Das Mädchen, das in der Metro las (Christine Féret-Fleury) – ein Hype verspricht noch lange kein gutes Buch

Immer wieder tauchen sie auf: die Hypes auf Instagram. Blogger werden alle mit dem gleichen Buch überschwemmt und tagelang sieht man fast nur dieses Buch im Feed oder in den Stories. Finde ich in manchen Fällen anstrengend und nervig und manchmal springe ich auf den Hype auf. Dann sehe ich ein Buch so häufig, dass meine Neugier geweckt ist und ich es auch lesen mag.

(c) Juliane Dietrich

Autorin: Christine Féret-Fleury // Titel: Das Mädchen, das in der Metro las // Original Titel: La fille qui lisait dans le métro // Verlag: Dumont Verlag (22.05.2018) // Übersetzerin: Sylvia Spatz // 176 Seiten // ISBN: 978-3-8321-9886-2 // Preis: 18,00€

Inhalt:

Juliette fährt jeden Morgen mit der Metro zu ihrem langweiligen Job in einem Immobilienbüro. Durch die Eintönigkeit ihres Jobs sucht sie sich eine Ablenkung; sie beobachtet die anderen Mitreisenden, vielmehr die Bücher, die sie lesen. Eines Tages beschließt Juliette die Metro eher zu verlassen und lernt den zerstreuten Soliman und dessen Tochter kennen.

Meine Meinung:

Selten breche ich Bücher ab, denn irgendwie möchte ich dann doch das Ende erfahren. Aber bei diesem Buch mit seinen gerade einmal 176 Seiten ging es einfach nicht. Im Juli, als der Hype um das Buch auf Instagram seinen Höhepunkt erreichte, begann ich damit. 20 Seiten hatte ich damals gelesen, die einfach nur langweilig waren. Aber ich gab dem Buch noch eine zweite Chance. Aber auch nach insgesamt 80 Seiten fragte ich mich, was das Buch von mir möchte.

Juliette ist farblos wie alle anderen Personen. Alles, was sie tut ist konstruiert und wirkt nicht natürlich. Erst ist ihr Job gar nicht so schlecht, zu dem sie jeden Tag fährt und die Eintönigkeit überspielt mit Büchern. Aber sie selbst liest irgendwie nie, sondern beobachtet nur andere beim Lesen. Die Kollegin von Juliette wird erst als nette Persönlichkeit mit ihren ganz speziellen Charme beschrieben und ist wenige Seiten später doof und ein Grund, warum Juliette wohl später ihren Job kündigt. (Bis zur Kündigung habe ich nicht mehr gelesen, aber eine Freundin berichtete mir davon.) Auch Soliman, der seltsame Antiquar (?) mit seinen Büchern bleibt einfach nur seltsam. Er wird nicht beschrieben, seine Idee des BookCrossing wirkt willkürlich und nicht durchdacht in das Buch geworfen.

Durch all die konstruierten Szenen, die auch nicht zusammenpassen wollen, fragte ich mich als Leserin, wo mich das Buch eigentlich hinbringen möchte. Wo will die Handlung hin? Haben wir ein gemeinsames Ziel? Nein, hatten wir nie. Deswegen habe ich nach knapp der Hälfte den Schlussstrich gezogen, weil unsere Wege nicht mehr gemeinsam gingen, sondern in verschiedene Richtungen abbogen.

Dem Titel entsprechend, werden viele Bücher, Titel und Autoren immer wieder wahllos in die Geschichte eingestreut. Als Leserin fragte ich mich, warum gerade die Bücher. Es gibt keine Erklärungen, keine emotionale Bindung zu den Büchern. Es wirkt fast so, als hätte die Autorin einfach eine Liste von Büchern genommen und sie über ihrem eigenen Werk ausgekippt. So wahllos und ziellos begegnen einem Hemingway, Tolstoi und all die anderen, die man kennt, vielleicht gelesen hat oder schon immer einmal lesen wollte. Durch die Willkür der Nennung baute ich als Leserin jedoch keinen Bezug auch zu den Werken auf. Warum sollte ich jetzt ausgerechnet Tolstoi lesen? Oder Hemingway? Weil eine namenlose Gestalt sie in der Metro liest, weil es auf einem von hundert Stapeln liegt? Da könnte ich genauso gut in die nächste Buchhandlung gehen und mir wahllos ein Buch kaufen. Hätte den gleichen Effekt.

Fazit:

Ein Buch, um das viel Aufsehen gemacht wurde, aber seine Versprechen am Ende nicht halten konnte. Die Idee des BookCrossing und dem Verbreiten der Liebe zum Lesen und zum Buch ist schön, aber leider katastrophal langweilig und zu konstruiert umgesetzt.

Eure Jule

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4 Gedanken zu “Das Mädchen, das in der Metro las (Christine Féret-Fleury) – ein Hype verspricht noch lange kein gutes Buch

  1. Liebe Jule,
    das hast du alles wirklich wunderbar auf den Punkt gebracht! Gerade das Namedropping erschließt sich mir nicht und war einfach unnötig. Das hätte man besser machen können, wenn die Buchtitel zum Inhalt der eigentlichen Geschichte gepasst hätten oder wirklich auf inhaltliches eingegangen wäre etc. Schade.
    Liebe Grüße,
    Yvonne :)

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  2. Ich muss gestehen, ich hab das Buch nur am Rande mitbekommen und tatsächlich nicht mal gewusst, dass es neu ist, weil es nur selten in meinen Feeds auftauchte und mich der Titel immer an „Die Sehnsucht des Vorlesers“ erinnerte. Durch die (scheinbare) Ähnlichkeit wurde das Buch für mich eh sofort uninteressant. Deine Eindrücke haben mir nun wieder gezeigt, dass man bei manchen aufploppenden Büchern guten Gewissens weiterscrollen kann. ;)

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  3. Hallo Jule,
    ich kann dir nur zustimmen. Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar erhalten (unangefragt) und weiß nicht, woher die Begeisterungsstürme kommen. Ich habe nach rund 20 Seiten abgebrochen, weil es einfach nur toslangweilig, emotionslos und irgendwie auch nichtssagend ist. Bisher habe ich keine Rezension geschrieben, weil ich finde, dass ein Buch dafür doch ein bisschen mehr Chance braucht, als 20 Seiten. Mal schauen, ob und wann ich mich nochmal ransetze und wie weit ich dann komme.
    LG
    Yvonne

    Gefällt 1 Person

  4. Hallo Jule,
    Das Buch liegt bei mir auch noch auf denn
    SUB und wird nach deinem Beitrag wohl auch noch eine Weile liegen.
    Das Phänomen der gehypten Bücher kennne ich nur zu gut! Besonders bei Instagram findet man das oft.
    Liebe Grüsse
    Vera

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