Fichtelbergmarsch 2019 – endlich am Ziel?!

(c) Juliane Dietrich // Sonnenaufgang 5:37 Uhr

Ende Mai war es wieder soweit. Der diesjährige Fichtelbergmarsch stand bevor und wieder haben wir in kleiner Gruppe daran teilgenommen. Auf Instagram habe ich dort am besagten Tag – 25.05.2019 – unser Abenteuer dokumentiert und es mittlerweile auch in den Highlights abgespeichert. Wer also neugierig ist, darf auch da schauen. (Instagram findet ihr in der Sidebar!)

Hier könnt ihr auch noch einmal meinen Beitrag vom letzten Jahr nachlesen.

Der Fichtelbergmarsch ist zunächst einmal eine Langstreckenwanderung von Chemnitz hinauf auf den Fichtelberg, was eine Strecke von ~65 km ergibt. Gemeinsam geht es sehr früh, sprich zwischen 4:30 Uhr und 5:30 Uhr, los. In diesem Jahr nahmen sogar noch mehr Menschen als im letzten Jahr teil. Wir waren also ca. 1500 Menschen, die sich der Herausforderung stellten.

Die Ausrüstung

Ich werde immer nach meiner Ausrüstung gefragt und kann als Antwort immer nur geben, dass es von Person zu Person unterschiedlich ist. Am wichtigsten sind die Schuhe, die definitiv eingelaufen sein müssen. Ansonsten sieht man auf der Strecke alles an Schuhen; Wanderschuhe, Wanderstiefel, Laufschuhe, Sneaker, Sandalen und sogar Chucks. Was man wissen sollte, ist, dass es viele Geröllwege gibt und noch mehr Asphalt. Die Füße werden also auch bei der besten Sohle und Polsterung aufs Extremste belastet. Ich habe bspw. Langstreckenlaufschuhe und bin mit ihnen sehr zufrieden.

Was die Klamotten betrifft, muss jeder selbst wissen, in was er sich wohl fühlt. Wichtig finde ich nur, dass man Sachen für jede Wetterlage benötigt. Meist ist es noch relativ kalt, wenn es früh kurz vor Sonnenaufgang losgeht. Hinzu kommt, dass es auch am späten Nachmittag/frühen Abend auf dem Fichtelberg auch kalt werden kann. Unterwegs ist es jedoch immer ordentlich warm. Also nur in T-Shirt und kurzer Hose sollte man nicht unterwegs sein. Ich handhabe es immer so, dass ich meine locker sitzende Leggins trage, ein T-Shirt und eine Jacke und meist noch eine dünne Jacke/Pulli im Rucksack dabei habe.

Nicht vergessen sollte man auch die Regenkleidung nicht; egal ob Regenponcho, -jacke oder zusätzlich eine Regenhose.

Sonst benötigt man nur noch ein Trinkgefäß: Flasche oder Trinkblase (ich liebe sie!) zum wieder befüllen und vielleicht Traubenzucker für den Notfall. Essen und Trinken gibt es alle 10-15 km, daher sollte man sich immer nur für diese Strecken versorgen.

Dies sind in meinen Augen die wichtigsten Dinge, denn alles, was sich im Rucksack befindet, schleppt man 65 km lang auf dem Rücken und das geht einem irgendwann tierisch auf die Nerven, glaubt mir.

Ich hatte jedoch noch eine kleine Erste-Hilfe-Tasche dabei, in der sich Schmerztabletten, Tape und Blasenpflaster befanden.

Aber jetzt wollen wir uns gemeinsam den Verfall einmal genauer anschauen.

(c) Juliane Dietrich

Der Start

In diesem Jahr habe ich zum vierten Mal an dem Marsch teilgenommen und hatte mir zum Ziel gesetzt, endlich die Strecke vollständig zu laufen und nicht wieder kurz vor Schluss aufgeben zu müssen.

Doch bereits morgens, als der Wecker 3:15 Uhr klingelte, bereute ich alles. Wie jedes Jahr ist es mir einfach zu zeitig. Ich brauche auch meist bis etwa 8:00 Uhr bis ich richtig wach bin. Jedoch waren wir alle – unsere kleine Gruppe bestand aus fünf Personen – 4:50 Uhr zum Abmarsch bereit und es ging los.

Entschädigt wird man jedes Jahr nach dem ersten kleinen Anstieg mit dem Sonnenaufgang. Den ersten Hügel erklimmt man nämlich um aus Chemnitz herauszukommen und genau um diese Zeit geht jedes Jahr die Sonne auf.

Im letzten Jahr habe ich mir genau an der Stelle übrigens die ersten zwei Blasen gelaufen und der Tag war gelaufen. Aber in diesem Jahr lief alles gut und die Laune wurde langsam besser. Schließlich hatte ich mir das Elend ja selbst ausgesucht.

Getestet haben wir in diesem Jahr, da unsere Gruppe aus fünf unterschiedlichen Läufern bestand, auch einmal getrennt zu laufen. Obwohl wir nie weit voneinander entfernt waren, tat es doch auch einmal gut, das eigene Tempo da laufen. Am Ende haben wir uns an irgendeinem Punkt immer wieder getroffen, sei es, weil einer seine Schuhe neu binden musste oder einfach mittendrin eine kurze Pause einlegte.

(c) Juliane Dietrich // Regenguss über dem Ziel

Die Mitte

Ab der Hälfte wurde es in diesem Jahr besonders anstrengend. Von weiten sahen wir schon lange die Regen- und Gewitterwolken, die sich über dem eigentlichen Ziel entluden. Aber noch waren wir ja weit genug entfernt. – Später erfuhr ich, dass die ersten Läufer mitten in den Regenguss geraten waren und auch die Strecke auf dem Berg deswegen geändert werden musste, weil die eigentliche Zielgerade unterspült wurde.

Keine Sorge… der Regen hat uns am Ende auch erwischt. Eingehüllt in Regenjacke und -hose, sah ich zwar ziemlich blöd aus, blieb aber trocken. Hätte es jedoch den ganzen Tag geregnet, wäre meine Motivation spätestens nach 20 km wieder zurückgelaufen. Es macht einfach keinen Spaß bei Regen wandern zu gehen.

Die Blasen an den Füßen hielten sich auch in Grenzen. Ich hatte tatsächlich nur zwei jeweils am kleinen Zeh, was mir jedoch bekannt ist und der Schmerz wird weggelaufen. Oder in diesem Jahr mit einer Schmerztablette betäubt. Dieser Entscheidung bin ich sehr dankbar.

(c) Juliane Dietrich //Der Aufstiegsbeginn zum Gipfel mit Regenbogen

Das Ende

Im letzten Jahr scheiterte ich nach ca. 57 km, was in etwa die Mitte zwischen dem vierten und letzten Verpflegungspunkt ist. Das machte mich besonders fertig, weil es doch so kurz vorm Ziel passierte. Aber damals wollte mein Kreislauf einfach nicht mehr. In diesem Jahr zeigte ich der Stelle mit dem Baumstumpf kurz den Mittelfinger und lief weiter. Ab diesem Zeitpunkt war mir auch klar, dass ich es entweder bis zum Gipfel schaffe oder der Krankenwagen muss mich von Boden aufsammeln.

Die letzten fünf Kilometer waren dann auch echt hart. Es zog sich einfach immer mehr in die Länge. Wir kamen nicht mehr so schnell voran, wie zu Beginn, weswegen auch die Motivation sank. Und es ging eben bergauf. Der gesamte Horror lag also noch vor uns und wir sahen es die ganze Zeit.

Besonders traurig war es, als ich 800 m vor dem Ziel die Bergwacht anrufen musste, weil ein Herr nicht mehr weiterkam. Er war blass und völlig fertig. Er tat mir so leid und am liebsten hätte ich auf die Rettung mit ihm gewartet, aber er saß sicher und ich merkte wie mein Kreislauf nicht mehr möchte. Wäre ich also zu dem Zeitpunkt nicht weitergelaufen, hätte es mich einfach umgeworfen.

Und welch Überraschung! Das hat es dann auch später…

Als ich jedoch das erste Mal das Gebäude auf dem Gipfel zwischen den Bäumen aufblitzen sah – etwa 300 m vor dem Ziel – kullerten tatsächlich auch 1-2 Tränen der Freude. Immerhin nahm ich zum vierten Mal teil und hatte es nun endlich geschafft.

Nach dem Zieleinlauf ließ ich mich auf einen Liegestuhl fallen und durfte mich dann doch fast instant von meinem Kreislauf verabschieden. Ich lief noch zum Sani-Auto, setzte mich und durfte dann endlich verenden… nein, aber die Welt drehte sich doch ganz gut. Mir wurde aber von den super netten Sanitätern Zucker und Kaffee gebracht und weil es schon dunkel wurde und damit die Kälte kam, auch noch in eine Rettungsdecke gewickelt.

Aber: GESCHAFFT!

Im Bus auf der Rückfahrt bin ich dann auch sofort eingeschlafen, obwohl mein Freund felsenfest behauptet, dass ich mit ihm noch über das Abendessen gesprochen habe.

(c) Juliane Dietrich // Sonnenuntergang ~20:05 Uhr

Fazit

Aktuell sieht es so aus, als ob wir im nächsten Jahr nicht mehr teilnehmen, weil wir es alle ins Zeil geschafft haben. Aber ich sehe uns auch zum Start des Ticketvorverkaufs am Rechner sitzen und wieder teilnehmen.

Eure Jule

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Ein Gedanke zu “Fichtelbergmarsch 2019 – endlich am Ziel?!

  1. Liebe Jule,

    auch hier noch einmal herzlichen Glückwunsch, dass du es dieses Jahr endlich geschafft hast! Ich bewundere dich/ euch nach wie vor für diese Leistung.

    Und es sind dabei so schöne Fotos entstanden! :) Danke fürs Mitnehmen.

    Liebe Grüße
    Kathrin

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