, denn es erzählt eben nicht nur die Geschichte Bernhards, sondern auch die (ost-)deutsche Geschichte nach dem 2. Weltkrieg, schonungslos ehrlich, jedoch nie mit erhobenem Zeigefinger. Für mich war dieses Buch ein echter Pageturner und ich lege es jedem ans Herz, der mehr über Flüchtlinge, die deutsche Geschichte und das Leben in einer Kleinstadt lernen möchte.

Dunkel, fast Nacht“ (Joanna Bator)

Die diesjährige Preisträgerin durfte ich drei Wochen vor dem Quintett bei einer Lesung erleben und fand es großartig. Ich hatte mir dieses Buch bis zum Schluss aufbewahrt, weil ich auf Grund der Dicke großen Respekt hatte. Am Ende las ich es innerhalb von 2 ½ Tagen – Dank Zeitdruck und der vorherrschenden Spannung konnte ich die schiere Seitenzahl trotz Arbeit beenden. Also von mir schon allein aus diesem Grund eine absolute Leseempfehlung.

Was sich zunächst als Krimi und drei verschwundenen Kindern anhört, ist am Ende eine tragische Geschichte über Vertriebene, Rassismus, Ablehnung, eine Familie und viele düstere Geheimnisse. Auch an dem Abend des Literarischen Quintetts konnte ich nicht in Worte fassen, was dieses Buch alles beinhaltet und wie gut es mir gefällt.

Warum ich das Literarische Quintett so liebe? Man entdeckt dort Bücher, an denen man in der Buchhandlung vorbeigegangen wäre oder die man so nie gelesen hätte. Mir ging es vor allem mit „Landnahme“ von Christoph Hein so. Das Buch hat mich am Ende dermaßen beeindruckt, dass ich sehr dankbar bin, es gelesen zu haben.

Am 28.11.2017 findet das 11. Literarische Quintett und ich bin schon jetzt auf die Auswahl gespannt. An meine Chemnitzer Mitleser, lasst euch das nicht entgehen. Der Abend ist immer unterhaltsam, besonders, wenn ihr in der Nähe meiner besten Freundin und mir sitzt.

Eure Jule

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Ein Gedanke zu “Das 10. Literarische Quintett – meine 2. Teilnahme

  1. Danke für Deine Mitnahme zum 10. Literarischen Quintett hier, liebe Jule!
    Dass Du ein Buch davon abgebrochen hast finde ich mutig – vorallem das hier auch zu schreiben. Spricht sehr für Dich, aber ich glaube Stefan Heym ist eh schwierig und war ein streitbarer DDR-Bürger und später Bürgerrechtler.
    Von Christoph Hein habe ich schon „Weisskerns Nachlass“ gelesen (in Vorbereitung auf ein Theaterstück hier) und fand es sehr gut und kann es empfehlen und möchte noch „Trutz“ von ihm lesen und jetzt vielleicht auch „Landnahme“. Ein sehr hochwertiger und empfehlenswerter Schriftsteller.
    Amos Oz sollte ich wohl auch mal lesen, nachdem Du ihn hier auch empfiehlst.
    Liebe Grüße,
    Simone.

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