Ich dich auch nicht (Sacha Sperling) – Sex, Drugs, Alkohol

„Ich dich auch nicht“ war für mich eine Art Buch-Blind-Date. Ich fragte bei Instagram nach einem Buch für den Urlaub, dessen Handlung in Frankreich angesiedelt ist. Die Empfehlung erhielt ich schließlich von einem Arbeitskollegen und seine Begeisterung steckte mich an.

Das war für mich vor allem das Spannende daran. Ein Buch, das ich nicht kannte. Ein Buch, von dem ich vorher noch nichts gehört hatte. Aber der Klappentext überzeugte mich und so wanderte es kurzerhand erst online in den Warenkorb und dann in den Koffer.

Hinweis: Das Buch scheint es derzeit nur noch gebraucht zu geben. Zumindest habe ich es nirgends neu gefunden. Trotzdem sah meine gebrauchte Ausgabe wie neu aus.

(c) Juliane Dietrich

Autor: Sacha Sperling // Titel: Ich dich auch nicht // Original Titel: Mes illusions donnent sur la cour // Verlag: Piper (10.03.2011) // Übersetzerin: Carina von Enzenberg // 212 Seiten // ISBN: 978-3-492-05385-3 // Preis: 5,99€ (eBook)

Inhalt:

Sacha ist 14 Jahre alt, geht auf eine Pariser Reiche-Leute-Schule. Seine Eltern leben getrennt; die Mutter ist nicht autoritär, lässt ihren Sohn machen was er will, der Vater versucht an den wenigen gemeinsamen Tagen die Erziehung in die Hand zu nehmen. Doch dann lernt Sacha Augustin kennen und sein Leben gerät aus den Fugen…

Meine Meinung:

Triggerwarnung: Drogen und Alkohol werden in diesem Buch in ungesunden Mengen erwähnt und konsumiert.

Hm… wo fange ich an. Ich kann die Begeisterung meines Kollegen verstehen. Ich kann verstehen, dass man das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Auch ich mochte den Schreibstil. Sehr einfach und dennoch poetisch. Einfach fesselnd und irgendwie wollte man immer wissen, wie es weitergeht. Einfach Subjekt-Prädikat-Objekt-Konstruktionen wirken nicht gerade wie die große Kunst des Schreibens, passen dennoch zum Protagonisten, der sein zerrüttetes Leben in seiner Gänze versucht zu schildern.

Und da sind wir schon beim Problem. Sacha (Protagonist, nicht Autor – ich habe auch nicht ganz herausfinden können, ob das Buch autobiographisch ist und daher die Namensgleichheit zwischen Protagonist und Autor kommt) versucht sein Leben zu schildern, verliert sich aber selbst. Als Leser begleitet man ihn auf Parties mit Augustin, beobachtet ihn beim Trinken von zu viel Alkohol, die ersten Drogen und seine sexuellen Aktivitäten, bleiben auch nicht unerwähnt. Mit der Zeit kommt das Schuleschwänzen hinzu und Sacha ist am Boden.

Was mich vor allem störte, war die Tatsache, dass die Schüler alle 14-15 Jahre alt sind, in Bars Party machen und überall Alkohol bekommen. Gibt es in Paris kein Jugendschutzgesetz? Keine Erwachsenen, die Stopp sagen? Alkohol wird zudem zu jeder Tages- und Nachtzeit konsumiert, so dass Sacha auch betrunken in die Schule geht. Und auch da wird von den Lehrern nichts unternommen. Die Erwachsenen schauen Sacha einfach beim Absturz zu und das nervte mich. Als dann die Drogen hinzukamen, am Anfang nur Gras, später dann Koks, glaubte ich, dass Sacha das Buch nicht überstehen würde. Was für mich eine logische Konsequenz seines Lebensstils gewesen wäre.

Letztlich machte mich die Beziehung zu Augustin jedoch neugierig und war der Hauptgrund, dass ich das Buch kaufte und bis zum Schluss las. Wäre Augustin nicht gewesen, hätte ich das Buch wahrscheinlich nicht beendet und Sacha ins Meer geworfen. (Das war im Urlaub selten weiter als 200m entfernt.) Augustin ist der Badboy der Geschichte. Der coole Typ, der mit den Drogen und Parties beginnt, sich beim Sex besser auskennt und überhaupt toll ist. Gleichzeitig ist er geheimnisvoll und Sacha fühlt sich von ihm angezogen. Er verliebt sich sogar in Augustin und Augustin benutzt Sacha. Zumindest habe ich den Eindruck nach Beenden des Buches.

(c) Juliane Dietrich

Denn obwohl ich Augustin mochte, bleibt er flach. Über ihn erfährt man als Leser genauso wenig, wie über all die anderen Figuren. Sie wirken wie flüchtige Bekannte, die man im Großstadtdschungel trifft, einen Tag oder einen Abend mit ihnen verbringt und dann verschwinden sie in der grauen Menschenmasse wieder.

Auf der Rückseite des Buches wird dem Leser ein Buch über das Erwachsenwerden versprochen. Aber es wird leider, in meinen Augen, nichts reflektiert. Jeder Tat bleibt ohne Konsequenzen und als junger Leser lernt man nichts von dem Buch; außer, dass man in Paris anscheinend mit 14 schon in den Bars Alkohol bekommt und Sex und Drogen irgendwann nicht mehr so toll sind. Lösungen sind in diesem Buch nicht vorgesehen und das machte mich am Ende traurig und wütend.

Es gibt auch keine Erklärung zur der Beziehung zwischen Sacha und Augustin. Sacha lauscht nicht in sich hinein. Steht er nun auf Männer, auf Frauen, auf beide Geschlechter? Ist er zu jung um überhaupt eine Entscheidung treffen zu können? Muss er sich überhaupt festlegen? Nein. Dieses Thema hatte so viel Potenzial, aber es wird verschenkt. Schade.

Fazit:

Ein Buch mit sehr viel Potenzial hat Sacha Sperling mit „Ich dich auch nicht“ geschrieben. Nur leider wird diesen in meinen Augen nicht ausgeschöpft. 100-200 Seiten mehr hätten dem Buch sehr gut getan oder vielleicht mehr Inhalt liefern statt die 10. Party mit Alkoholabsturz zu beschreiben.

Eure Jule

Advertisements

Hinweis: Mit dem Abschicken des Kommentars akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung zur Datenspeicherung. Weitere Erläuterungen können Sie unter dem Punkt "Datenschutzerklärung" in der oberen Menüleiste nachlesen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.