Adams Erbe (Astrid Rosenfeld) oder die Grausamkeit deutscher Geschichte

(c) Juliane Dietrich

Autorin: Astrid Rosenfeld // Titel: Adams Erbe // Verlag: Diogenes Verlag (01.04.2013) // 385 Seiten // ISBN: 978-3-257-24221-8 // Preis: 13,00€ // Buch kaufen*

Inhalt:

Edward Cohen wird im Jahr 2000 erwachsen, lebt in Berlin und hinter ihm liegt eine Kindheit voller Abenteuer, ohne festen Wohnsitz und die Schule? Wer braucht als Kind ein geregelte Leben? Und welches Geheimnis verbirgt Oma Lara und der Dachboden des großelterlichen Hauses?

Und immer wieder Adam. Die Vergangenheit ist auch in der Gegenwart präsent. Adam wird im Jahr 1938 18 Jahre alt. Er verliebt sich in Anna, doch dann schlägt das Schicksal der deutschen Geschichte zu und die Politik kommt auch beim kleinen Mann an.

Meine Meinung:

Ich bin eine emotionale Leserin, schreie gern meine Protagonisten an, kämpfe mit ihnen und weine mit ihnen. Und diesmal habe ich geweint. Nicht direkt beim Lesen, nicht nach dem Umblättern der letzten Seite, sondern erst einige Stunden später, als die Geschichte sackte, das Gelesene sich in mein Bewusstsein brannte.

„Adams Erbe“ ist gefühlvoll, humorvoll und am Ende doch grausam. Während ich Edwards Geschichte las, erkannte ich mich wieder. Zwar hatte ich nicht eine so ruhelose und vagabundenhafte Kindheit, aber auch er weiß nach dem Abitur nicht gleich, was er machen soll. Doch hat er den Mut nach Berlin zu gehen; das ist cool und so gehört es sich für die jungen Leute um das Jahr 2000 herum. Berlin ruft ihren Namen und er meistert sein Leben in dieser Stadt. Ich beneidete Edward auf diesen Seiten; er ist mutig, unerschrocken und lebt sein Leben ohne über Konsequenzen oder gar die Zukunft nachzudenken.

Am Ende war es jedoch Adams Geschichte, die mich nicht mehr loslässt. Adam, der sich verliebt, seine ganze Welt in den Augen dieses einen Mädchens sieht, ihr überallhin folgen würde und dafür jeden Preis zahlen würde und ihn zahlt. 1938 verliebt sich Adam und um ihn herum beginnen die Wellen des 2. Weltkrieges, die er gar nicht in ihrem vollen Ausmaß mitbekommt. Doch es ist die Grausamkeit der deutschen Geschichte, die mich immer wieder innehalten, durchatmen und erschaudern ließ.

Durch den Geschichtsleistungskurs und mein Geschichtsstudium habe ich mich viel mit dem 2. Weltkrieg beschäftigt und immer begleitete mich die Angst, dass ich eines Tages abstumpfen könnte. Dass mir die Bilder nicht mehr nahe gehen würden, sondern nur noch Bilder der Vergangenheit darstellen würden.

Doch dem ist nicht so. Besonders Einzelschicksale gehen mir nah; egal ob es sich dabei um jüdische Familien handelt oder deutsche Familien, die in jener Zeit nicht einfach nur mitgelaufen sind, sondern dem Regime wenigstens im Herzen niemals treu war.

Und so möchte ich an dieser Stelle noch ein zweites Buch in dieser Rezension erwähnen. Einen kleinen Schatz, der sich seit einigen Jahren in meinem Besitz befindet.

(c) Juliane Dietrich

Ein Stück Geschichte:

Widerstand kann man auch im Herzen leisten. Vor einigen Jahren schenkte mir meine Mama zwei Koffer gefüllt mit alten Büchern. Sie hatte sie von einer Frau geerbt, bei der sie in der DDR als junges Mädchen geputzt und Einkäufe erledigt hatte.

Für Buchliebhaber sind diese beiden Koffer wahre Schätze, enthalten sie jedoch hauptsächlich Romane, die heute niemand mehr kennt. Aber bereits in den 1970/1980er Jahren waren die Bücher schon alt, denn einige wurden schon vor dem 1. Weltkrieg gedruckt.

Dann hielt ich plötzlich einen kleinen Schatz in der Hand. Eine Ausgabe von „Nathan der Weise“ von 1911. Als ich dachte, es kann nicht mehr besser werden, fand ich darin einen Zettel, der den Besitzer beim damaligen Volkssturm entschuldigt, weil er in der Schwelanlage zur Arbeit eingeteilt war.

Was das Buch jetzt so besonders macht? „Nathan der Weise“ gehörte zu den ersten Büchern, die ab 1933 verboten wurden. Der Besitz war verboten. Und doch hat dieses Buch überlebt. Es gehörte einem Mann, der zwar ein Teil dieser schrecklichen Zeit war, Teil des Volkssturm war, aber sein Herz gehörte dieser Ideologie nicht. Und auch wenn ich diesen Mann niemals kennen gelernt habe, so zeigt es mit, dass nicht jeder Deutsche damals ein Nazi war. Es gab Menschen, die in Positionen gedrängt wurden und am Ende einfach ihre Familien schützen wollten und nur deshalb Gehorsam zeigten.

(c) Juliane Dietrich

Fazit:

Wir sollten niemals die Augen vor der deutschen Geschichte verschließen. In „Adams Erbe“ wird uns die Grausamkeit der Vergangenheit vor Augen geführt, eingebettet in eine tragisch-schöne Liebesgeschichte, die uns zeigt, dass Liebe und Hoffnung selbst in den dunkelsten Zeiten im Menschen vorhanden sein kann.

Eure Jule

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