Grindelwalds Verbrechen (J. K. Rowling) – eine würdige Fortsetzung?

J. K. Rowling hat es nicht leicht. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass nach Fehlern direkt gesucht wird. Es wird nach Logiklücken gesucht, die Schauspieler kritisiert, die Darstellung (nicht divers, zu divers etc.) kritisiert. Aus diesem Grund habe ich lange überlegt, ob ich mich zu dem Film und allem drum herum äußern möchte.

Doch dann fragte ich das Drehbuch beim Carlsen Verlag an, bekam das Buch und jetzt müsst ihr mit meiner Meinung leben. Denn ich liebe den Film und möchte an dieser Stelle ein Zitat meines Freundes vorweg bringen.

„Der Film fühlte sich an wie eine riesige Ouvertüre für all das, was da noch kommen wird.“

(c) Juliane Dietrich

Autorin: J. K. Rowling // Titel: Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen // Original Titel: Fantastic Beats: Crimes of Grindelwald // Verlag: Carlsen Verlag (05.12.2018) // Übersetzer: Tobias Neumann // Cover- und Buchgestaltung: MinaLima // 301 Seiten // ISBN: 978-3-551-55709-4 // Preis: 19,99€ // Rezensionsexemplar

Der Film war handwerklich gut gemacht. Keine Frage. Die Liebe zum Detail war wieder großartig und zusätzlich liebe ich die Arbeit von MinaLima, die schon für die Harry Potter Filme arbeiteten und auch das Design der Tierwesen-Drehbücher entworfen haben.

Inhaltlich gebe ich zu, war der Film nicht perfekt. Auch wenn ich großer Fan des Films bin, gab es auch für mich Kritikpunkte. Dich zunächst zu den guten Dingen; der Niffler und auch die anderen Tierwesen mochte ich, auch wenn sie nicht mehr im Fokus standen. Aber solange Newt Scamander die Geschichte trägt, werden auch immer irgendwelche Tierwesen in der Nähe sein.

Gleichzeitig hat mir aber auch gefallen, dass die Tierwesen nicht mehr so im Mittelpunkt standen, denn dann wäre es irgendwie nur eine Wiederholung des ersten Films gewesen.

Stichwort Hogwarts: ich hatte Gänsehaut, als Hogwarts auf der Leinwand auftauchte und die dazu passende Musik gespielt wurde. Die Schüler, die andere Uniform und die Lehrer waren anders – klar, wir befanden uns ja auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts – und gleichzeitig war das Gefühl von Zuhause da. – Professor McGonagall wurde kritisiert, denn zeitlich passt ihr Erscheinen nicht in den Film. Dem stimme ich zu und warte auf eine Erklärung seitens Rowling. Rückgängig machen kann man das Problem ja leider nicht mehr.

Mein größter Kritikpunkt ist und bleibt jedoch Queenie. Sorry, aber was ist denn da passiert? Ich verstehe Queenies Problem, dass die Verbindung zwischen Muggel und Zauberer nicht erlaubt ist und dass sie das fertig macht und sie einen Ausweg sucht. Aber auf mich wirkte sie wie eine Karikatur der Queenie aus dem ersten Film. Ich hoffe, dass ich eine bessere Queenie im nächsten Film wieder sehen werde.

Eine Kritik, die ich leider nicht nachvollziehen kann, ist die Kritik an der Diversität. Kurz vor dem Erscheinen der Tierwesen-Filme kam Kritik auf, dass es bei Harry Potter zu wenige Schüler of Color gebe. Schließlich hätte man nur die Patil-Zwillinge, Dean Thomas und Kingsley Shacklebolt (falls ich jemanden vergessen habe, tut es mir leid). Wirklich etwas wenig, besonders, wenn man dann noch betrachtet, wie wenig sie in den Filmen zu Wort kommen.

Jetzt wird man bei „Crimes of Grindelwald“ mit PoC konfrontiert, wir bekommen sogar den schwulen Dumbeldore präsentiert und schwupps ist die Kritik wieder da. Die PoC sind nur da, weil Rowling jetzt mehr wert auf Diversität legt. Ja, aber wir das nicht derzeit in jedem Film/Serie gemacht? Ist das nicht Ziel dieser ganzen vorangegangen Kritik, dass es mehr als nur weiße, hetero Charaktere geben soll? Ich versteh es nicht. Weiter wurde kritisiert, dass Dumbledores Homosexualität nicht stark genug ins Licht gerückt wurde. Hmmm, ich weiß nicht. Hätte Dumbledore mit einem Shirt „I‘m gay!“ rumlaufen sollen? Hätte er es bei jeder Vorstellung machen sollen „Hey, ich bin Dumbledore und ich bin schwul!“. Nein, ich fand eher die dezente Darstellung und seine Worte über Grindelwald deutlich genug. Und Dumbledore sollte in diesem Film nicht im Mittelpunkt stehen und wer weiß, wie stark sein Liebesleben in den kommenden Filmen noch thematisiert wird.

Ein letzter Punkt, der mir wichtig ist, ist Johnny Depp. Als während des ersten Films Johnny Depp enthüllt wurde, war ich geschockt und mochte die Besetzung so gar nicht. Es war für mich eine komplette Fehlbesetzung. Diese Beurteilung erlaubte ich mir trotz der nur 2-3 Szenen, die Johnny Depp hatte. Dann wurde die Kritik um ihn laut, als es hieß, er habe seine Freundin/Frau verprügelt. Ich habe die Klatschpresse daraufhin nicht weiterverfolgt, denn oft werden nicht alle Details in den Medien veröffentlicht und wiederum andere überdramatisiert. Warum nach den Schlagzeilen es keine neue Rollenbesetzung gab, wird seine Gründe haben. – Ich kann jedoch sagen, dass die schauspielerische Leistung von Johnny Depp mich sehr überzeugt hat. Sein Grindelwald war für mich das Highlight des Films, besonders die Ansprache am Ende inklusive des Dirigierens des Feuers. Einfach perfekt.

Über das Ende äußere ich mich an dieser Stelle nicht. Spekulationen gibt es mittlerweile viele, einige klingen für mich plausibel, andere an den Haaren herbeigezogen. Wir werden sehen, was für Überraschungen uns noch erwarten werden.

Das Drehbuch zum Film:

Ich liebe Filme, aber noch mehr liebe ich es, wenn ich etwas über deren Entstehung erfahre, hinter die Kulissen schauen kann und mehr erfahre, als das, was ich im Kino auf der Leinwand zu Gesicht bekomme.

So verhält es sich auch mit dem Drehbuch zu „Gindelwalds Verbrechen“ aus dem Carlsen Verlag. Noch einmal nachlesen, was eine Person in einer Szene genau gesagt hat, finde ich gerade dann interessant, wenn Szenen sehr komplex sind oder sehr schnell ablaufen. So hat mich während des Films die Familiengeschichte der Lestranges dank der vielen Namen doch etwas verwirrt. Nach dem ich sie noch einmal nachgelesen habe, bin ich zwar immer noch etwas verwirrt, aber die Namen ergeben etwas mehr Sinn.

Dank der Regieanweisungen wurden auch Dinge deutlicher, die im Film gar nicht zur Geltung gekommen sind. Ich wusste beispielsweise nicht, dass der Ministeriumsmitarbeiter zu beginn, ein Tierwesenjäger ist. Wusstet ihr das? Ich konnte mir Newts abweisende Haltung in der Szene nicht erklären, aber mit diesem Wissen ergibt sie Sinn.

Fazit:

Die Drehbücher sind immer eine nette Ergänzung zum Film und für Potter-Tierwesen-Fans ein Muss. Wer lieber nur die Filme genießt, verpasst außer kleine Details nichts. Außer das atemberaubende Design.

Eure Jule

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3 Gedanken zu “Grindelwalds Verbrechen (J. K. Rowling) – eine würdige Fortsetzung?

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