Elefant (Martin Suter)

(c) Juliane Dietrich

Autor: Martin Suter // Titel: Elefant // Verlag: Diogenes Verlag (18.01.2017) // 352 Seiten // ISBN: 978-3-257-06970-9 // Preis: 24,00€ – Rezensionsexemplar

Inhalt:

Schoch ist obdachlos. Das war er nicht immer und trotzdem lebt er jetzt auf der Straße und schläft unter einer Brücke – sein Versteck. Seine Tage verlaufen dem immer gleichen Rhythmus bis eines Tages ein Geschöpf in seinem Versteck auftaucht. Ein kleiner rosa Elefant, der zusätzlich noch im Dunkeln leuchtet, stellt das Leben von Schoch ganz schön auf den Kopf.

Ein leuchtender Elefant ist selbstverständlich eine Sensation und ist das Ergebnis eines Experiments des Genforschers Roux. Dieser glaubt, dass ihm der kleine Elefant entwendet wurde und unternimmt alles, dieses sensationelle Geschöpf zurückzubekommen.

Meine Meinung:

Mein erster Martin Suter. Und er hat mir gefallen. Sogar richtig gut. Vor Martin Suter hatte ich bis zu dieser Lektüre riesigen Respekt. So viele Bücher hatte er schon veröffentlicht, einige wurden verfilmt und ich hatte nicht ein einziges gelesen. Dann erschien „Elefant“, das Cover zog mich an, die Kritiken waren überwiegend sehr positiv und dann… war Martin Suter auch noch auf der Leipziger Buchmesse 2017 beim Bloggertreffen des Diogenes Verlag anwesend und erzählte etwas. Ich hatte so viel Respekt und war gleichzeitig unendlich begeistert. Wie der Pate saß Martin Suter in seinem perfekt sitzenden Anzug an der Stirnseite des Tisches und war sehr charmant.

(c) Juliane Dietrich

Martin Suter ist es gelungen in diesem Roman viele unterschiedliche und vor allem realistische Charaktere zu zeichnen, die mich von Anfang an in ihren Bann zogen. Schoch, der obdachlose Alkoholiker, der mit dem Trinken aufhören will, wirkte auf mich so realistisch. Realistisch vor allem, weil nichts beschönigt, nichts verdreht, nichts überspitzt, sondern gnadenlos ehrlich. Auch mit den anderen Charakteren – Kaung, dem Elefantenflüsterer oder Roux, den Genforscher – ließe sich das fortfahren.

Angesprochen werden – in meinen Augen – in diesem Roman zwei sehr interessante und wichtige Themen. Einmal die Obdachlosigkeit und damit oft einhergehende Alkoholismus. Suter schreibt in der Danksagung, dass er mit verschiedenen Personen gesprochen haben, um ein realistisches Bild zeichnen zu können. Das ist ihm gelungen. Solche „alltäglichen“ Krankheiten, denen wir uns oftmals machtlos gegenüber sehen, brauchen viel mehr Gehört, viel mehr Lösungsansätze und vor allem viel mehr Ansätze für das Umfeld sie zu verstehen.

Das andere große Thema dreht sich rund um Tiere – begonnen beim nicht artgerechten Halten der Tiere in Zirkussen bis zu fragwürdigen genetischen Veränderungen und deren Züchtungen. Bei der Frage des Tierschutzes gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Auf der einen Seite gibt es die Befürworter von der Haltung wilder Tiere in Zoos, solange das Gehege angemessen groß ist. Doch es gibt auch noch die anderen Seite, die diese Haltung, wie alle anderen Arten der Tierhaltung ablehnt, weil ein Tier in seiner natürlichen, wilden Umgebung leben soll. Wo ich mir bei dieser Frage noch keine konkrete Antwort überlegt habe, bin ich jedoch der Meinung, dass man Tiere weder im Zirkus einsetzen sollte, noch sie ausbeuten sollte, weil sie sich gut für die Züchtung eignen. Denn das passiert in diesem Roman, eine Elefantenkuh wird nicht nur im Zirkus gehalten, sondern wird als Zuchtkuh eingesetzt und soll schließlich Teil der fragwürdigen Experimente werden.

Die Grausamkeit und Profitsucht gegenüber diesen wunderbaren Tieren machte mich wütend. Und diese realen Gefühle, die ich beim Lesen empfand, machten den Roman für mich zu einem Lesevergnügen.

Fazit:

Mein erster Martin Suter wird nicht mein letzter gewesen sein. Sein Schreibstil, seine Handlungskonstruktion und auch seine gewählten Themen haben mich überzeugt und mir wunderbare Lesestunden beschert.

Eure Jule

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3 Gedanken zu “Elefant (Martin Suter)

  1. Hach wie schön – für mich war „Elefant“ auch mein erster Suter und ich war schockverliebt! Eine so wundervolle Geschichte!
    Da mein Freund schön länger Fan des Autors ist, steht das ein oder andere Buch bereits hier und ich muss gestehen „Der Koch“ liegt schon lange auf meinem SuB …

    Ich bin absolut abgetaucht und war fasziniert mit welch einer Leichtigkeit Suter diese Thematik aufgeschrieben hat!

    Liebe Grüße
    Janna

    Gefällt 1 Person

    1. Hallöchen Janna,
      Suter ist einfach unglaublich. Vollständig überzeugt war ich von ihm, als ich ihn ihm Rahmen der Leipziger Buchmesse treffen konnte. Ich muss mal schauen, an welches Buch ist mich als nächstes traue.
      Liebe Grüße
      Jule

      Gefällt 1 Person

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