Irland – ein Land voller Ruhe

(c) Juliane Dietrich // in Clonmacnoise

Reiseziele suchen mein Freund und ich nach dem Bauch aus. Wir blicken gemeinsam auf unsere große Weltkarte im Wohnzimmer und überlegen, welche Region dieser Welt wir bereisen möchten und was unser Geldbeutel zulässt. Und am Ende findet doch das Land uns und nicht umgekehrt.

In diesem Jahr entschieden wir uns für Irland. Irland ist ein Land, das mich schon seit Jahren interessiert und wie magisch anzieht. Erklären kann ich das nicht so richtig. Doch nach einigem hin und her im Reisebüro stand die Reise fast – im August, zwei Wochen in unterschiedlichen B&B‘s und ein Auto.

Ein Reiseführer vermag viele Versprechungen und Erwartungen an ein Land wecken. Einige Orte kennt man aus Filmen oder Büchern oder vom Erzählen. Mehr an Vorbereitung sollte es nicht geben. Es sollte eine Reise der Ruhe werden, eine Reise fernab großer Menschenmassen und der Hektik von Großstädten.

Der Punkt der Großstädte: die scheint es so in Irland nicht zu geben. Natürlich gibt es große Städte wie Galway, Cork und Dublin, aber trotzdem findet dort nicht die Hektik statt, die man aus deutschen Großstädten kennt. Ich fühlte mich dort nicht ganz so gestresst, auch wenn es für mich bei Linksverkehr immer etwas anstrengend ist. Ich kriege das nicht in den Kopf in welche Richtung ich zuerst schauen muss und es grenzt immer an ein Wunder, dass ich die Straßenüberquerung überlebt habe.

Angezogen von der Natur zog es uns jedoch in die Landschaft auf lange Wanderungen. Bei Wind und Regen stapften wir Berge hinauf, über grüne Wiesen und schlängelten uns enge Wege in National Parks entlang. An Tag 4 sagte ein netter Ire zu uns „Wer wegen des Wetters nach Irland kommt, der hat das falsche Reiseziel gewählt.“ Recht hatte er, denn von unseren 15 Tagen regnete es 5 Tage nicht, aber die 20 Grad knackten wir nur an 2-3 Tagen.

Nichts konnte uns jedoch aufhalten und war der Regen doch einmal zu stark, gab es immer ein kleines Café, in dem wir bei einem Kännchen Irish Tea und Scones oder einem Stück Kuchen die Zeit genossen. Nach 15 Tagen bin ich übrigens Profi einer Tea Time. Immer gegen 16 Uhr brauchte ich meine Pause mit Tee und Kuchen. Aus diesem Grund durften auch 220 Teebeutel Irish Tea mit nach Deutschland reisen.

Zurück zur Natur – ich kann in diesem Punkt nur die Bilder sprechen lassen. Es ist nicht möglich das Grün in Worte zu fassen. Oder die Weite. Oder einfach das Glänzen des Wassers mit den grauen Wolken am Himmel gemischt mit dem Duft des Meeres und dem Gesang der Vögel.

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Zu den Menschen könnten ganze Bücher geschrieben werden und trotzdem würde ein Wort ausreichen: Herzlichkeit. Iren sind weltoffene Menschen. Sie interessierten sich nicht nur für unsere Herkunft und fragten nach Sachsen und Chemnitz, sondern waren auch immer zur Stelle, wenn man einen guten Rat oder einen Tipp brauchte. Die Herzlichkeit kommt wahrscheinlich daher, dass es den Iren auch beim schlechtesten Wetter gelingt, etwas Gutes darin zu sehen. Dann wird das Bier eben im Pub getrunken und nicht vor der Tür. Drinnen ist die Stimmung sowieso besser und die Musik hört man dort auch. Klatsch und Tratsch bekommt man selbst als Tourist im Pub mit und das trotz der Musiker, die mit voller Leidenschaft ihre Instrumente spielen.

Ich lege auch jedem Irlandreisenden ans Herz mindestens ein Musikfestival zu besuchen. Wir sind per Zufall in eines geraten. Es ist unbeschreiblich. Bis tief in die Nacht musiziert alt und jung auf den Straßen, in den Pubs, in großen Gruppen oder Solo. – Ich habe als Kind nie ein Instrument spielen gelernt, aber in Irland stand für mich der Entschluss fest, ein Instrument zu kaufen und zu lernen. Mein großes Vorhaben übrigens für 2018 und wenn alles gut läuft, bekomme ich in den nächsten Tagen schon das gewünschte Instrument – eine Banjolele.

Es waren vor allem die kleinen Orte mit ihren kleinen Häusern, kleinen Läden und kleinen Cafés, die es mir angetan haben und ich habe es mir das ein oder andere mal gewünscht, in so einem Ort zu leben. Weg von der Hektik der Großstadt, denn in den kleinen Städten gab es auch alles: einen Supermarkt, Cafés, Pubs und vor allem das Leben fand dort bei Wind und Regen auch auf den Straßen statt. Niemand versteckte sich allein in seinen vier Wänden.

Wenn ihr jetzt eine Reiseempfehlung wollt: Cobh südlich von Cork war unglaublich. Dort legte die Titanic ab als sie zu ihrer ersten und letzten Fahrt Richtung Amerika startete. Noch heute kann man dort den Anlegesteg bewundern. – Achill Island im Nordwesten hat einen traumhaften Sandstrand. Ich stand bei 14 Grad im Atlantik! Die Buchläden in den kleinen Ortschaften. Sie sind das absolute Chaos und für jeden Bücherwurm ein Paradies. Ich hatte ab Buchladen 3 Kaufverbot seitens meines Freundes und meines Koffers.

Eure Jule

PS.: Die Bilder sind alle unbearbeitet. Ich wollte euch an der Realität teilhaben lassen und keine Filter verwenden, die die Atmosphäre zerstören könnten.

PPS.: Ihr lest übrigens Version 9 dieses Beitrags. So oft habe ich ihn umgeschrieben, weil mir immer die richtigen Worte fehlten.

PPPS.: Nebenbei höre ich bei Spotify eine Playlist mit Songs, in denen eine Banjolele eine Rolle spielt.

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24 Gedanken zu “Irland – ein Land voller Ruhe

  1. Liebe Jule,

    ein schöner Bericht, aus dem man herausliest, wie sehr du Irland in dein Herz geschlossen hast! Und tolle Bilder! Manche Orte wirken fast ein wenig unserer Zeit und unserer Welt entrückt, so als wären sie ein Filmset für einen Fantasy-Film oder eine „Anne of Green Gables“ ähnliche Geschichte.

    Was das Leben auf den Straßen und die Feste angeht, kann ich dir nur zustimmen! Zwar war ich in Irland noch nicht, aber in London und Edinburgh (das auch nur eine Kleinstadt ist) habe ich es auch so erlebt, dass sich alle Welt auf den Straßen, in Parks und sogar auf Friedhöfen trifft, um zu plaudern, zu essen, zu trinken, zu feiern. Egal, an welchem Wochentag und egal, wie stark es regnet – es ist immer etwas los. Irgendwo ist immer Musik oder ein Straßenfest oder ein bunter Markt. Das ist etwas, das ich an Großbritannien so liebe. Es lebt nicht jeder so in seinem kleinen Dunstkreis vor sich hin, sondern alles spielt sich in mal kleineren, mal größeren Menschenmengen ab. Diese Kultur des Draußen-Seins und des gemeinsamen Gestaltens von Stadtleben vermisse ich hier in Deutschland so sehr.

    Und ich glaube, du hast inzwischen schon wieder genauso viel Fernweh nach UK wie ich. 😉

    Liebe Grüße
    Kathrin

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    1. Liebe Kathrin,
      du hast recht, jede Ecke Irlands wirkte wie ein Filmset oder passte perfekt auf ein Fantasy-Setting eines Buches. Manchmal wirkte es schon fast surreal und ich stand einfach nur da und konnte es nicht glauben.
      In London ist es mir auch aufgefallen, dass die Menschen immer auf der Straße unterwegs sind. Hier in Deutschland sucht man dies vergeblich. Natürlich gibt es auch Tage, an denen man nach der Arbeit einfach nur nach Hause möchte, aber es ist eben auch so ein tolles Lebensgefühl andere Menschen um sich zu haben und das Leben draußen zu genießen. Dann wirkte der Regen auch weniger grau und das Wetter weniger kalt.

      Die UK sehe ich, wenn es gut läuft, 2018 schon wieder. Nach London und dann mit dem Zug nach Edinburgh im Stile von Harry Potter und dann eine kleine Rundereise durch Schottland. Aber bisher sind es nur Ideen. Mal schauen, was sich umsetzen lässt.
      Liebe Grüße
      Jule

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      1. Ach, Jule, das klingt nach einer tollen Reiseplanung! Wir sind ja dieses Jahr auch direkt von London aus nach Edinburgh, allerdings mit dem Flugzeug. Ursprünglich wollte ich auch stilecht mit dem Zug fahren (allein schon wegen der Landschaft!), aber Flug war dann doch deutlich günstiger und schneller. Umso mehr freue ich mich aber, was ihr von der Reise durch England und Schottland erzählen werdet! Eine Rundreise durch Schottland haben wir uns auch noch vorgenommen, nachdem wir dieses Jahr bedingt durch meine Erkrankung und die Festivals in Edinburgh einfach nicht die Zeit und Ruhe für Ausflüge ins restliche Schottland hatten.

        Ich bin auch sehr gespannt, wie du Edinburgh nach London wahrnehmen wirst. Für mich war es ein kleiner Kulturschock, von dem riesigen, kunterbunten und modernen London in das kleine Edinburgh zu kommen (obwohl dort durch Fringe und andere Festivals gerade viel Trubel war). 😉

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    1. Vielen Dank für das Kompliment!
      Ich hatte beim Schreiben auch direkt Lust die nächste Reisen zu planen und loszulegen. Aber vorerst müssen die Fotos reichen. Die kommende Reise geht erst einmal nach Zürich.
      Liebe Grüße
      Jule

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  2. Wie schööön, irgendwie waren dieses Jahr echt viele Blogger und co. in Irland – wir auch 😀
    Ich freu mich immer, nach der Reise auch Berichte und Fotos von anderen zu sehen und wieder ein bisschen in Erinnerungen schwelgen zu können. 🙂
    Wir haben zwar echt viel gesehen in unseren 2 Wochen dort, aber Irland hat glaube ich noch traumhafte Ecken für mindestens fünf weitere Reisen dorthin! ❤
    Schönen Sonntag noch!
    Nadine

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    1. Hallöchen Nadine,
      ja, ich war sogar mit einer anderen Bloggerin parallel auf Irland. Sie fuhr die Route allerdings mit dem Uhrzeigersinn und ich entgegengesetzt. Es ist aber auch ein wundervolles Land und so viele namenhafte Schriftsteller kommen von dort. Ich muss irgendwann noch einen Beitrag mit all den Buchhandlungen schreiben, die ich gesehen habe.
      Liebe Grüße
      Jule

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  3. Was für ein toller Artikel der mich dahinschmachten und träumen lässt. Die Bilder sind ein Wahnsinn und mal ehrlich..Irland benötigt keinen Filter, denn dort oben ist das Grün sowas von..öhm ja grün…das hat man im Leben noch nicht gesehen. Du hast mir Lust gemacht die singenden (die sind doch in den Pubs wirklich ständig am Singen) und musizierenden Iren wieder einmal zu besuchen. Aber diesmal nicht nur um mit ihnen von Pub zu Pub zu ziehen *g*.
    Vielen, lieben Dank für die Mühe die Du Dir gemacht hast, um uns an Deiner Irlandreise teilhaben zu lassen. Ich lehne mich jetzt erstmal zurück, höre mir irische Volksmusik an und werde ein bissl träumen.
    Liebe Grüße aus Wien (das Gegenteil von dem gechillten Dublin *g*)
    Conny

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    1. Hallöchen Conny,
      seit der Reise höre ich auch viel irische Musik, weil sie einfach so wunderschön ist. Sie macht einfach gute Laune. ❤
      In Wien war ich auch schon. Fand ich auch sehr schön, aber du hast recht, im Gegensatz zu Dublin sehr hektisch.
      Liebe Grüße
      Jule

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  4. 220 Teebeutel? Hast du die mittlerweile leer bekommen? 😀
    Ich habe mir deinen Beitrag und die Bilder extra für heute nach der Prüfung aufgehoben und jetzt ist die Vorfreude noch größer! Cobh werde ich mir auf jeden Fall ansehen, den Rest aber vermutlich auch. Dass die Iren so offen und herzlich sind, merke ich jetzt bei der Vorbereitung schon jedes Mal, wenn ich mit ihnen spreche. Ich bin so gespannt!

    Vielen Dank für deine Eindrücke und ganz viel Erfolg und Spaß beim Lernen deines neuen Instruments! 🙂

    Liebe Grüße
    Anabelle

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    1. Liebe Anabelle,
      nein, die Teebeutel sind noch nicht leer, weil ein einziger für eine sehr große Kanne Tee reicht. 😀
      Ich hoffe sehr, dass deine Prüfung gut lief. Ich schaue mir immer deine InstaStories an und bin schon sehr neidisch über dein Auslandssemester. Ich wünsche dir dort die Zeit deines Lebens, den Iren wird das schon gelingen.
      Das Instrument ist mittlerweile bestellt und ich warte sehnsüchtig auf die Lieferung. AUf dem Blog wird es dann definitiv Berichte geben.
      Liebe Grüße
      Jule

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  5. Liebe Jule,

    ich war bereits 1999 in Irland und vollkommen von Land und Leute begeistert. Für mich stand immer fest, dahin will ich noch einmal! Und da meine Große Tochter ebenfalls unbedingt nach Irland wollte, buchen wir dieses Jahr für 3 Wochen eine Auto Rundreise und wir freuen uns sehr darauf. Deine Bilder machen mir jetzt noch mehr Lust auf mehr!!!

    Liebe Grüße Anett.

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  6. Leider ließ bisher mein Geldbeutel Irland nicht zu :*(… Ich möchte aber soooo gern mal dorthin und dieser Bericht macht die Sehnsucht nach „der Weite, das Glänzen des Wasser mit dem Duft des Meeres und dem Gesang der Vögel und der Herzlichkeit der Menschen“ immer größer.

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  7. Hallo 🙂
    Da ich England über alles liebe, steht Irland selbstverständlich auch auf meiner Bucket List und du hast mein Fernweh gerade noch ein bisschen angefacht. ❤ Ich kann verstehen, dass dir die Worte gefehlt haben, da sowohl die Inseln als auch das Inselvolk einfach nur traumhaft sind. Ich weiß gar nicht, was mir am meisten fehlt – die Pubs? Die Teehäuser? Die Buchgeschäfte? Ich hätte zu gerne eines von jedem in meiner Heimatstadt 😀
    Und das Bücherproblem kenne ich auch nur zu gut ;D

    Alles Liebe,
    Smarty

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  8. Hey schöner Blogbeitrag. Verbringe gerade mein Auslandjahr hier und schreibe auch einen Blog darüber. Ich habe eine technische Frage an dich, wie hast du das gemacht, dass Bilder in dem Ipad erscheinen und man so durchwischen kann? Würde mich frejen wenn du mir das erklären könntest.

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    1. Hallöchen 🙂
      ich bin jetzt fast ein wenig neidisch, dass du ein ganzes Jahr in diesem wunderschönen Land verbringen kannst. ❤
      Ich musste jetzt selbst einmal schauen, wie ich das mit den Bildern gemacht habe. Also zunächst habe ich alle Bilder in die Mediathek geladen und markiert. Dort kannst du sie zu einer Galerie zusammenfügen und rechts steht dann irgendwo "Typ: Diashow" – mehr ist es eigentlich gar nicht. Ich hoffe, das hilft dir weiter. Ansonsten einfach noch einmal fragen, dann fertige ich Screenshots an. 😀
      Liebe Grüße nach Irland
      Jule

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    1. Hallöchen 🙂
      ich fand Achill unglaublich schön. Die Insel hat etwas sehr friedliches, auch wenn wir mit in einen Regenschauer geraten sind und am Ende pitschnass waren. Aber ich stand dort auch mutig mit den Füßen im Meer und das, obwohl es viel zu kalt war. Aber es war schön und ich werde das wohl nie vergessen.
      Liebe Grüße
      Jule

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