Wie ich in „Der vorletzte Samurai“ von Dennis Gastmann Japan neu entdeckte

Die Hitze hat Deutschland fest im Griff und die meisten von uns suchen die Nähe des Wassers. Zumindest begegnete mir auf Instagram in den letzten Tagen vermehrt das Meer. Auch ich werde meine Zeit bald am Meer verbringen und freue mich schon riesig darauf. URLAUB! Aber bis dahin träume ich mich auch gern in fremde Länder, lese Bücher fremder Kulturen und entdecke diese für mich.

„Der vorletzte Samurai“ von Dennis Gastmann habe ich schon im April gelesen, die Rezension ist auch zu dieser Zeit entstanden, aber irgendwie ist sie mir durchgerutscht und daher wird sie erst jetzt veröffentlicht. Aber in die jetzige Reisezeit passt es dann doch ganz gut.

(c) Juliane Dietrich

Autor: Dennis Gastmann // Titel: Der vorletzte Samurai // Verlag: Rowohlt Berlin (24.01.2018) // 253 Seiten // ISBN: 978-3-7371-0011-3 // Preis: 19,95€ // Buch kaufen*

Inhalt:

Japan ist das Land der Gegensätze. Auf der einen Seite hat man die lauten Großstädte, in denen die Moderne so präsent ist, dass man glaubt, nicht schnell genug leben zu können um alles zu erleben. Doch auf der anderen Seite ist das traditionelle Japan, mit all seinen kulturellen Vorschriften und Zurückhaltungen. Und genau dieses Land bereist Dennis Gastmann um die Kultur und die Familie seiner Frau kennenzulernen und zu erleben.

Meine Meinung:

In diesem Jahr hat es mir Japan angetan. Ich habe meine Japan-Liebe wiederentdeckt und versinke förmlich in Büchern über/aus dem Land. Japan ist für mich dieses große Mysterium. Einerseits kennt man das große Tokyo, den Ballungsraum, in dem die Zeit niemals still steht, in dem Armut und Reichtum, Tradition und Moderne Hand in Hand gehen. In Europa kennen wir vor allem die Cosplay-Szene, Mangas, Animes und alles scheint in Tokyo vereint zu sein. Zumindest für mich. Auf der anderen Seite ist das ländliche Japan genauso mysteriös. Wir hören von Zen-Klöstern, Mönchen, die tagein, tagaus meditieren und Reisfelder, so weit das Auge reicht.

All das greift auch Dennis Gastmann auf. Er bereist mit seiner Frau verschiedene Orte in ganz Japan, sie treffen verschiedene Teile der japanischen Familie und für mich als Mitteleuropäerin könnte die Kultur nicht fremder sein. Die Schüchternheit der Japaner, auch gegenüber Familienmitglieder, brachte mich beim Lesen zum Teil an meine Grenzen, weil ich es nicht verstehen konnte. Diese Zurückhaltung, dieses Unterwürfige ist für mich nicht begreifbar, besonders wenn man bedenkt, was für eine Wirtschaftsmacht Japan eigentlich ist.

Auch die Arbeitsmoral dieses Landes ließ mich den Kopf schütteln. 5 Tage Urlaub im Jahr hat ein durchschnittlicher Japaner plus die gesetzlichen Feiertage, die wohl in der Anzahl etwas mehr sind als bei uns. Mich wundert es dabei jedoch nicht, dass die Selbstmordrate in Japan zu den höchsten Weltweit gehören – so wie sich die Japaner kaputt arbeiten, ohne Ausgleich, ohne die Chance auch einmal Luft zu holen und mit dem kulturellen Hintergrund, niemals das Gesicht zu verlieren, was impliziert, dass sie sich selbst keine Fehler erlauben. Ich bin mit dem Wissen aufgewachsen und erzogen worden, dass Fehler menschlich sind und passieren können; sie am Ende nicht schlimm sind, solange man sie irgendwie beheben kann.

Der Einblick in Japans Leben und Kultur von Dennis Gastmann hat mir gefallen, weil er es aus der Sicht eines Europäers darstellt, der wenige bis gar keine Berührungspunkte hat. Trotzdem hatte ich immer wieder Probleme eine emotionale Verbindung zu Gastmann herzustellen. Mir fehlte manchmal das Gefühl oder die Verbindung zu seinen Berichten.

„Es war schrill und doch so leise. So in sich gekehrt und so grell. So nobel und dann so obzön. So verschreckend wie ein böses Wunder und zugleich so berauschend wie das erste Licht eines neuen Morgens.“ (S. 251)

Vielleicht sprang der Funke nicht vollständig über, dass ich sonst diese Art von Reiseberichten von Frauen lese. Sie schreiben anders, sie berichten anders und dazu finde ich eher einen Zugang. Klar wurde mir dies, als ich meine Bücher zu Reiseberichten durchging und sah, dass das andere Buch, dass mir ebenfalls nicht vollständig gefallen hatte, auch von einem Mann stammte und alle aus der Hand einer Frau mich komplett überzeugten. Vielleicht ist das ein Thema für einen anderen Beitrag.

Fazit:

Dennis Gastmann bietet mit „Der vorletzte Samurai“ einen interessanten und lesenswerten Einblick in die Kultur Japans. Gemeinsam mit ihm geht man auch eine Reise durch die großen bunten Städte Japans, lernt etwas über die Dynamik innerhalb von Familien kennen und blickt hinter die Kulissen eines Landes, das für Mitteleuropäer mit vielen Mythen belegt ist. Nur das Herz bleibt in diesem Buch manchmal auf der Strecke. Das Gefühl springt nicht immer über, was das Buch an der ein oder anderen Stelle noch mehr Tiefe hätte verleihen können.

Eure Jule

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Ein Gedanke zu “Wie ich in „Der vorletzte Samurai“ von Dennis Gastmann Japan neu entdeckte

  1. Hallo Jule,

    schöne Besprechung, die neugierig aufs Buch macht. Ich finde Japan mit seinen Gegensätzen auch unglaublich spannend und würde eines Tages gerne einmal dort hin. Bisher scheiterte es einfach am Geld. Daher genieße ich Bücher, die in Japan spielen, aber umso mehr.

    Liebe Grüße
    Kathrin

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