Die Beschissenheit der Dinge (Dimitri Verhulst)

Im März versuchte ich mich für eine kurze Zeit als Mitglied in einem Leseclub hier in Chemnitz. Das erste erwählte Buch war „Die Beschissenheit der Dinge“, was ich wohl niemals in die Hände genommen hätte. Aber genau deswegen ist ein Leseclub auch interessant, auch, wenn ich mittlerweile schon nicht mehr hingehe, weil es trotz allem nicht so ganz passte.

(c) Juliane Dietrich

Autor: Dimitri Verhulst // Titel: Die Beschissenheit der Dinge // Original Titel: De helaasheid der dingen // Verlag: Luchterhand Literaturverlag (03.09.2007) // Übersetzer: Rainer Kersten // 222 Seiten // ISBN: 978-3-630-62120-3 // Preis: 9,99€

Inhalt:

Dimmetrieken wächst bei seiner Großmutter zusammen mit seinem Vater und drei Onkeln auf. Die Familie lebt in einem kleinen flämischen Dorf – Reetveerdegem. Die Kneipen der Ortschaft, die häusliche Küche, das Klo und das Sozialamt sind die einzigen Konstanten im Leben der Männer und sie sind stolz darauf. Es geht um Trinkwettbewerbe, das folgende Dilirium und Sauflieder. Die Zukunft? Interessiert sie nicht, weil sie alle glauben nicht alt zu werden und am Krebs zu Grunde zu gehen.

Meine Meinung:

Eigentlich sagt das Buchcover schon alles. Allein aus diesem Grund hätte ich das Buch in der Buchhandlung niemals in die Hand genommen, obwohl der Titel noch ganz witzig ist. Doch jetzt wurde dieses Büchlein als erstes Buch des Leseclubs ausgesucht und ich wollte es lesen. Wer geht auch schon gern zum nächsten Treffen ohne dem Buch wenigstens eine Chance gegeben zu haben?

Also tief durchatmen und los. In kleine Kapitel ist das Buch unterteilt, dass jeweils einen Abschnitt aus dem Leben der Familie erzählt; sei es die „neue Freundin“ des Vater, der Trinkwettbewerb á la Tour de France oder über die Nachbarn.

Gerade die ersten Seiten waren mir zuwider. Es geht letztlich nur ums Saufen, Pissen, Kotzen in einer vulgären Sprache, dass ich das Buch des öfteren weglegen musste, weil mir schlecht war. Ich stellte mir die Frage, welchen Mehrwert mir das Buch geben sollte, denn diese Anforderung stelle ich an das Buch. Entweder wünsche ich mir einen Mehrwert im Sinne, dass ich etwas Neues lerne oder zumindest gut unterhalten werde. Doch nichts von diesen beiden Anforderungen erfüllte das Buch.

ABER… da war ja wieder der Leseclub im Hinterkopf. Am liebsten hätte ich das Buch bereits auf Seite 21 einfach zur Seite geworfen und nie wieder angefasst. So lautete auch ein Status auf Twitter meinerseits. Dann kam das schlechte Gewissen und ich las weiter, ich quälte mich weiter.

Und man mag es glauben oder nicht, es kommt bei diesem Buch irgendwann ein Punkt, wo man sich an die vulgäre Sprache der Onkels gewöhnt, sie akzeptiert und den restlichen Schreibstil als angenehm empfindet und weiterliest und nur noch weiterlesen kann. Denn was mir erst nach und nach bewusst wurde: dieses Buch ist autobiographisch. Der kleine Dimmetrieken ist der Autor Dimitri selbst. Aus diesem Grund stellte ich mir immer wieder die Frage: wie kommt er aus diesem doch asozialem Leben heraus und wird der Schriftsteller, der er mittlerweile ist?

Je weiter ich las, desto erschreckender wurde für mich auch, wie heruntergekommen diese Menschen leben. Wie verdreckt es überall sein muss. Aber deutlich wurde auch ,dass sie glücklich waren. Sie waren glücklich und das erschreckte mich noch mehr. Sie lebten ihr Leben im Jetzt und machten sich keine Gedanken über die Zukunft. Und ständig machen wir uns Gedanken über die Zukunft, machen uns fast verrückt damit.

Also habe ich am Ende doch noch meinen Mehrwert aus dem Buch ziehen können.

Ich heiße das Leben der Protagonisten nicht gut, denn ein gutes Leben bedeutet nicht, sich in den Tod zu saufen und in diesem Buch sollte es diesbezüglich auch viel mehr Warnungen zu dem Thema geben. Aber die Sorglosigkeit, vielleicht auch viel zu oft dem Alkohol geschuldet, gefiel mir.

Fazit:

Am Ende ist das Buch eine kleine Überraschung. Man sollte ihm eine Chance geben, denn lediglich der Anfang ist Horror und wandelt sich schließlich zu einer interessanten Familiengeschichte, der man doch nicht nacheifern möchte.

Eure Jule

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