Leinsee (Anne Reinecke)

(c) Juliane Dietrich

– Werbung –

Autorin: Anne Reinecke // Titel: Leinsee // Verlag: Diogenes Verlag (28.02.2018) // 362 Seiten // ISBN: 978-3-257-07014-9 // Preis: 24,00€ – Rezensionsexemplar // Buch kaufen*

– Werbung Ende –

Inhalt:

Karl ist Anfang 20 und hat sich als Künstler in Berlin einen Namen gemacht. Niemand ahnt jedoch, dass er der Sohn des angesagtesten Künstlerpaares der deutschen Kunstszene ist. Als Kind wurde er ins Internat abgeschoben und ist er auf dem Weg zurück ins Elternhaus. Sein Vater ist tot, seine Mutter schwer krank. Mit dieser neuen Situation muss Karl lernen umzugehen und schließt Freundschaft mit dem kleinen Mädchen Tanja, die sich heimlich im Kirschbaum des Gartens versteckt.

Meine Meinung:

Ein Debütroman im Diogenes Verlag macht mich immer neugierig. Aus dem Grund, dass ich neuen Autoren gern eine Chance gebe und zum anderen aus meinem Lieblingsverlag. Da kann eigentlich nur etwas Gutes herauskommen.

Und ich wurde nicht enttäuscht. „Leinsee“ erinnerte mich am Anfang sehr an Benedict Wells und gleichzeitig war es so anders. Es war letztlich die Melancholie der Geschichte, die mich in ihren Bann zog. Karl trinkt und raucht und macht ihn in meinen Augen eigentlich zu einer Person, der ich im realen Leben nicht begegnen wollte. Trotzdem ist er mir von der ersten Seite an sympathisch. Es ist seine traurige und ehrliche Art.

Karls Geschichte zeigte mir, dass Reichtum und ein intaktes Eheleben noch keine guten Eltern ergibt, geschweige denn eine gute Familie. Ein Kind ins Internat abzuschieben, weil es sich selbst entfalten soll und in den Ferien, wenn es zu Hause ist, sich selbst zu überlassen, finde ich nicht richtig. Aufmerksamkeit und Liebe sollte man seinem Kind immer entgegen bringen.

Auch die anderen Personen sind liebevoll gezeichnet. Als Leser baut man direkt eine Sympathie oder Antipathie ihnen gegenüber auf. So gibt es die kleine Tanja, die ich schon nach den ersten Zeilen ins Herz schloss. Sie ist es auch, die gesagte Worte die meisten Zitate in meinem Lesetagebuch einnehmen. Jeden Satz von ihr wollte ich aufheben, mir einprägen und nie wieder vergessen.

„Wenn du etwas noch nie gemacht hast, kannst du ja gar nicht wissen, ob du es wirklich nicht kannst.“ (S. 274)

Anne Reinecke schafft neben der immer anwesenden Melancholie in ihrem Roman noch andere wunderbare Dinge. So gelingt es ihr geschickt alltäglichen Humor einzuflechten, der nicht aufdringlich oder konstruiert wirkt. Er ist einfach da und zaubert dem traurigen Karl und dem Leser ein Lachen ins Gesicht. Zumal der Er-Erzähler in diesem Roman das eine oder andere mal das Gefühl erweckt nicht mehr nur mit den Romanfiguren zu agieren, sondern den Leser direkt anzusprechen oder mit der Autorin selbst, die die Zeilen schreibt. So als würde der Erzähler und nicht der Autor den Takt angeben.

Bei dem fiktiven Ort „Leinseee“ musste ich immer wieder an den sächsischen Ort Zschopau denken. Warum? Im letzten Jahr war ich mit meinem Freund wandern und irgendwann waren wir in Zschopau, liefen über den sonnigen Marktplatz und landeten in der kleinen Eisdiele. Es war ein warmer Sommertag und überall waren Schulkinder und Familien, die den Tag genossen und sich ein kühles Eis gönnten. Genau diese Atmosphäre spürte ich auch in Leinsee, wenn Karl durch den Ort lief und den Brunnen beobachtete und die Schulkinder beobachtete.

Obwohl also Leinsee ein fiktiver Ort ist, ist er gleichzeitig sehr real und jeder von uns wird während des Lesens einen Ort in seinem Kopf haben, der an Leinsee erinnert.

„Karl lag und lauschte. Es war ein gutes Geräusch, fand er. Ansonsten war es still. Ansonsten war es dunkel.“ (S. 57)

Nur ein Zitat, das zeigen soll, wie wunderschön Anne Reinecke ihre Sätze konstruiert. Jeder Satz ist reinste Poesie und ich wünsche mir in den kommenden Jahren noch weitere Bücher aus ihrer Hand.

Fazit:

Ein Buch, das sich perfekt für die langsam wärmer werdenden Tage geeignet ist. „Leinsee“ vereint Kunst, Melancholie, Humor und dieses ganz besondere Gefühl. Ein großartiges Debüt, das defintiv nicht enttäuscht.

Eure Jule

*Affiliate-Link (Transparenz Disclaimer)

Advertisements

6 Gedanken zu “Leinsee (Anne Reinecke)

  1. Schade, für diesen Roman hatte ich auf LB keine Zeit mich für ihn zu bewerben und ihn in der vorgegebenen Zeit dann auch zu lesen. Ich werde ihn mir nach Deiner Rezension hier aber auf meinen Wunschzettel legen :)

    Ein schönes Buchmesse-Wochenende,
    Simone.

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Jule,
    ich freue mich schon sehr auf das Buch!
    Die Lesung von Anne Reinecke hat mir so gut gefallen, ich war ja bereits am Donnerstag auf der LBM auf ihrer Lesung und hab mir das Buch gekauft und signieren lassen :)

    Liebe Grüße Anett

    Gefällt 1 Person

Hinweis: Mit dem Abschicken des Kommentars akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung zur Datenspeicherung. Weitere Erläuterungen können Sie unter dem Punkt "Datenschutzerklärung" in der oberen Menüleiste nachlesen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.