Olga (Bernhard Schlink)

(c) Juliane Dietrich

Autor: Bernhard Schlink // Titel: Olga // Verlag: Diogenes Verlag (12.01.2018) // 311 Seiten // ISBN: 978-3-257-07015-6 // Preis: 24,00€ – Rezensionsexemplar // Buch kaufen*

Inhalt:

Eine starke Frau, die trotz aller Widrigkeiten ihren Weg geht und dafür kämpft. Ein Mann, der scheinbar alles hat, träumt und sich dennoch verliert. Olga erzählt eine Geschichte von Liebe und Zugehörigkeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis hinein ins 21. Jahrhundert. Sie führt seine Leser von Deutschland nach Afrika bis in die Arktis und von der Memel bis an den Nekar.

Meine Meinung:

Bernhard Schlink ist es gelungen Olgas Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen. Bisher hielt ich noch keinen Roman in den Händen, der geschickt einen Ich-Erzähler, Er-Erzähler und Briefroman zusammenführt und so seinen Leser in das Leben einer einzelnen außergewöhnlichen Person eintauchen lässt.

Während ich „Olga“ auf einer langen Zugreise von Zürich zurück in meine Heimat las, hatte ich für das noch neue Jahr einen Entschluss gefasst: ich möchte 2018 mehr Bücher von und über starke und außergewöhnliche Frauen lesen. Im Zuge der #metoo-Bewegung, der Protesthaltung der Frauen in Hollywood bei den Golden Globes und nicht zuletzt der Buchclub „Our Shared Shelf“, von Emma Watson 2016 ins Leben gerufen, geben genug Anregung und Inspiration sich mit dem Thema der Gleichstellung der Frau auseinanderzusetzen.

In diesem Fall war „Olga“ demnach ein Glückfall, dass ich ausgerechnet dieses Buch für die Reise ausgewählt hatte. Denn Olga ist eine bewunderswerte Frau. In ihren jungen Jahren kämpft sie für ihre Bildung, ihre Träume, denn für Mädchen ist es nicht selbstverständlich eine höhere Bildung und somit eine eigene Karriere zu erhalten. Nach der Hochzeit müssen die jungen Frauen ihren Beruf aufgeben und zu Hause bei den Kindern bleiben. Doch Olgas größter Wunsch ist es Lehrerin zu werden und so wird sie zur Löwin. Sie lernt in jeder freien Minute und wird Lehrerin.

In ihrem späteren Leben wohnt sie bei einer Familie, mit deren Sohn sie sich anfreundet. Sie erklärt ihm, wie wichtig Bildung ist und welch ein Privileg sie ist.

„Lernen war ein Privileg. Nicht zu lernen, wenn man lernen konnte, war dumm, verwöhnt, anmaßend. Nein, dass ich in der Schule schlechter wurde, ging ganz und gar nicht.“ (S. 129)

Wie sehr hätte ich mir nach diesem Abschnitt gewünscht, das mich diese Erkenntnis in der Schule getroffen hätte. Oftmals ist uns in unserer privilegierten Lage in Deutschland nicht klar, welch ein Glück wir haben. Bibliotheken sind überall, zwischen Mädchen und Jungen wird kein Unterschied in der Schule, zumindest beim Zugang zu Bildung, kein Unterschied gemacht, und trotzdem sind viele Schüler faul, weil sie das Glück erst viel später oder nie erkennen. (Das Schulsystem macht es einem aber auch nicht gerade einfach das Lernen und die Schule zu lieben. Dies beginnt beim Mobbing untereinander und endet irgendwo beim Lehrermangel.)

Was mich bei Romanen, deren Handlung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt, beeindruckt, ist die Tatsache, dass sie zeigen, dass trotz der Widrigkeiten des I. Und II. Weltkrieges das alltägliche Leben doch irgendwie stattgefunden hat.

Im Geschichtsunterricht lernen wir die großen politischen Auseinandersetzungen kennen; die Verträge, die die Alliierten untereinander schlossen, wie viele Soldaten an welcher Front kämpften, gefangen genommen wurden und fielen. Aber nur selten blickt man hinter die Kulissen. Selten lernt man etwas über die einfachen Menschen, die trotz allem versuchten ihr Leben zu leben, zur Schule gingen, Arbeit suchten, eine Familien gründeten und versuchten glücklich zu werden.

Denn auch in der dunklen Zeit der Geschichte gab es immer Menschen, die versuchten aus ihrem Leben das beste zu machen und sich gegen die Widrigkeiten der Politik widersetzten. Und sei es nur ein einfaches kleines Mädchen mit dem Namen Olga, das mit viel Fleiß und harter Arbeit ihren Traum Lehrerin zu werden verwirklichte.

Fazit:

Mit „Olga“ ist Bernhard Schlink wieder ein Roman gelungen, der begeistert. Eine starke Frau, die jungen Mädchen auch in der heutigen Zeit – 100 Jahre nach dem I. Weltkrieg – beibringen kann, dass man jedes Ziel erreichen kann, wenn man nur fest genug daran glaubt und bereit ist dafür zu kämpfen.

Eure Jule

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